Gymkhana 7
Ken Block driftet durch Los Angeles

Selbst Autotester müssen zugeben, dass Ken Block einen beneidenswerten Job hat. Der Internet-Star darf tagelang Burnouts fabrizieren und Donuts auf Asphalt malen, mit gewaltigen PS-Monstern. Wie aktuell in Gymkhana 7.
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DüsseldorfDas soll ein Ford Mustang von 1965 sein? Dieser radikale Hoonigan Unicorn-Umbau dürfte traditionelle Oldtimer-Fans erschrecken: Die Karosse des Pony-Cars und Traum-Oldtimers ist nur ansatzweise noch zu erkennen. Gewaltige Radhäuser, Spoiler und Ansaugstutzen sowie gelochter Kühlergrill transformieren den braven Ford zum martialischen Monster.

Schwarz lackiert, mit abgelebten Scheinwerfern, schwerem Überrollkäfig, sequentieller Schaltung, ohne Seitenscheiben. Dafür mit gewaltigen Slicks auf bronzefarbenen Felgen, mit aufgeklebter Seitennummer und mit geradezu abartig dreckig-rotzigem Auspuffsound nur hauchdünn über den Asphalt bretternd. Breiter und länger scheint er ebenfalls geworden zu sein, wirkt jetzt wie ein Bastard aus Schrottplatz und Nascar.

Und es ist auch aus anderem Grund ein einmaliger Mustang, der da zum wilden Einhorn ("Unicorn") wurde: Er hat nicht nur 845 Pferdestärken, sondern wird auch über alle vier Räder angetrieben.

Was im Alltag für mehr Sicherheit und Allwettertauglichkeit sorgt, ist bei Auto-Driftkünstler Ken Block aber Mittel für einen ganz anderen Zweck. In einer Reihe von ebenso kurzen wie aufwändigen Filmbeiträgen unter dem gemeinsamen Stichwort Gymkhana hat er sich über die Online-Videoplattform Youtube einen Ruf und eine gewaltige Fangemeinde erarbeitet.

Gymkhana kommt als Begriff eigentlich aus dem Pferdesport, es geht um ein Geschicklichkeitsturnier. Auf den Motorsport übertragen: In möglichst kurzer Zeit soll ein fest abgesteckter Parcours bewältigt werden, ohne die aufgestellten Hindernisse zu berühren.

Das kann wohl niemand besser als Ken Block, der auch mal erfolgreich echte Rallyes fuhr und immer noch erfolgreich Lifestyle-Klamotten vermarktet. Im Internet ist er ein Star, weil er auf dem Asphalt auslebt, wovon Videospieler träumen: Need for Speed auf echten Straßen.

Wobei es aktuell weniger um Verfolgungsjagden als um zentimetergenau ausgeübte Driftkunst geht. Wenn im zwölfminütigen Video Gymkhana Seven Polizeistreifen auftauchen, dann nur, um die Strecke zu begrenzen, denn natürlich ist alles behördlich abgesegnet.

Dass die Wahl der Locations jedes Jahr ausgefallener wird, die Produktionen immer aufwändiger, und die Anzahl der Kameras immer größer, tut der guten Show keinen Abbruch. Anspielungen auf die Geschichte der Stadt werden ebenso geschickt untergebracht wie der Los Angeles River aus Terminator II, wie die berühmte Verfolgungsfahrt mit dem ehemaligen Football-Star O.J. Simpsons, die lebendige Latino-Low-Rider-Szene mit ihren hüpfenden Show-Karossen oder der berühmte "Mulholland Drive" sowie das Hollywood-Zeichen in den Hügeln der Metropole.

Das bisher erfolgreichste Video des 46jährigen, der die Schuhmarke DC erfand, war übrigens "Gymkhana Five", das in San Francisco spielte und auf Youtube mehr als 68 Millionen Klicks generierte.

Schaut man in den vielen Slow-Motion-Szenen genau hin, so zeigt sich, dass der Anteil von Probeläufen gewaltig ist. Gut abzulesen an den zahlreichen schwarzen Abriebspuren auf dem Asphalt. Die Show muss halt stimmen, und das tut sie bei Drift-Wunder Block erst, wenn er einem den Gürtel aus der Hose fährt.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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