Hybrid-Bolide LaFerrari
Der Beste von Ferrari, nicht der Schönste

Der erste Hybrid-Ferrari ist ein extremes Auto - schließlich soll er den legendären Enzo beerben. Doch nicht nur die technischen Daten sind extrem, auch das Design polarisiert. Die treuen Sammler schlagen dennoch zu.
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GenfFiat-Chef Sergio Marchionne gilt wahrlich nicht als Benzin-Fanatiker. Manche sagen ihm nach, Aktenordner voller Zahlen würden sein Gemüt mehr in Wallung bringen als der Anblick eines reinrassigen Sportwagens. Eine Ausnahme macht er: Wenn Ferrari die neue limitierte Sonderedition vorstellt, steht selbst Marchionne in der ersten Reihe.

„Wir haben beschlossen, dieses Modell LaFerrari zu nennen”, erklärt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, „weil es genau das verkörpert, was unser Unternehmen ausmacht: Exzellenz, bezogen auf technische Innovation, Leistung, visionäres Design und pures Fahrvergnügen.“ 499 Exemplare werden die Italiener bauen, was auch ein Dilemma für Montezemolo darstellt: In Maranello liegen angeblich schon mehr als 700 Anfragen für den neuen Supersportler vor.

Selbst mehr als zwei Stunden nach der Pressekonferenz war kaum ein Durchdringen zu dem LaFerrari möglich, so groß war der Andrang und das Interesse der internationalen Journalisten und Fotografen. Keine andere Premiere auf dem Genfer Autosalon zog die Zuschauer in diesen Massen an wie der Nachfolger des Enzo.

Das außergewöhnliche Design soll an die legendären Rennwagen der 1960er Jahre aus Maranello erinnern. Eine tiefe, lange Nase, opulent ausgestellte Radhäuser, ein knackiges Heck. Die Linienführung sticht aber selbst aus dem Feld der teilweise ungewöhnlich gezeichneten Supersportwagen hervor.

Ferrari verspricht sich von dem neuen Sondermodell Technologien auf der Straße zu erproben, die später in den Serienmodellen eingesetzt werden können - allen voran das HY-KERS-Hybridsystem. Der Antriebsstrang verhilft dem LaFerrari zu beeindruckenden Fahrleistungen. Die Marke von 100 km/h fällt bereits nach weniger als drei Sekunden, maximal rennt der Hybrid-Sportler 350 Kilometer in der Stunde.

Eines kann der LaFerrari trotz seines 163 PS starken E-Motors nicht: rein elektrisch fahren. Das werde der Mission des Wagens nicht gerecht, so Ferrari. In Zukunft sollen aber einige der Serienwagen genau dies können. Trotz einer Gesamtleistung von 963 PS soll der LaFerrari im Vergleich zum Enzo 50 Prozent weniger CO2 ausstoßen - das sind aber immer noch 330 Gramm pro Kilometer.

Doch selbst in Zeiten, in denen auch Sportwagenhersteller nicht um die Verbrauchs-Debatte herum kommen, zählt für wahre Ferraristi nur eines: der Zwölfzylinder. Dieser schöpft aus 6,2 Litern Hubraum eine Leistung von 800 PS. Zwölfzylinder im Allgemeinen sind für ihr hohes Drehmoment bekannt. Gekoppelt mit dem Elektromotor verteilt sich dieses sehr gleichmäßig über den gesamten Drehzahlbereich, die Spitze von 900 Newtonmetern liegt bei 6.750 Umdrehungen an.

Um dem Enzo auf der Ferrari-Hausstrecke in Fiorano fünf Sekunden pro Runde abzunehmen, bracht der LaFerrari aber mehr als die schiere Power seiner beiden Motoren. „Der Wagen vereint in sich die komplette Erfahrung, die wir in den vergangenen Jahren auch in der Formel 1 gesammelt haben“ sagt Montezemolo.

Soll heißen: Die Bauweise des Kohlefaser-Monocoque ist direkt aus der Formel 1 inspiriert, die beiden Fahrer Fernando Alonso und Felipe Masse halfen bei der Abstimmung des Wagens. Nicht aus der Formel 1 stammt die aktive Aerodynamik des LaFerrari: Über Leitbleche, Diffusoren und den verstellbaren Heckflügel kann der Luftfluss um den Wagen an die jeweilige Situation angepasst werden. Damit die Leistung nicht im wahrsten Sinne des Wortes in Rauch aufgeht, ist die angetriebene Hinterachse mit Reifen im Format 345/30 R20 bestückt.

Egal auf welchen Wert man beim LaFerrari schaut, er ist extrem. Die Literleistung des Benziners liegt ohne Zwangsbeatmung bei 128 PS pro Liter, nach 15 Sekunden ist der Wagen aus dem Stand 300 km/h schnell, der Motor dreht bis 9.250 Umdrehungen.

Sie haben Blut geleckt? Machen Sie sich keine Hoffnungen. Der LaFerrari ist wie gesagt bereits am Tag seiner Präsentation ausverkauft - ohne das Ferrari ein einziges Mal über den Preis geredet hat.

 

Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur

Kommentare zu " Hybrid-Bolide LaFerrari: Der Beste von Ferrari, nicht der Schönste"

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  • Nicht der schönste? Geschmacksache .,.ich finde ihn sehr futuristisch und unglaublich gut gelungen. Der schönste Ferrari seid langem...der Titel ist einfach nur lächerlich subjektiv.

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