Historisch hohe Preisnachlässe
Ungebremste „Rabattsause“ am deutschen Automarkt

Am Dieselskandal hat die Autobranche wohl noch lange zu „knabbern“. Dies gilt nicht nur für die Technik, sondern das zeigt sich aktuell auch am Markt: Die Umwelt- und Abwrackprämien klettern auf neue Höhen.
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DüsseldorfDie Verunsicherung der deutschen Auto-Neuwagenkäufer, die angesichts des Dieselskandals eine abwartende Investitionshaltung zeigen, treibt die Autohersteller zu immer mehr Preisaktionen und immer neuen Rekordprämien. Das ist ein Ergebnis der monatlichen CAR-Studie, mit der das Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen das Preisgeschehen am deutschen Automarkt regelmäßig analysiert.

So hat der Rabatt-Index des Instituts im September einen neuen historischen Höchstwert von 152 Punkten erzielt. Noch im Frühjahr lag er bei rund 130 Punkten. Je höher der Wert des Rabatt-Indexes, umso höher die im Markt gewährten Rabatte auf Neuwagen. Im Januar 2010 wurde der CAR-Rabatt-Index mit dem Wert 100 gestartet.

Zwar ist die Steigerung bei den Rabatten gegenüber dem August 2017 im September „nur“ noch leicht angestiegen, aber die „Rabattsause“ in deutschen Automarkt geht weiter: Außer Ferrari, Volvo und ein paar kleineren Herstellern sind fast alle mit Umwelt-, Diesel- oder Abwrackprämien unterwegs. So sind im September noch Kia, Jaguar und Land Rover in den Rabattreigen mit Diesel-Wechselprämien eingestiegen.

Einerseits, so erläutert CAR-Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer, sei die Zahl der Herstelleraktionen aufgrund der „Umweltprämien-Rallye“ auf 657 gestiegen – eine so große Zahl von Rabattmaßnahmen gab es seit Januar 2010 nicht mehr. Andererseits ist auch der durchschnittliche Kundenvorteil bei diesen Sonderaktionen auf 16,1 Prozent des Listenpreises angestiegen – ein weiterer „Rabattrekord“.

Mittlerweile gibt es auf alte Diesel bezogene Rabattangebote bei 25 Marken, die zusammen 95 Prozent des Marktes abdecken. Dudenhöffer spricht von einem „ausgerollten Rabattteppich“ und glaubt, dass „es schwer werden wird, die Kunden nach den Umweltprämien in drei oder sechs Monaten an ,normale’ Verhältnisse zu gewöhnen“. Der Dieselskandal hinterlasse somit einen „Dauerschaden“ im Markt, sprich bei den Margen und Gewinnen der Autobauer.

Wie schwer es den Herstellern fällt, nach einer hohen Rabattphase wieder auf ein „normales“ Geschäft umzustellen, zeigt laut CAR die Entwicklung der Eigenzulassungen. In den vergangenen fünf Jahren sind diese Kurzzeit-Zulassungen auf Hersteller und Händler spürbar auf knapp 30 Prozent gestiegen. Denn Fahrzeuge, die einmal zugelassen wurden, können danach als Tageszulassungen gebraucht, also günstiger verkauft werden.

Im vergangenen Monat wurden laut VDA gut 288.000 Pkw zugelassen, das ist ein Rückgang um drei Prozent. Dabei ist der Absatz von Dieselautos so stark geschrumpft wie lange nicht. Die Neuzulassungen von Selbstzündern seien im September um 21,3 Prozent eingebrochen, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt mit. Zuletzt hatte es vor gut acht Jahren einen ähnlich starken Rückgang gegeben. Nur noch gut jeder dritte Neuwagen (36,3 Prozent) war im September ein Diesel. Dagegen legte der Verkauf von Benzinern weiter zu und kam auf einen Anteil von fast 60 Prozent.

Laut den aktuellen Zulassungszahlen stützen vor allem ausländische Marken den Verkauf, zu denen knapp jeder dritte Neuwagen zählt. Während sie in den ersten neun Monaten um neun Prozent zulegten, blieben die Marken deutscher Konzerne ein Prozent unter dem Vorjahreswert.

Privatkunden machen wegen drohender Fahrverbote in Ballungsräumen schon seit einigen Monaten einen Bogen um Dieselautos und stellen sich lieber Fahrzeuge mit Benzinmotor in die Garage. Inzwischen halten sich nach Branchenangaben auch große Firmen beim Diesel zurück. Experten rechnen daher damit, dass der Dieselanteil in den nächsten Monaten weiter fallen wird.

„Erstaunlich“ findet CAR-Leiter Dudenhöffer vor diesem Hintergrund, dass die Autobauer es bislang versäumen, Diesel mit Euro-6d-Zertififizierung auf den Markt zu bringen. Anstatt den Kunden saubere Fahrzeuge anzubieten wolle die Industrie offenbar die „Katze im Sack mit noch höheren Rabatten aufhübschen“.

Auch sinkende Restwerte gebrauchter Dieselautos sorgten zuletzt für schlechte Stimmung. Den Werkstätten und Autohäusern ist laut einer Verbandsumfrage nicht zum Feiern zumute. Die Betriebe verzeichneten im dritten Quartal einen schleppenden Geschäftsverlauf und sind auch bis zum Jahresende pessimistisch, so der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK). Die von den Herstellern ausgelobten Abwrackprämien für alte Diesel spielten demnach noch keine große Rolle.

Die Preise für umweltschädliche Diesel-Gebrauchtwagen werden nach Einschätzung des Marktbeobachters Schwacke weiterhin deutlich unter Druck stehen. Sinkende Nachfrage seitens verunsicherter Kunden und ein steigendes Angebot insbesondere aus den Flotten der Unternehmen würden zu sinkenden Restwerten führen, berichtet der Dienstleister. Umgekehrt stiegen die im Angebot knappen Benziner bei steigender Nachfrage relativ im Wert, erwartet Schwacke. Hier sei aber immer die Relation zu derzeit recht günstigen Neuwagen zu beachten, die von den Herstellern unter anderem über hohe Abwrack- bzw. Umweltprämien angeboten werden.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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  • Schön wäre es wenn die Hersteller ihre Listenpreise realistisch gestalten würden.

    Auffällig ist das die Listenpreise in den vergangenen 50 Jahren regelmässig gestiegen sind, meist über den Nettolohnzuwächsen. Andererseits sind die Autohersteller produktiver geworden.

    Wenn die Listenpreise in keinem Zusammenhang zu den realen Preise stehen, entsteht eine Basarmentalität die langfristig auch den Herstellern nicht nutzt.

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