Herausforderung Elektroauto
Industrie spielt das Elektroauto durch

Die deutsche Industrie bereitet sich auf den flächendeckenden Einsatz von Elektroautos vor. Autohersteller, Batterieproduzenten und Stromkonzerne setzen auf branchenübergreifende Lösungen, erste Allianzen zeichnen sich bereits ab. Schwachpunkt ist derzeit noch die Batterietechnik.

MÜNCHEN. "Wir gehen davon aus, dass sich eine signifikante Anzahl von Elektroautos in das bestehende Stromnetz integrieren lässt", sagt Gernot Spiegelberg, Leiter eines Forscherteams zur Elektromobilität beim Technologiekonzern Siemens. In den kommenden 12 Jahren sieht der Professor ein mögliches Potential für 4,5 Mio. Elektroautos in Deutschland. Damit würde jedes zehnte Auto hier zu Lande ohne Benzin fahren können.

Siemens will als führender Anbieter von Stromnetzen und Kraftwerktechnik auf die Entwicklung vorbereitet sein. Autozulieferer wie Continental und Bosch entwickeln Elektromotoren, der Mischkonzern Evonik investiert massiv in die Batterietechnik. Daimler und BMW wollen zunächst Hybridautos auf den Markt bringen und ab dem kommenden Jahrzehnt vollwertige Elektroautos in Serie produzieren. Die Branche tauschte sich in München auf dem Euroforum Kongress zur Automobilelektronik aus.

Die Einführung des Elektroautos mache besonders dann Sinn, wenn der Strom überwiegend regenerativ gewonnen werde, sagt Siemens-Vordenker Spiegelberg. Doch Windkraft oder Solarenergie stehen nur unregelmäßig zur Verfügung. Um eine Grundlast sicherzustellen, müssen derzeit noch große Leistungen konventioneller Kraftwerke als Reserve gehalten werden. "Alternative Energiequellen erzeugen nicht nur dann Strom, wenn wir ihn brauchen", beschreibt Spiegelberg die Herausforderung. "Deshalb ist ein Zwischenspeicher nicht nur sinnvoll sondern sogar notwendig."

Die Lösung könnte im massenhaften Einsatz des Elektroautos liegen. "Das Stromnetz und die Elektroautos müssen aufeinander abgestimmt werden", fordert Spiegelberg. "Lassen sich die Elektroautos sowohl auf- als auch entladen, dann wird das Auto zu einem mobilen Stromspeicher". Für den Energieversorger wird das Autofahren so zu einer sinnvollen Nebenfunktion, für den Autofahrer umgekehrt ist es das Energiespeichern. Ausgestattet mit moderner Regeltechnik werde das Auto zu einem integralen Bestandteil des Stromnetzes, weil es je nach Tageszeit Strom ziehen oder spenden kann. Für Autohersteller, Batterieproduzenten und Stromkonzerne heißt das: Nur branchenübergreifende Lösungen werden sich am Ende durchsetzen. Erste Allianzen zeichnen sich ab: BMW kooperiert mit Vattenfall, Daimler mit RWE.

Seite 1:

Industrie spielt das Elektroauto durch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%