Geländewagen-Boom ohne Ende
Die Evolution der Unvernunft

Noch vor wenigen Jahren galten Geländewagen als Sinnbild der Unvernunft. Doch die Hersteller haben ihre Wuchtbrummen weiterentwickelt - heute sind sie gefragt wie nie.

FrankfurtDieter Zetsche ist der Stolz anzumerken. Der Daimler-Boss spricht bei der Präsentation des neuen Mercedes-Geländewagens M-Klasse viel über Fahrwerk, Design und Sicherheit, aber vor allem redet er über eines: den Verbrauch. Die 204-PS-Maschine des zwei Tonnen schweren Offroaders, der auf der Automesse IAA in Frankfurt debütieren wird, trumpft mit einem Normverbrauch von 6,0 Litern beim Einsteigermodell auf. Stark wie ein Kraftsportler, aber mit einem Appetit wie ein Unterwäschemodell gesegnet - das ist das oberste Gebot für die neuen Wuchtbrummen im boomenden Segment der Geländewagen.

Kritiker hatten die Autos noch vor wenigen Jahren angesichts rasch steigender Spritpreise als Sinnbild für Unvernunft und Verschwendung gebrandmarkt und ihnen ein rasches Ende vorausgesagt. Doch mit sparsamen Motoren und neuen kompakten Modellen haben die Hersteller die Klimadebatte umschifft. Heute sind Geländewagen so beliebt wie nie zuvor. Mehr als jedes zehnte neue Auto ist inzwischen ein Sport-Utility-Vehicle, kurz SUV genannt.

Belief sich der Anteil der Geländewagen am europäischen Markt 2006 auf sieben Prozent, waren es im vergangenen Jahr bereits 11,5 Prozent. Und der Markt wächst weiter. "Die SUV-Produktion wird bis 2017 auf rund 880.000 Einheiten ansteigen - ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Jahr 2010", schätzt Felix Kuhnert, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei der Unternehmensberatung PwC in Europa. "Das ist das absolute Siegersegment. Wer in der Sparte nicht vertreten ist, der hat den Markt verpennt", urteilt Experte Ferdinand Dudenhöffer.

Doch das geht nur, weil die Hersteller das Segment in den vergangenen Jahren völlig neu definiert haben. "Die Fahrzeugklasse besteht schon längst nicht mehr nur aus Riesenschlitten, wie Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach betont: "Vor allem kleine und mittelgroße SUVs sind heute gefragt. Vor zehn Jahren gab es von Audi nur den Q7, jetzt auch den Q5 oder Q3. Bei BMW ist es mit der X-Reihe dasselbe."

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