Gerichte urteilen streng
Handy am Steuer: Die dümmsten Ausreden

Obwohl das Telefonieren am Steuer verboten ist, werden immer mehr Autofahrer von der Polizei mit dem Handy am Ohr erwischt. Dabei werden die Ausreden, die der Auto Club Europa (ACE) gesammelt hat, immer skuriler.

dpa/tmn STUTTGART/KÖLN. So behauptete beispielsweise ein Autofahrer, er habe das Gerät nicht zum Telefonieren, sondern als "Wärmeakku" gegen Ohrenschmerzen benutzt. Ein weiterer erzählte den Beamten, das Handy diene als Stütze für seinen "hin und her" wackelnden Unterkiefer. Beide Fälle landeten vor Gericht, die Richter befanden auf "Ausrede unglaubhaft".

Vergebens war auch der Einspruch eines weiteren Autofahrers. Er hatte zu Protokoll gegeben, er habe sich mit dem Akkurasierer den Bart gestutzt und dazu zur Radiomusik mitgesungen.

Ebenso kam ein Geschäftsmann nicht mit der Angabe durch, er habe nur diktiert. Das Thüringer Oberlandesgericht urteilte, dass eine "mentale Ablenkung eines Fahrzeugführers infolge der Benutzung eines Mobiltelefons" nicht allein von der Benutzung als Telefon ausgehe, sondern auch vom Diktieren (Az.: 1/ Ss 82/06).

Und das Oberlandesgericht Hamm entschied: Behauptet ein Autofahrer entgegen der Beobachtung eines Polizisten, sich abgestützt anstatt telefoniert zu haben, so ist der Aussage des Beamten eher zu glauben (Az.: 2 Ss 228/07).

Handy-Nutzung: Auch als "Navi verboten

Außerdem dürfen Autofahrer ihr Handy während der Fahrt generell auch nicht zur Navigation in die Hand nehmen. Das hat das Oberlandesgericht in Köln entschieden (Az.: 81 Ss-OWi 49/08).

Der Gesetzgeber hat praktisch jegliche Nutzung am Steuer verboten: Im vorliegenden Fall war ein Autofahrer mit Handy in der Hand erwischt worden. Er hatte argumentiert, er habe lediglich die Navigationsfunktion benutzt, schließlich seien Navigationsgeräte auch erlaubt.

Das Gericht befand: Gleichgültig, welchen Dienst er in Anspruch genommen habe, er habe die Hände vom Steuer genommen und sei zumindest in der Bedienungs-Phase abgelenkt gewesen. Angefasst werden dürfe das Gerät lediglich, um es woanders hinzulegen. Alles andere werde mit Bußgeldern geahndet.

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