Gigaliner könnten Straßen entlasten und Frachtkosten senken
Laster brauchen mehr Platz für die Ladung

Ein großes Thema treibt die LKW-Branche um: Wie kann ein Laster mehr Waren transportieren?, lautet die Frage. Eine Antwort: Die Fahrzeuge müssen länger und schwerer werden. Heute ist eine Maximallänge von 18,75 Metern und ein Gewicht von 40 Tonnen für LKWs zugelassen. Das könnte sich bald ändern:

DÜSSELDORF. In Niedersachsen darf der Hersteller Krone dank einer Ausnahmegenehmigung die ersten Gigaliner auf den Straßen des Landes testen. "Durch die deutlich größeren Ladevolumina der Fahrzeuge sehen wir die Möglichkeit, zur Entlastung des steigenden Verkehrsaufkommens sowie zur Kostenreduzierung beizutragen", sagt der niedersächsische Verkehrsminister Walter Hirche. Wie lange der Versuch dauert, ist jedoch offen. Letzte Woche forderte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, das Projekt zu stoppen: Risiken für die Verkehrssicherheit seien nicht geklärt.

Die Gigaliner sind 25,25 Meter lang und erreichen ein Gesamtgewicht von 60 Tonnen. Eine solche Lastzug-Kombination transportiert heute mindestens 40 statt 26 Tonnen, bietet Platz für bis zu 52 statt 34 Euro-Paletten und erreicht bis zu 150 Kubikmeter Ladevolumen statt 100 Kubikmetern. Damit könnten, laut Krone, der Kraftstoffverbrauch und die Emissionen um bis zu 20 Prozent reduziert werden.

Ein typisches Beispiel für den wachsenden Transportbedarf ist der Handel: Schinken aus Spanien, Äpfel aus Italien und Tomaten aus Holland - viele Produkte kommen von weit her, sie müssen auf dem Weg zum Supermarkt oft mehrere Tausend Kilometer zurücklegen. "118 Kilogramm Waren werden pro Tag und Bundesbürger auf der Straße transportiert", sagt Gerd Rohrsen, Leiter des Bereichs Kommunikation beim LKW-Hersteller Schmitz Cargobull. Und die Menge steige stetig - wie schon in den vergangenen Jahren. 2005 transportierten Nutzfahrzeuge fast 70 Prozent des Warentransports, die Eisenbahn 16 Prozent und Binnenschiffe 12 Prozent. 1970 dagegen übernahmen die Nutzfahrzeuge 37 Prozent, die Bahn 33 Prozent und die Schiffe 23 Prozent.

Mit dem Gigaliner-Konzept suchen LKW-Hersteller und Logistiker nach Lösungen, diesem Warenstrom innerhalb der bestehenden Infrastruktur gerecht zu werden. "Wir werden keine Investitionen in neue Straßennetze bekommen, höchstens noch den Ausbau von dritten Spuren auf Autobahnen", sagt Karl Schaller, -Viktor Technik-Vorstand bei MAN Nutzfahrzeuge AG, München.

Neben Krone arbeiten auch andere Fahrzeughersteller daran, mehr Ladung auf ihren LKWs unterzubringen: So zeigt Iveco Magirus AG auf der IAA die Ergebnisse des Projekts "Transport Concept": ein innovativer Sattelzug bestehend aus der Sattelzugmaschine Stralis AS und einem Sattelauflieger. Der neue Sattelauflieger erlaube bei Einhaltung des zulässigen Gesamtgewichts ein größeres Tranportvolumen, sagt Iveco-Sprecher Manfred Kuchlmayr. Durch eine Optimierung der Aerodynamik, neue Motoren und den Einsatz innovativer Reifen würden sich auch die Betriebskosten verringern.

Die Kögel Fahrzeugwerke in Burtenbach haben einen bundesweiten Versuch mit dem Großauflieger BigMaxx gestartet. Der ist mit seinen 17,80 Metern sogar kürzer als der heute übliche Gliederzug, hat aber mehr Ladefläche. Die Vorteile: Er stellt so beim Überholen auf Autobahnen kein größeres Hindernis dar, kann problemlos auf Rastplätzen rangieren macht im Kreisverkehr keine Probleme. Die Mehrkosten des BigMaxx amortisierten sich schnell, rechnet Klemens Groß-Vehne, Vorsitzender des Kögel-Beirats vor. Ein normaler Sattelzug erziele einen jährlichen Umsatz von 160 000 Euro. Bei zehn Prozent zusätzlichem Ladevolumen kämen 16 000 Euro hinzu; außerdem eine Reduzierung der Prozesskosten: Durch das größere Ladevolumen erziele man zehn Prozent Einsparungen im Handling, also dem Be- und Entladen sowie dem Erstellen von Frachtpapieren.

Eine parallele Entwicklung auf dem Markt für Nutzfahrzeuge sieht Bernd Wiedemann, Sprecher des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge: Zwei Drittel des gesamten deutschen LKW-Bestands seien leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Gleichzeitig seien die Bestandszahlen für LKW über 3,5 Tonnen rückläufig. Bei Speditionen verstärkt sich der Trend, die Ladung nicht auf einem schweren LKW, sondern verteilt auf mehrere leichte Nutzfahrzeuge zu befördern. Denn diese sind schneller und flexibler - und sie fahren direkt zum Kunden. "Zu dieser Entwicklung trägt auch die Verkürzung der Lieferketten zwischen Herstellern und Endverbrauchern unter Umgehung des Zwischenhandels bei", begründet Wiedemann die Entwicklung. Man denke nur an steigende Bestellzahlen bei Internethändlern wie Amazon oder Ebay.

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