Glemseck 101
Aus purem Spaß am Motorrad

Cafe Racer, Scrambler und Bobber bringen frischen Wind in die Motorradbranche. Bester Beweis: Über 50.000 Fans beim achten „Glemseck 101“ bei Leonberg, wo sich Szene und Mainstream den Gasgriff in die Hand drücken.
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Viertelmeile-Rennen, Rock'n'Roll und üppig gegeltes Haar: Mit Strömungen wie sogenannten Scramblern und Bobbern, vor allem aber mit „Cafe Racern“ weht eine coole, bunte und frische Brise durch die Motorrad-Szene. Jörg Litzenburger, Initiator des mittlerweile achten Biker-Treffens „Glemseck 101“ bei Leonberg,benannt nach dem Hotel Glemseck an der legendären Solitude-Rennstrecke,  hat die Erklärung parat: „Hier geht’s um den puren Spaß am Bike – wie damals in den 60er Jahren, als in England die Cafe Racer entstanden: Einfach drauflos fahren mit wenig Gepäck und kaum Geld in der Tasche. Dazu schwarzes Leder und Rock'n'Roll statt Koffer und Goretex. Motorradfahren ist cool, und es darf unvernünftig sein.“

Zunehmend lassen nicht nur die heute rund 50jährigen diese Art des Bikens wiederaufleben. Laut Litzenburger gibt es in der Szene sehr viele Biker zwischen 20 und Mitte 30: „Die jungen Leute sind bis vor kurzem Skateboard gefahren, jetzt können sie sich relativ leicht einen erschwinglichen Cafe Racer leisten. Und beim Glemseck 101 dürfen sie auch in den Sprints fahren, können Gas geben. Das ist der besondere Reiz an unserer Veranstaltung.“

Einen vertretbaren Grad an Unvernunft kann Litzenburger sehr gut abschätzen, koordiniert er doch hauptberuflich im Landkreis Böblingen die Drogen- und Suchtprävention. Mit Glemseck 101 hat er eine Veranstaltung ins Leben gerufen und seit acht Jahren behutsam vergrößert, die offensichtlich voll den Nerv der Zeit trifft. Das bestätigt Hans-Peter Rütter, der in Deutschland das legendäre, am Glemseck mit einem großen Stand vertretene „Ace Cafe London“ vertritt: „Cafe Racing ist Motorrad pur. Nur Du und das Bike. Ein Motor, ein Lenker, zwei Räder, mehr brauchst Du nicht, um Dich mit Gleichgesinnten von anderen abzugrenzen. Genau das suchen auch immer mehr Kids.“

Die Cafe Racer-Szene kennt kaum jemand so gut wie Mark Wilsmore, Wiederbegründer des 75 Jahre alten Ace Cafe in London. Ihn erinnert die heutige Szene an die Aufbruchstimmung und Rebellion nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals hätte die demographische Explosion und die bis dahin ungekannte Möglichkeit, sich unabhängig mit einem Fahrzeug zu bewegen, zur simplen Erkenntnis geführt: „Enjoy!“. Ähnlichen Spaß am Bike merkt man auch heute den Tausenden Besuchern am Glemseck 101 drei Tage lang an.

Einige Wochen zuvor hatten Viertelmeile-Rennen zwischen Cafe Racern auch neuen Schwung in die BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen gebracht. Ungewohnte Rockabilly-Musik mischte sich in die gesamte Klangkulisse, schwarzes Leder konkurrierte in den Menschenmengen auffällig mit der neonleuchtenden Protektorenkleidung von heute. Das brachte eine neuartige Leichtigkeit unter die oft traditionsorientierten BMW-Fans.

Starkes Wachstum erkennt in der Cafe Racer-Szene auch Jo Soppa, Chefredakteur des Fachmagazins MO. „Diese Kultur hat in den sechziger Jahren ihren Ursprung. Und heute  richten ältere wie auch junge Biker wieder hundsnormale Motorräder her, die günstig zu bekommen sind. Die Honda CB 400 ist so ein Beispiel. Die peppen sie vor allem optisch auf in der Ästhetik der Rennmotorräder von damals, weil das einfach schöne Motorräder waren. Wer mit wenig Geld so einen Cafe Racer baut, kann nichts dabei verlieren, sondern gewinnt stattdessen den reinen Spaß am Motorradfahren.“

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Alte Kisten mit rauem Charme

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