Hat der VDA geschlafen?
CO2-Diskussion dominiert Genfer Automesse

Für die Autohersteller wird Genf zur ersten Bewährungsprobe in Sachen CO2-Reduzierung: Die Autoschau im äußersten Südwesten der Schweiz bietet der Branche kurz nach Bekanntgabe der EU-Pläne zur Senkung des Ausstoßes von Kohlendioxid erstmals eine große Bühne, um mit neuen Modellen und Antrieben zu zeigen, wie sie dem Klimaschutz gerecht werden will.

HB HAMBURG. „Wir werden in Genf diesmal einen Umweltsalon erleben“, erwartet Autoexperte Willi Diez. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verspricht für die Messe, die am Dienstag für die Presse und am Donnerstag für die Öffentlichkeit beginnt, eine Vielzahl verbrauchsärmerer Modelle in allen Segmenten. VDA-Präsident Bernd Gottschalk hat eine „Innovationsoffensive zur Einführung klimafreundlicher Technologien“ angekündigt. „Es gibt niemanden in dieser Schlüsselindustrie, der dem Klimaschutz nicht die gebührende Aufmerksamkeit widmet“, verteidigte Gottschalk die Branche gegen Kritik.

Die Autobauer in Europa stehen unter enormeM Druck, weil die EU-Kommission sie zur drastischen Senkung des Kohlendioxidausstoßes von Neuwagen zwingen will. Ihren selbst gesteckten Zielen zum Klimaschutz hinkt die Branche aber weit hinterher. Für Zündstoff hatte Bundespräsident Horst Köhler gesorgt, der der deutschen Automobilindustrie in der Debatte vorwarf, sie habe bei der Entwicklung umweltfreundlicher Autos kein Ruhmesblatt beschrieben.

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Als Grund für den mangelnden Fortschritt nennt das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt die Beliebtheit sportlicher Geländewagen, die vielfach mit Diesel fahren. Während sich bei kleineren Autos mit Benzinmotor in den vergangenen Jahren der CO2-Ausstoß durchaus verringert habe, habe sich der Durchschnittswert der Dieselfahrzeuge wegen eines höheren Anteils der hochmotorisierten Geländewagen verschlechtert.

Hat der VDA geschlafen?

Das Argument der Industrie, die Kunden kauften eben große, leistungsstarke Autos, zieht nach Ansicht des Gelsenkirchener Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer nicht: „Mit den Klimazielen ist der Branche klar, wo es langgehen muss.“ In der Debatte kritisiert er vor allem Versäumnisse in der Kommunikation des Branchenverbandes. „Wenn der VDA eine andere Richtung eingeschlagen hätte, würde die Industrie besser dastehen.“ Die Hersteller verfügten über alle Techniken. „Die Industrie hätte schon vor einem Jahr mit einem eigenen Vorschlag in der CO2-Debatte kommen müssen.“ So bekämen die Hersteller in der Debatte den Schwarzen Peter zugewiesen, bemängelt Dudenhöffer.

Auf der Genfer Messe versuchen die deutschen Autobauer mit verbrauchsarmen Kompakt- und Mittelklassewagen Fuß zu fassen. Mercedes zeigt die C-Klasse mit Abgasreinigungstechnik unter dem Markennamen „Bluetec“, der die erst in einigen Jahren verpflichtende Euro-Sechs-Norm schon erfüllen soll. BMW bringt die überarbeitete 1er-Klasse mit einem so genannten milden Hybrid-Antrieb. Dabei wird durch eine spezielle Technik Bremsenergie zurückgewonnen und in die Autobatterie gespeist - was sonst der Motor leisten muss. Eine verbesserte Verbrennung sorgt dafür, dass der Wagen mit 143-PS-Motor nur 123 Gramm CO2 ausstößt.

Audi zeigt den auf sparsam getrimmten A3 TDIe - das e steht für Economy -, dessen 1,9 Liter-Diesel-Motor es sogar auf nur 120 Gramm CO2 bringt. Volkswagen setzt auf den Passat mit „BlueMotion“-Technik, der auf 100 Kilometern 5,1 Liter Diesel verbraucht bei 136 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß.

Bei der Hybrid-Technik haben die deutschen Autobauer indes Nachholbedarf. Hier punktet die japanische Konkurrenz. Die Kombination aus herkömmlichem Verbrennungsaggregat mit einem Elektromotor bieten vor allem Toyota und Honda an. Dank geschickter Werbung wird der Name Toyota mit dieser Technik eng verbunden.

Dass auch andere Wege zum Ziel führen, zeigt der Autobauer Daihatsu beim Kleinwagen Cuore. Dessen Eco-Variante hat eine Start-Stopp-Automatik, die den Motor bei Ampelstopps selbsttätig ausschaltet und zum Anfahren wieder anwirft. Damit sinkt der Verbrauch auf durchschnittlich 4,2 Liter Normalbenzin und der CO2-Ausstoß auf 99 Gramm.

Unser redaktionelles Special zum Genfer Autosalon 2007 finden Sie » hier.

Hintergrund: Genfer Automobilsalon

Der Genfer Automobilsalon ist traditionell die erste große Fahrzeugmesse des Jahres in Europa und genießt deshalb besondere Aufmerksamkeit in der Fachwelt und beim allgemeinen Publikum. Über 250 Aussteller beteiligen sich in diesem Jahr an der Leistungsschau, die vom 8. bis 18. März für das Publikum geöffnet ist. Etwa 700 000 Besucher erwartet die Messeleitung auf dem 77 000 Quadratmeter großen Ausstellungsgelände. Über 5 000 Medienvertreter wollen an den beiden Pressetagen am Dienstag und Mittwoch über die Messe berichten. Offiziell eröffnet wird der Automobilsalon am Donnerstag in Anwesenheit der Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey. Die 77. Ausgabe der Messe werden viele Hersteller nutzen, um mit alternativen Antriebskonzepten und sparsameren Motoren auf die immer lauter werdenden Forderungen nach einer Kehrtwende in der Modellpolitik zu reagieren. Insgesamt werden mehr als 80 Welt- und Europapremieren erwartet.

Link:
» http://www.salon-auto.ch

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