Gnadenloser Preiskampf
Neue Dumpingwelle der Kfz-Versicherer

Der Preiskampf um Kfz-Policen wird härter, Autofahrer profitieren davon. Wer sich aber im komplizierten Tarifwerk verheddert, büßt die Ersparnis schnell ein.
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DÜSSELDORF. Die Koalition der Billigen: Zwischen Toilettenpapier, Haushaltsreiniger und Lippenstift drängen sich seit Anfang September im Online-Shop der Drogeriekette Schlecker auch Kfz-Versicherungen des Direktanbieters HUK 24. Wer bei Damenbinden, Sonnenöl und Haarwasser geizt, der will auch bei der Police fürs Auto keinen Cent zu viel bezahlen, so die Verkaufsstrategie der Kooperationspartner Schlecker und HUK-Coburg.

Derzeit tobt ein gnadenloser Preiskampf an der Kfz-Versicherungsfront. So wird 2005 die durchschnittliche Jahresprämie von 229 Euro auf 224 Euro sinken, rechnete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hoch. Vor zehn Jahren betrug die Durchschnittsprämie noch 243 Euro.

Die neue Dumpingwelle ist ein Spiel der Hasardeure. Schließlich zahlten die Versicherungen mit zuletzt 19,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr nur minimal weniger an die Versicherten als 1995 mit 19,5 Milliarden Euro.

Viele Anbieter leiden gleichzeitig noch immer unter den finanziellen Folgen der ersten Rabattschlacht in den Jahren 1995 bis 2000. Auslöser war die Deregulierung des Autoversicherungsmarktes 1995, ein Lockangebot jagte das nächste. Weil die Schadenssummen höher waren als die Beitragseinnahmen, rutschten die Kfz-Sparten der meisten Versicherungen tief in die Verlustzone. Den Kunden kann's egal sein.

Jetzt dreht sich die Preisspirale weiter nach unten. Selbst Marktführer Allianz kann sich nicht entziehen. Gleich an zwei Fronten drückt der Münchner Versicherungskonzern die Prämien. Er will in den nächsten Tagen das Internetportal Allianz 24 starten, mit dem Autofahrer Policen deutlich günstiger abschließen können als beim Vertreter um die Ecke. Gleichzeitig stocken die Münchner den Leistungskatalog ihres neuen Standardtarifs mit dem Namen Optimal auf, damit der Vertrieb ein paar Verkaufsargumente aus dem Aktenköfferchen ziehen kann. Die Konkurrenz schläft nicht: Generali beispielsweise senkte bereits zum 1. Juli die Prämien für die Haftpflichtversicherung um durchschnittlich fünf Prozent und die der Vollkaskoversicherung um 4,5 Prozent. Selbst zuvor preisgünstige Anbieter wie die HUK-Coburg legten im Prämienpoker nach, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Stellt sich aus Unternehmenssicht die Frage: Wie kann sich das je rechnen? Und wie erkläre ich's meinem Aktionär? "Die Kfz-Versicherung ist der Türöffner für andere Produkte mit höherer Gewinnmarge", sagt Karl-Heinz Reimer, Geschäftsführer von FSS-Online, einer Agentur für Versicherungsanalysen aus Siegburg. Sitzt der Vertreter erst mal am Kaffeetisch, kann er auch die fürsorglichen Fragen nach der Altersvorsorge, der Berufsunfähigkeit, dem Wohl der Kinder und dem Wert des Hausrats an den Mann bringen. Da klingelt die Kasse - bisher. Schon laufen die Alleinvertreter der Allianz Sturm gegen das neue Internetangebot, das ihnen das Wasser abzugraben droht.

Die Billiglaune der Unternehmen sollte den Autofahrern eigentlich paradiesische Zustände bescheren. Sollte, denn im Einzelfall kann es zu konstanten oder höheren Prämien kommen. Schuld daran ist das immer komplizierter gestrickte Vertragswerk der Kfz-Policen.

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