Hohe Rabatte auf Neuwagen
Käufer verzweifelt gesucht

Autokäufer machen sich nach wie vor in den Schauräumen rar. Daher kämpfen Hersteller und Händler weiter verzweifelt um die wenigen Kaufwilligen. Mittel zum Zweck ist vor allem das Thema Geld: Die Höhe der Rabatte und die Vielfalt der Sonderpakete ist immer weiter angestiegen und hat in diesem Jahr einen Höchststand erreicht.

dpa/tmn LEVERKUSEN/BONN. Erst im März hatte das Prognoseinstitut B & D-Forecast in Leverkusen neue Rekordhöhen der Rabatte festgestellt: Im Schnitt lag das Rabattniveau bei 18 Prozent. Die Experten hatten zum Frühlingsbeginn insgesamt 168 offizielle Herstelleraktionen gezählt, in denen mit Sonderkonditionen um Kundschaft geworben wurde. Daneben habe es noch verdeckte Aktionen gegeben - wie etwa Prämien für die Händler.

Ein Grund für die vielen Sonderkonditionen war ein zusätzliches Problem durch ein kleines Zwischenhoch bei den Verkäufen. „Vor allem Privatkunden haben wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung noch Ende 2006 einen neuen Wagen zugelassen“, erklärt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. Das habe Anfang 2007 zu einer weiteren Lücke im ohnehin nicht blühenden Geschäft geführt.

Das größte Problem besteht im Ausbleiben der Privatkäufer. Denn an den Zulassungszahlen haben die Geschäftskunden den höchsten Anteil. Wurden im Januar 2004 noch 45 Prozent der Neuwagen von Privatkunden gekauft, waren es laut B & D-Forecast im Januar 2007 nur 33,9 Prozent. Im Monat Februar sahen die Zahlen für 2004 und 2007 kaum anders aus: 45,4 zu 35 Prozent. Dies bedeute historische Niedrigwerte für private Neuzulassungen.

„Der private Käufer wartet weiter ab“, meint B & D Geschäftsführer Prof. Ferdinand Dudenhöffer. „Daher denke ich auch, dass das hohe Niveau der Rabatte noch eine Weile bleiben wird.“ Erst zum Juli oder August rechnet der Experte mit einer Veränderung.

Bis dahin sollten sich aber auch Schnäppchenjäger nicht vom Blick auf bloße Rabattzahlen verführen lassen. „Nicht jeder Rabatt ist das Wert, was er verspricht“, warnt Sven Janssen vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Wenn beispielsweise bestimmte Marken oder Händler besonders hohe Summen für die Inzahlungnahme von Gebrauchtwagen anböten, bedeute dies nicht automatisch, dass der Kauf im Endeffekt wirklich günstiger werde. „In so einem Fall hat man dann nicht mehr so viel Spielraum, um den Preis des Neuwagens zu drücken.“

Wichtig ist laut Janssen, sich im Vorfeld umzuschauen. Dazu gehöre der Vergleich der Vielzahl der Rabatte auf deren Details. Denn mancher Hersteller versucht, das „verschenkte“ Geld wieder hereinzuholen, indem etwa Extras nur im Paket angeboten werden.

Derzeit sind immer öfter „All-inklusive-Pakete“ oder „Flatrates“ zu beobachten. Der Käufer zahlt dabei für den Wagen eine monatliche Rate, in der neben dem Fahrzeugpreis Leistungen wie Versicherung, Wartung oder eine Anschlussgarantie enthalten sind. „Darin besteht eine Riesenchance für die Händler“, hofft Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn.

Laut Ferdinand Dudenhöffer ist aber bei manchen dieser Angebote noch zu undurchsichtig, was denn an tatsächlicher Ersparnis damit verbunden sei. Doch auch wer in den kommenden Monaten noch keinen neuen Wagen kaufen will, braucht nicht zu befürchtet, dass ihm in Zukunft gar keine Nachlässe mehr gewährt werden, so Blümer: „Einen Autokauf ohne Rabatt wird es nie geben.“

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