Handelsblatt Special Fuhrpark Management
Echte Beulen sind größer als zwei Zentimeter

Wer eine Fahrzeug-Flotte mietet, spart sich eine Menge Arbeit. Und doch gerät mancher Leasing-Nehmer regelmäßig aus der Spur – wenn es daran geht, die genutzten Fahrzeuge zurückzugeben. Denn am Ende stellt sich die Frage, ob der Wagen nur abgenutzt wurde oder echte Schäden aufweist.

KÖLN. Die nämlich könnten den Restwert mindern, und zwar auf Kosten des Kunden. Was schnell zur Vermutung führt, Leasing-Firmen polierten mit überhöhten Schadensansprüchen die Bilanz auf. „Als die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt noch relativ hoch waren, gab es dieses Problem nicht“, sagt etwa Michael Velte, Chef der Sparkassentochter Deutsche Auto-Leasing und Vorstand des Verbands der markenunabhängigen Fuhrparkmanagementunternehmen. „Man konnte die Autos selbst mit Dellen und Kratzern noch gut verkaufen. Durch den Verfall der Gebrauchtwagenpreise hat sich diese Situation aber geändert. Unternehmen, die früher bei Kratzern kulant waren, lassen sich diese vom Leasingnehmer nun teuer bezahlen.“

Doch die Fuhrparkanbieter fürchten den Vertrauensverlust. Darum haben sich acht Anbieter zu einem Zertifizierungsnetzwerk namens „Faire Fahrzeugbewertung“ zusammengeschlossen. Wer das Zertifikat erhalten will, muss Richtlinien erfüllen, die man zusammen mit der Essener RWTÜV AG entwickelt hat. Der Katalog liefert eine Berechnungsgrundlage für übliche Fahrzeugschäden und schreibt ein standardisiertes Rückgabeprotokoll vor, in dem alle Gebrauchsspuren und Schäden festgehalten werden. Andere Anbieter haben ebenfalls Rückgaberichtlinien entwickelt, die dem Standard der „Fairen Fahrzeugbewertung“ ähneln.

Der Streit darum, ob eine Delle ein Schaden ist oder eine Gebrauchsspur, soll damit ein Ende haben: So fallen Beulen und Dellen solange unter die Kulanzreglung, wie sie kleiner als zwei Zentimeter sind. Auf ähnliche Weise regelt der Richtlinienkatalog die Bewertung von Kratzern und Lackabschürfungen, Glasbruch und Polsterverschleiß, Reifenabnutzung, Verunreinigungen und Steinschlag. Sogar fehlendes Bordwerkzeug oder beschädigte Navigations-CDs sind in der „Fairen Fahrzeugbewertung“ reglementiert.

So müssen sich Leasing-Nehmer und Vermieter theoretisch nur noch zur Übergabe treffen und bei einer gemeinsamen Sichtung ein Übergabeprotokoll verfassen. Größere Schäden sind mit Fotos zu dokumentieren. Schließlich einigt man sich auf die Wertminderung.

Doch den Richtlinien zum Trotz fühlen sich manche Fuhrparknutzer nicht kompetent genug, um gebrauchte Fahrzeuge zu bewerten. Aus diesem Grund bieten viele Leasing-Unternehmen ihren Flottenkunden alternativ auch Bewertungen durch externe Gutachter an.

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