Hintergrund zur IAA
Durchbruch für „Öko-Autos“ nicht in Sicht

Kohlendioxid-Ausstoß statt PS-Zahl, Spritverbrauch statt Höchstgeschwindigkeit sollen Herstellern und Händlern in Zukunft als Argumente zum Verkauf von Autos dienen. Angestoßen durch Klimaschutz-Debatte und hohe Treibstoffpreise arbeiten alle Autobauer mit Hochdruck daran, mehr sparsame Antriebstechniken und emissionsarme Kleinwagen auf die Straßen zu bringen.

HB HAMBURG. Der Handel allerdings bezweifelt, ob „grüne“ Autos, wie von den Herstellern erhofft, schon zum Verkaufsschlager taugen. Ein Durchbruch ist nicht in Sicht. „Wir werden nicht den Schalter umlegen und die grüne Revolution auf den Straßen auslösen“, dämpft Helmut Blümer vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) Hoffnungen auf eine Öko-Wende. „Die Menschen sind bereit, mehr für den Klimaschutz zu tun. Aber wenn es ums Geld geht, schrumpft ihre Zahl schnell. Das ist ein Prozess, der finanziert werden muss, und zwar von Leuten, die im Moment kein Geld haben.“ Die Spritpreise, Mehrwertsteuer und die unklare Ausgestaltung der Kohlendioxid-Steuer sorgen erst einmal dafür, dass in Deutschland derzeit überhaupt kaum neue Autos gekauft werden. Gefragt waren zuletzt Gebrauchtwagen.

Durch Umweltschutztechnik werden die Autos teurer - je nach Größenklasse zwischen 500 und 2 500 Euro, schätzen Experten. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer hat beobachtet, dass sich potenzielle Käufer beim Händler durchaus nach dem CO2-Ausstoß von Fahrzeugen erkundigen. „Das heißt aber nicht, dass das Auto auch gekauft wird.“ Willi Diez, der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen, schätzt die Nachfrage nach Autos mit niedrigem CO2-Wert nur auf fünf Prozent des Marktes.

2006 war der Absatz von Autos mit alternativen Antrieben nach Zahlen des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes verschwindend gering. 5278 Hybrid-Autos wurden in Deutschland neu angemeldet. Höher war die Zahl der mit Flüssiggas (4220) oder Erdgas (11 555) betriebenen Wagen - aber insgesamt war das gerade ein halbes Prozent aller Neuanmeldungen im vergangenen Jahr. 2007 sind es Schätzungen zufolge etwas mehr - ein Durchbruch der „Öko“-Autos ist aber nicht in Sicht.

Die Hersteller setzen alles daran, um aus der Schmuddelecke der Umweltsünder herauszukommen. Der neue Präsident des Verbands der Automobilhersteller (VDA), Matthias Wissmann, verweist auf Berechnungen, wonach die deutschen Premiumhersteller den Ausstoß an CO2 seit Anfang der 1990er Jahre um ein Viertel gesenkt haben. Die Hersteller stehen unter besonderem Druck, weil die Brüsseler EU-Kommission ihnen vorschreiben will, den Ausstoß von Neuwagen bis 2012 auf 130 Gramm je Kilometer zu senken. Ende 2006 lag er durchschnittlich über 160 Gramm.

Dudenhöffer schlägt einen Emissionshandel nach dem Beispiel der Energiewirtschaft vor. Die Automobilhersteller sollen Verschmutzungsrechte von der EU-Kommission erhalten. Wessen Autos mehr CO2 ausstoßen, der muss hinzukaufen - und kann seine Autos nicht so billig anbieten wie ein Konkurrent mit geringeren CO2-Werten.

Auf eine CO2-Steuer solle die Bundesregierung verzichten, rät Dudenhöffer. „Die versteht sowieso niemand.“ Der Autoexperte warnt, dass die Bemühungen um eine Klimawende ohne gesetzliche Flankierung ins Leere laufen könnten. „Sonst bauen die Hersteller wieder ihre Drei-Liter-Autos, und anschließend kauft sie keiner.“ Mit dem Drei-Liter-Lupo hatte VW eine Bauchlandung erlitten, weil sich das Modell vor allem an technikbegeisterte Käufer richtete und zu teuer war.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%