Geringe Margen und lange Produktzyklen
Neue Zwerge auf der Straße

Die Autohersteller proben den Zwergenaufstand. Nachdem sie in den vergangenen Jahren vor allem in die Kompakt- und Mittelklasse investiert haben, bringen sie in diesem Jahr zahlreiche Kleinwagen heraus.

dpa/tmn FRANKFURT/M. Für die nahe Zukunft rechnen Experten wie Marktbeobachter Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight in Frankfurt mit einem entsprechendem Absatzplus: Nachdem in Deutschland im Jahr 2004 mit gut 135 000 Zulassungen ein Tiefpunkt erreicht war, zählt er für 2006 bereits wieder 171 000 Kleinwagen-Zulassungen und rechnet bis 2009 sogar mit 222 000 Verkäufen.

Als Grund für diese Entwicklung nennt Stürmer vor allem die vielen Neuheiten, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen werden. Meist handelt es sich dabei um Nachfolger von Autos, die bereits seit einer halben Ewigkeit gebaut werden. „Die Modellzyklen bei den Kleinstwagen sind extrem lang, weil die Nachfrage stark schwankt und die Margen so klein sind, dass solche Fahrzeuge erst nach vielen Jahren einen Gewinn abwerfen“, erklärt Stürmer. Neue Modelle bringen die Hersteller daher eigentlich nur, wenn sie unbedingt müssen: Jetzt haben sich Vorschriften und Kundenbedürfnisse so stark verändert, dass bald ein halbes Dutzend neuer Zwerge auf die Straßen kullert.

Nachdem die zweite Generation des Smart, die zu Preisen ab 9 490 Euro beim Händler steht, den Premierenreigen vor wenigen Wochen eröffnet hat, folgt im Sommer der Nachfolger des Twingo. Er ist laut Renault im Zuge des Generationswechsels um fast 20 Zentimeter auf 3,60 Meter gewachsen und wird wahlweise mit einer durchgehenden Rückbank oder zwei Einzelsitzen ausgeliefert, die beide um 22 Zentimeter verschoben werden können. Außerdem gibt es neben sechs Airbags und einem etwas später verfügbaren ESP künftig viele Extras, die bislang größeren Fahrzeugen vorbehalten waren. Das Motorenangebot umfasst drei Benziner und einen Diesel, die eine Leistungsspanne von 43 KW/60 PS bis 74 kW/100 PS abdecken.

Nach den Franzosen sind dann die Italiener an der Reihe: Denn auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Debüt des Nuova Cinquecento enthüllt Fiat am 4. Juli in Turin die Neuauflage des Fiat 500. Die kleine „Knutschkugel“, die nach Informationen aus Unternehmenskreisen zu Preisen knapp unter 11 000 Euro noch im Herbst auf den Markt kommen soll, orientiert sich stilistisch an der Studie Trepiuno. Damit kommt der Wagen dem Original sehr nahe. Der neue Cinquecento basiert auf dem Fiat Panda und ist nach Werksangaben 3,55 Metern lang, 1,65 Meter breit und 1,49 Meter hoch. Den Radstand gibt Fiat mit 2,30 Metern an. Für den Antrieb des Retro-Zwergs stehen zunächst drei Motoren mit 50 kW/69 PS bis 74 kW/100 PS zur Wahl.

Fiat baut den 500er aber nicht alleine. Auf derselben Basis entsteht im polnischen Werk Tichy auch der Nachfolger des Ford Ka, der wahrscheinlich im September auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt enthüllt wird. Dort feiern auch zwei weitere Kleinwagen mit gemeinsamen Wurzeln ihre Weltpremiere: Auf dem Opel-Stand wird sich nach Angaben von Vorstand Hans Demant ein neues Einstiegsmodell unterhalb des Corsa im Rampenlicht drehen, das den Agila beerben soll.

Und bei Suzuki gibt auf der IAA der Nachfolger des Wagon R+ seinen Einstand, kündigt Pressesprecher Axel Seegers an. Wie schon in der vorigen Generation werden sich beide Autos wieder viele Komponenten teilen, sagt Seegers und verrät auch schon etwas zum Design: „Die Studie Splash gibt darauf einen relativ konkreten Ausblick.“

Auch im VW-Konzern tut sich etwas im Hinblick auf neue Kleinwagen: Zum Beispiel hat Audi einen A1 bestätigt, der vom Jahr 2009 an in Brüssel produziert wird. Und VW-Chef Martin Winterkorn hat kurz nach seinem Amtsantritt in Wolfsburg ebenfalls einen neuen Kleinwagen in Auftrag gegeben.

Ganz egal, ob retro wie beim Fiat 500 oder frech wie beim Suzuki Splash: „Ein originelles Design ist für solche Fahrzeuge ungeheuer wichtig“, sagt Marktbeobachter Stürmer. Weil sie oft nur als zusätzliches Fahrzeug gekauft würden, müssten sie zum einen so preiswert sein, dass der Verbraucher halbwegs „spontan“ zuschlagen kann. Andererseits müsse es eine attraktive Marke mit auffallendem Design oder pfiffigen Extras sein, um Begehrlichkeiten zu wecken.

Zwar passen kleine, preiswerte und sparsame Autos auch angesichts der CO2-Diskussion und weiter steigender Benzinpreise gut in die Zeit. Dennoch rechnet Stürmer eher mit einer kurzen Nachfrage-Welle als mit einem überproportionalen Wachstum.

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