Gebrauchtwagen-Bewertung
Höherer Abschlag für Kilometerfresser

Fahrzeuge mit mehr als 200.000 Kilometern Laufleistung sind für Käufer oft wahre Gebrauchtwagen-Schnäppchen. Und jetzt kommen die Preise der Langläufer erneut unter Druck. Mit Konsequenzen für die Restwerte.
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DüsseldorfIm deutschen Automarkt steigt nach Beobachtung der Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) sowie des CAR Instituts der Ruhr-Universität Duisburg-Essen seit Jahren der Anteil gewerblicher Zulassungen, sprich Firmenwagen, während der Anteil privater Neuwagen-Käufer zurückgeht. Dieser Trend hat verschiedene Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenhandel.

„Diese Mittelklasse- und obere Mittelklasse-PKW bringen teilweise sehr hohe Laufleistungen pro Jahr. Und diese Fahrzeuge stehen in direktem Wettbewerb zu einem umfangreichen Angebot an ebenfalls jungen Gebrauchten, die aber deutlich weniger Kilometer auf dem Tacho haben“, erklärt Siegfried Trede, Leiter der Fahrzeugbewertung bei der DAT.

Zu dieser Konkurrenzsituation auf Angebotsseite, die für Käufer durchaus positive Preisaspekte hat, kommt ein Trend im Gebraucht-Handel: Experten stellen bereits seit rund zwei Jahren einen Rückgang der Preise für Fahrzeuge mit hoher Laufleistung fest.

Eine Entwicklung, die nach Einschätzung von Trede in den einzelnen Segmenten auch Auswirkungen auf die Prognosen der zu erwartenden Restwerte und damit auf die Gestaltung der Leasingverträge zeigt.

Die Deutsche Automobil Treuhand nimmt nun, nach bereits zwei vorangegangenen Anpassungen, erneut in ihrem Bewertungssystem eine dritte Kilometerkorrektur für Gebrauchtfahrzeuge mit besonders hoher Laufleistung vor.

Im System „SilverDAT“, das von rund 15.500 Autobetrieben und Werkstätten genutzt wird, wird beispielsweise automatisch bei Mittelklassefahrzeugen mit mehr als von 200.000 km auf dem Tacho der Gebrauchtwert um durchschnittlich zwei Prozent gemindert.

Gebrauchtfahrzeuge mit über 100.000 km Laufleistung ließen sich nicht mehr über die Kanäle im In- und Ausland vermarkten, über die das noch vor einigen Jahren möglich war, heißt es zur Begründung bei den Experten aus Ostfildern. Und es zeichne sich ab, dass im kommenden Jahr nicht mit einer Entschärfung der Situation zu rechnen sei.

Diese Preisentwicklung wird letztlich nicht nur Einfluss auf die Restwertprognosen, sondern auch unmittelbar auf die Fuhrparkkosten von Firmen haben, deren Außendienstmitarbeiter besonders viele Kilometer zurücklegen.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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