Hohe Rabatte bei Neuwagen
Im Showroom locken Schnäppchen

Wer jetzt einen Neuwagen kaufen möchte, der kann mit großen Preisnachlässen rechnen. Denn wegen der Flaute auf dem Auto-Markt geben sich die Händler alle Mühe, Kunden zum Kauf zu bewegen.
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DuisburgAngesichts der anhaltenden Absatzflaute auf dem europäischen Automobilmarkt können Kunden beim Händler weiterhin hohe Rabatte erzielen. "Der Automobilmarkt in Europa ist in der schwierigsten Lage seit es die EU gibt", sagte Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Universität Duisburg-Essen. Dies zwinge Hersteller und Handel, Fahrzeuge über Eigenzulassungen in den Markt zu drücken.

Im ersten Halbjahr 2013 habe dieser Anteil bei knapp 30 Prozent aller Neuzulassungen gelegen. Die Folge ist laut Dudenhöffer ein "fortgesetzt hohes Rabattniveau". Bei als Tageszulassungen oder Vorführwagen vermarkteten Autos könnten Käufer derzeit mit Nachlässen von 25 Prozent und mehr rechnen.

Je nach Segment gebe es jedoch Unterschiede, fügte der Automobilwirtschaftler hinzu. Bei großen Autos wie SUVs gebe es weniger Spielraum, Fahrzeuge der Kompakt- und Kleinwagenklasse würden dagegen stärker verbilligt. Das liege daran, dass diese Autos vor allem privat gekauft werden. "Privatkunden halten sich in wirtschaftlich schlechten Zeiten stark zurück, die Folge sind höhere Rabatte."

Während Dudenhöffer derzeit für den europäischen Automobilmarkt insgesamt "keine Entspannung" sieht, trotzt die rumänische Renault-Tochter Dacia der Krise: "Die Verkaufszahlen der Marke gehen weiter nach oben", sagte der Forscher. Deshalb könnten Käufer hier keine Rabatte erwarten. "Aber Dacia bietet seine Modelle ohnehin rund 35 Prozent billiger an als vergleichbare Autos anderer Marken."

Der Spitzenwert bei den Rabatten unter den 30-meistverkauften Neuwagen lag nach Angaben des Autoexperten beim Ford Focus mit 32,2 Prozent Nachlass bei den vier größten Internetvermittlern vor dem Opel Corsa mit 31 Prozent Rabatt und Ford Fiesta mit 28,2 Prozent Nachlass. Damit seien bei den Händleraktionen die deutschen Autobauer zum Teil mit höheren Rabatten unterwegs als die Importeure, so Dudenhöffer. Das sei ist ein eher seltenes Bild im deutschen Automarkt, das die schwierige Nachfragesituation illustriere.

Spitzenreiter bei den Eigenzulassungen, die den Herstellern dazu dienen, fabrikneue Fahrzeuge mit besonders hohen Nachlässen zu vermarkten, ist im ersten Halbjahr 2013 die noch kriselnde GM-Tochter Opel. 39 Prozent der erstmals zugelassenen Autos der Marke mit dem Blitz kamen von Händlern oder vom Hersteller auf die Straßen und für den Opel Astra gibt es bei den Vermittlern im Internet weiterhin Nachlässe bis zu 31 Prozent.

Allerdings nutzt Opel das Instrument der Eigenzulassungen wohl auch dazu, neue Modelle schneller ins Straßenbild zu bringen und so Präsenz zu demonstrieren. Diese Strategie hatte der Hersteller offensichtlich zur Markteinführung des neuen Kleinwagens Adam angewendet. Denn im ersten Halbjahr 2013 waren 52 Prozent aller Adam-Neuzulassungen als Eigenzulassungen einzustufen. Aber auch beim Opel Corsa waren es noch immerhin 51 Prozent.

Aber auch die anderen deutschen Hersteller setzten verstärkt auf Eigenzulassungen. VW kam im ersten Halbjahr 2013 auf immerhin 30 Prozent, Audi lag bei 28 Prozent, Mercedes bei 27 Prozent und BMW bei 23 Prozent seiner Gesamtzulassungen auf dem deutschen Markt. Audi forcierte den Verkauf seines teuren Kleinwagens A1 besonders stark: Mit 49 Prozent war fast jeder zweite neu zugelassene Audi A1 vom Hersteller oder vom Händler in den Markt gebracht worden. Ford kann mit 20 Prozent auf den niedrigsten Eigenzulassungsanteil verweisen. Allerdings mischt Ford mit 32 Prozent Nachlass auf einen Ford Focus oder mit 28 Prozent für einen Fiesta bei den Internetvermittlern nach CAR-Recherche wacker mit.

Nach der Einschätzung des Instituts könnte das Jahr 2013 – trotz der IAA im September – eines der schlechtesten Verkaufsjahre für Neuwagen in Deutschland seit der Wiedervereinigung werden. Laut CAR-Prognose werden in diesem Jahr auf dem Deutschen Markt 2,9 Millionen Autos verkauft, weniger als 2010 und das war das Jahr nach dem künstlichen Hoch durch die Abwrackprämie.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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mid  
Motor-Informations-Dienst / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hohe Rabatte bei Neuwagen: Im Showroom locken Schnäppchen"

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  • also ich kann diese angeblichen Rabatte sowie die Absatz-Probleme der Hersteller und Händler selbst nicht nachvollziehen. Beim Kauf eines 0815-Lagerwagens mit Norm-Ausstattung mag das gelten (hier gibts aber auch günstige Konkurrenz mit EU- und Leihwagen). Aber sobald man sinnvolle Extras will wird man auf eine Neuwagen-Konfiguration verwiesen und ich brauche ja keinem zu sagen bei welcher Summe man dann bei deutschen, aber auch Importherstellern rauskommt. Viele Händler sind sowieso darauf gepolt, dass der Kunde zu ihnen kommt und um ein Fahrzeug bittet/bettelt - um ein Fahrzeug zu kaufen mußt du Urlaub nehmen, denn anscheinend sind die Autoverkäufer nur von März - Mai motiviert. Danach ist entweder Sommerpause, Winterferien, Schneefall, schlechtes Wetter oder sonst irgendwas. So wird das nix mit steigenden Zulassungszahlen. Über neue umweltfreundlichere Technlogien a la Hybrid & Co ganz zu schweigen - da herrschen Zustände wie weiland in der DDR bei Kauf einer Levis 501...

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