„Gelber Engel“: ADAC-Autopreis: „Eigenlob stinkt in diesen Tagen nicht“

„Gelber Engel“
ADAC-Autopreis: „Eigenlob stinkt in diesen Tagen nicht“

Wer Preise verleiht, möchte stets selbst ein bisschen glänzen. Der ADAC, eigentlich über jeden Glamourverdacht erhaben, lädt zum Schaulaufen. 500 Gäste und die gesamte deutsche Autoprominenz sind nach München geeilt, um die Preise für den "Gelben Engel" entgegenzunehmen. Und auch dieses Mal verteilte der Automobilclub seinen Preis wieder ausschließlich an deutsche Marken.

MÜNCHEN. Zwar verleiht der ADAC seine Auszeichnung erst zum fünften Mal, doch schmücken möchte sich jeder Manager mit ihr.

Trotz oder wegen der schweren Autokrise: Die Macht des ADAC wächst. 16,4 Millionen Mitglieder zählt der Club in Deutschland mittlerweile, das sind zehnmal mehr als die politischen Parteien Mitglieder haben. "Hütet Euch vor dem ADAC und seiner Meinungsmacht," soll Ex-Kanzler Helmut Kohl seinen Ministern gepredigt haben, gibt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zum Besten. Vor der Deutschen Wiedervereinigung hatte der Club 14 Millionen Beitragszahler.

"Unser Engagement hinterlässt Spuren in der Politik", sagt ADAC-Geschäftsführer Stefan Müller ganz offen. Zwar biss der Club mit seiner Forderung nach einer Senkung der Ökosteuer im vergangenen Jahr noch auf Granit. Jetzt ist er aber näher am Ohr der Politik.

Dass die Bundesregierung gerade eine Verschrottungsprämie für Altautos einführt, rechnet sich der Club auch als seinen Verdienst an. Mit einer massiven Kampagne will der ADAC die Deutschen in diesem Jahr zu Autokäufern machen. "Es gibt jetzt keinen Grund mehr, kein Auto zu kaufen", sagt Müller. Der ADAC habe jetzt die Aufgabe, gute Laune in Autodeutschland zu verbreiten.

"Happy Schrotting" nennt Glamour-Moderatorin Nina Ruge flapsig die Abwrackprämie und schiebt gleich das Motto des Tages nicht hinterher: "Eigenlob stinkt nicht."

So geht es an die Preisverleihung - traditionell eine rein deutsche Angelegenheit. Zur stärksten Automarke kürt der ADAC erneut Audi, vor Mercedes und BMW. Die Leser der Mitgliederpostille "Motorwelt" wählen den neuen VW-Golf zu ihrem Lieblingsauto; Daimler erhält den Innovationspreis für seine Lithium-Ionen-Batterie. BMW darf sich rühmen, mit dem Geländewagen X3 in der Pannenstatistik erneut die Japaner vom Thron gestoßen zu haben.

Persönlichkeit des Jahres ist Franz Fehrenbach. Eindrücklich wirbt der Bosch-Chef für eine Wende in der Autoindustrie zu mehr Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung. Dann werde diese Krise zu einer Chance.

Eine "Charity-Veranstaltung für die notleidende deutsche Autoindustrie" nennt der Kabarettist Matthias Deutschmann die Preisverleihung und darf weiter sticheln. "Einen Porsche mit dem Aufkleber ,Ich bremse auch für Spekulanten?", wünsche er sich als Lieblingsauto, ätzt Deutschmann in Richtung Wendelin Wiedeking. Der lächelt gequält. Porsche fährt in diesem Jahr ohne einen "Gelben Engel" nach Hause.

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