GM-Geländewagen Hummer
„Wenn mich jemand rammt, ist er tot“

Er ist protzig, durstig und niemand will ihn haben. Der Geländewagen Hummer ist das Sinnbild für hohen Spritverbrauch in Amerika und die Krise des Autobauers General Motors. Bis Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2009 will GM den auf einem US-Militärfahrzeug basierenden Wagen nun endgültig loswerden, erklärte die Opel-Mutter kürzlich.

HB DÜSSELDORF. Noch im Jahr 2002 druckte die "New York Times" unter der Überschrift "Detroits heißester Verkaufsschlager" Liebesbekundungen von Hummer-Fans ab. "Ich fühle mich wie ein Kino-Star. Junge Frauen und Teenager jubeln mir zu", freute sich ein 65-jähriger Käufer. "Es ist, als würde ich mir ein Superman-Outfit überziehen", erklärte der Gründer eines Hummer-Fan-Clubs. Eine Familienmutter schwärmte über das ganz spezielle Gefühl von Geborgenheit. "So kann ich meine Familie beschützen. Wenn mich jemand rammt, ist er tot."

Heute lesen sich diese Aussagen wie Zitate aus einer fernen Vergangenheit, dabei sind sie keine sechs Jahre alt. Statt Jubel ernten Hummer-Fahrer mittlerweile eher vorwurfsvolle bis mitleidige Blicke.

Warum fahren sie mit Offroad-Fahrzeugen über gut ausgebaute Straßen und durch enge Innenstädte? Ist es verantwortbar, in Zeiten von globaler Erwärmung ein Auto zu fahren, das auf 100 Kilometer zum Teil mehr als 25 Liter schluckt? Und kann man sich das bei den aktuellen Spritpreisen überhaupt noch leisten?

Russe winkt ab

Gerade letzte Frage beantworten immer mehr Menschen mit Nein. Im Hauptabsatzmarkt USA, wo GM 2007 über 80 Prozent seiner 66.000 Hummers verkaufte, brach der Absatz im ersten Halbjahr um 40 Prozent ein. Deshalb gilt es unter Experten als ausgeschlossen, dass GM in Amerika oder Europa einen Käufer für den Spritschlucker findet. Vielleicht lege sich ein russischer Oligarch den Hummer als prunkvolle Trophäe zu, spotteten manche Banker. Doch auch der gehandelte russische Milliardär Oleg Deripaska winkte kürzlich ab.

So gelten mittlerweile arabische Investoren als Favoriten. "Verschiedene Kandidaten aus den Golfstaaten haben Interesse angemeldet", erklärte der GM-Bereichsleiter für den Mittleren Osten, Terry Johnsson, vor kurzem. Auch indischen und chinesischen Herstellern wird Interesse nachgesagt. Ihnen könnte mit dem Hummer der Einstieg in den amerikanischen Markt gelingen. Knackpunkt wird am Ende wohl der Kaufpreis sein, den Analysten auf rund 750 Millionen Dollar schätzen.

Unstrittig ist, dass die Zeichen auf Abschied stehen. Und so dürfte die einstige US-Kultmarkemarke, die GM 1999 vom Militär-Fahrzeug-Hersteller AM General gekauft hatte, bald nicht mehr in US-Hand sein. Manch prominenter Hummer-Fahrer hat dem "Kultlabel mobiler Prunksucht" ("Der Spiegel") bereits den Rücken gekehrt. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, einst stolzer Besitzer von acht Hummers, hat einen Großteil seiner Flotte inzwischen verkauft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%