Honda kündigte erste serienreife Lösung an
Motorrad-Airbag bleibt Ausnahme

Viele Jahre war er so etwas wie eine Sagengestalt: Immer wieder wurde über den Motorrad-Airbag diskutiert, dann und wann war von entsprechenden Entwicklungen die Rede.

dpa/gms OFFENBACH/ESSEN. Auf der Straße, hieß es, werde man ihn jedoch erst in ferner Zukunft sehen. Nun prescht Honda vor und landet mit der Ankündigung des ersten Airbag-geschützten Serienmotorrades für 2006 einen Überraschungscoup.

Während Autos heute Insassen mit diversen Airbags schützen, müssen Zweiradfahrer weiter auf Lederkleidung und Helme als Schutz vertrauen. Tatsächlich lässt sich die Airbag-Technik aus dem Auto nicht ohne Änderungen auf dem Motorrad einsetzen. „Als man mit der Entwicklung der Airbags für Autos begann, hatte man wesentlich klarere Aussagen über die Unfallkonstellationen“, erklärt Ruprecht Müller, Motorradexperte am Adac Technikzentrum in Landsberg (Bayern).

Beim Auto kann ein Luftsack bei unterschiedlichen Unfällen helfen - Fahrer und Beifahrer nehmen in ähnlicher Stellung Platz. Beim Motorrad gibt es verschiedene Sitzhaltungen. „Außerdem gibt es sehr viel mehr unterschiedliche Unfallkonstellationen“, so Müller.

Doch Honda kündigte nun die erste serienreife Lösung an. „Davon waren alle Fachleute etwas überrascht“, sagt Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen. Ab dem Frühjahr 2006, heißt es bei Honda in Offenbach, soll das Tourenmotorrad Gold Wing in den USA mit dem weltweit ersten Motorrad-Airbag vom Band laufen.

Auch die Lösung, die Honda gefunden hat, überrascht. Bisher ging man davon aus, dass ein Airbag als eine Art Rampe zu dienen hat. „Die Intention bei bisherigen Entwicklungsansätzen war neben der Aufpralldämpfung immer, dass ein entsprechend geformter Airbag dafür sorgen soll, dass der Zweiradfahrer bei einem Zusammenstoß über das gegnerische Fahrzeug hinweg katapultiert wird“, so Haasper. Denn der Aufprall des Körpers auf die Auto-Dachkante gilt als gefährlich.

Der Honda-Airbag wird dagegen wie eine weiche Wand aufgeblasen und nimmt bei einem Zusammenstoß die Bewegungsenergie des Fahrers auf. „Es gibt im Straßenverkehr heute viele sehr hohe Autos“, erklärt Honda-Sprecherin Kerstin Martens. Das erschwere die Rampen-Idee.

Doch für perfekt halten die Fachleute auch das Honda-System nicht. „Der Airbag ist sicher ein positiver Unfallschutz“, sagt Matthias Haasper vom ifz. Allerdings sei das System in erster Linie auf den Frontalzusammenstoß ausgelegt. Ohnehin wird Honda vorerst kaum Konkurrenz bekommen. „Wir haben keine Pläne“, lautet die Stellungnahme von Yamaha-Sprecherin Nicole Papay in Neuss. Auch eine BMW-Maschine mit Airbag wird es in absehbarer Zeit nicht geben. „Wir bleiben an dem Thema dran, aber eine Serieneinführung ist derzeit nicht geplant“, erklärt Sprecher Jürgen Stoffregen in München.

Honda will die Gold Wing mit Airbag 2006 auch in Deutschland anbieten. Laut Kerstin Martens ist es denkbar, dass künftig weitere Modelle der Marke mit dem neuen Sicherheitselement auf den Markt kommen. Laut Adac-Experte Ruprecht Müller ist ein Airbag auf dem Motorrad aber nur einer von vielen Punkten, die die Sicherheit positiv beeinflussen: „Die Qualifikation des Fahrers ist das A und O, danach folgt die richtige Bekleidung und dann die Technik.“

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