„Glücklich Paket“
Auto-Rabatte auf Höchstniveau

Beim Autokauf sind Preislisten seit Jahren Makulatur. Sie dienen dem Käufer gerade mal als Orientierung beim Feilschen um einen möglichst hohen Rabatt. Preisnachlässe und Angebote haben derzeit einen Höhepunkt erreicht. Denn in vielen Autohäusern blieben die Schauräume seit Jahresbeginn gähnend leer.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Anhebung der Mehrwertsteuer hat die Preise in die Höhe getrieben. Viele Privatleute haben sich im alten Jahr noch ein Fahrzeug zum ermäßigten Steuersatz gesichert und im Schnitt 700 Euro gespart. Der Absatz knickte im Januar und Februar um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher und die hohen Listenpreise machen die Händler jetzt im Frühling rabattfreudig.

„Nach dem Einbruch des Autoabsatzes sind die Händler unter Druck geraten, die Bestände zu verkaufen“, sagt der Autoexperte der Deutschen Bank, Eric Heymann. Viele Autokäufer seien zudem nicht bereit, die hohen Listenpreise zu zahlen, die wegen neuer Technik-Extras und Sicherheitsfeatures ständig stiegen. Den Herstellern laufen die Privatkunden weg: Im Januar sank der Anteil der privaten Käufer auf ein neues Tief von 46 Prozent aller Neukäufe. Im Schnitt hat ein Wagen auf Deutschlands Straßen inzwischen ein Alter von acht Jahren erreicht. Manch ein Händler sattelt da noch einen Zusatzrabatt auf laufende Aktionen und bietet gratis ein Navigationssystem oder einen Tag Urlaub mit einem Reiseanbieter.

Im Schnitt gibt es nach einer Studie des Center Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen derzeit 18 Prozent Rabatt auf den Listenpreis - ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Andere Experten sprechen von mindestens mehr als zwölf Prozent Nachlass. Die Spanne reicht von null Rabatt für einen gefragten Porsche 911 bis hin zu satten 29 Prozent für die Großraumlimousine Citroen Xsara Picasso, die in die Jahre gekommen ist. „Ein Rabatt ist stark vom Modell abhängig. Wenn ein Fahrzeug neu auf den Markt kommt, ist nicht viel drin“, sagt Branchenexperte Heymann.

Die Autobauer setzen auf die Geiz-ist-Geil-Mentalität der Kunden - allerdings zu Lasten ihrer Margen. „Die Rabattitis ist ein schleichendes Gift“, klagt der Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), Helmut Blümer. „Die Käufer sind verwöhnt worden - und der Autoverkauf ohne Rabatt ist heute eine Illusion.“ Deshalb setzen immer mehr Autohändler auf Pakete inklusive Versicherung, günstiger Finanzierung und verlängerter Garantie. Solche Angebote gibt es zum Beispiel bei den Volumenherstellern VW („Jubiläumspaket“ mit vier Jahren Wartung) und Opel („Starthilfe“). Aber auch der französische Kleinwagenhersteller Peugeot („Rundum glücklich Paket“) und Fiat („Fiat vier You“) locken damit Kunden.

Auf diese Weise kommen die Händler über die Runden. „Pakete sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft“, sagt Blümer, dessen Verband die meisten Autohändler und -werkstätten vertritt. Ein Händler mache etwa die Hälfte seines Geschäfts beim Verkauf, die andere Hälfte aber mit den Folgegeschäften. Dazu zählen Ersatzteile, der Service und die Finanzierung. „Davon leben die Händler gut. Ein Paket ist eine gute Investition in die Kundenbindung.“

Aber nicht jeder Rabatt ist ein Vorteil für den Kunden. Problematisch wird es dann, wenn später die Erlöse für den gebrauchten Wagen niedriger ausfallen. Restwerte in Leasingverträgen stimmen unter Umständen nicht mehr. „Der Wiederverkaufswert sinkt - da sind viele Verbraucher gekniffen, wenn sie nicht vorher den maximalen Rabatt rausgeholt haben“, kritisiert Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Zudem seien Pakete für Käufer unübersichtlich und absolut nicht mehr durchschaubar.

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