Genfer Autosalon: Zwergenaufstand im Reich der Riesen

Genfer Autosalon
Zwergenaufstand im Reich der Riesen

Downsizing, CO 2 -Regeln und Plattformstrategien machen es möglich: Trotz SUV-Boom erobern kleine Stadtflitzer Marktanteile zurück. Und in Genf gibt es viel Nachschub. Die neuen Trends, von billig bis teuer.

Genf/DüsseldorfKleines Format, große Unterschiede: Selten gab es so viele verschiedene neue Kleinwagen wie in diesem Autofrühling. Der Bogen spannt sich vom Preisbrecher bis zum Premiummodell, von Lowtec bis Lifestyle. Grund sind auch die CO2-Grenzwerte. Kleinwagen haben sowohl für Volumen- als auch Premiumhersteller eine wachsende Bedeutung, erklärt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach die Modellfülle in diesem Autofrühling.

Einen steigenden Marktanteil von Kleinwagen beobachtet Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. 2011 lag der Anteil von Kleinwagen bei den deutschen Neuzulassungen noch bei 5,8 Prozent. 2013 waren es schon 7,9 Prozent.

Der Leiter des Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen glaubt aber, dass die SUV dagegen einfach noch „unschlagbar“ sind. Ihr Marktanteil betrug 2013 vor allem durch Wachstum bei kompakten SUV rund 16 Prozent. Dudenhöffer ist sicher: Der Trend zu mehr Kleinstwagen, angefacht durch den Mini und die Premiumakzentuierten geht weiter, aber doch mit „überschaubaren“ Zuwächsen.

Doch auch wenn die Maße schrumpfen und die Motoren etwas weniger Kraft haben: Viele technologische Errungenschaften aus höheren Klassen stehen mittlerweile auch bei den Kleinsten zur Wahl. Beispiel VW Polo: "Klein ist an diesem Auto nur noch das Format", sagt VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer mit Blick auf Extras wie automatische Abstandsregelung, serienmäßige Müdigkeitserkennung oder die Multikollisionsbremse, die mit der Modellpflege Einzug halten.

Der Polo kommt nach seiner Publikumspremiere auf dem Genfer Autosalon in den Handel. Am Design hat sich kaum etwas geändert, dafür wurde die Motorenpalette laut VW komplett erneuert. Die Aggregate decken eine Leistungsspanne von 60 bis 192 PS ab. Der Verbrauch sinkt laut VW um bis zu 21 Prozent, der Grundpreis von 12.450 Euro bleibt.

Wie früher noch beim Kleinwagen die Regel, muss man sich auch beim Mini längst nicht mehr in Enthaltsamkeit üben. Für den Stadtfloh wurden bis dato laut BMW oft mehr Extras bestellt als für den 1er oder 3er - und jetzt gibt es in der Ausstattungsliste noch mehr Optionen zum Ankreuzen: Wer vom LED-Scheinwerfer über den Einparkautomaten bis hin zum Head-up-Display alles mitnimmt und auch noch den stärksten der zunächst drei verfügbaren Motoren (116 bis 192 PS) bestellt, kommt allerdings schnell auf mehr als 40.000 Euro. Der Basispreis liegt bei 19.700 Euro, Markstart ist im April.

Das Design ist unverwechselbar und das Gokart-Gefühl am Steuer vertraut. Aber sonst gibt es nicht mehr viel, was der Mini mit seinem Vorgänger gemein hat, sagt Pressesprecher Andreas Lampka. Der neue Mini steht nach seinen Angaben auf einer neuen Plattform, die er sich genau wie die Motoren künftig mit einigen BMW-Modellen unterhalb des 3ers teilen wird.

Während BMW mit dem neuen Mini die trendige Großstadt-Kundschaft erreichen will, zeigt Audi in diesem Frühjahr, dass ein Kleinwagen auch jede Menge Kraft haben kann. Mit dem S1 bieten die Bayern zum ersten Mal ein Sportmodell in ihrer Einstiegsbaureihe an. Bis zu 250 km/h schnell und 231 PS stark, kommt der Audi S1 im zweiten Quartal zu Preisen ab 29.950 Euro in den Handel.

Auch beim Opel Adam geht die Entwicklung in Richtung mehr Fahrspaß: Dafür sorgen soll ein neuer Dreizylinder-Turbo mit 115 PS. Und eine zweite Karosserievariante soll die ohnehin schon üppige Auswahl an Farben und Formen vergrößern. Ab Sommer gibt es den Adam auch in der Variante Rocks mit etwas mehr Bodenfreiheit und robusten Anbauteilen im Offroad-Look sowie einem Faltverdeck.

Für die preisbewusstere Kundschaft bringt der Autofrühling zum Beispiel den neuen Suzuki Celerio. Kein anderer Hersteller baut weltweit so viele Kleinstwagen wie das japanische Unternehmen, nun füttert die Firma ihr Europaprogramm weiter an und stellt dem Alto den etwas geräumigeren Bruder zur Seite.

Und wer lieber bei einem europäischen Hersteller kaufen möchte, kann ab Sommer zum aufgefrischten Fiat 500 mit neuen Motoren greifen.

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