IAA
Chinesische Autos überzeugen nicht

Der Blick unter die Haube weckt nicht gerade Vertrauen: "Sieht aus wie vom Klempner", sagt ein Besucher abschätzig über den Motorraum des Geländewagens "Landwind", den der chinesischen Autobauers Jiangling erstmals auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert.

HB HAMBURG. Ein wichtiges Schlauchstück im Motor des Billigmodells wird von zwei simplen Schraubzwingen gehalten. "Ein bisschen grobschlächtig", findet der Vertreter eines Automobilherstellers beim Blick auf den Landwind, einer Kopie des Opel "Frontera". "Aber die werden schon noch kommen. Die Chinesen sind clever, das haben sie durch Produktkopien schon auf anderen Feldern gezeigt." Den Innenraum des Landwind haben die Chinesen vorsichtshalber verschlossen.

Auf der IAA präsentieren Jiangling, Brilliance und Geely aus dem Reich der Mitte ihre neuen Modelle. Sie bereiten den Sprung auf den europäischen Markt vor. Die Stände sind noch klein, vieles wirkt verglichen mit den großen Autokonzernen improvisiert.

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Trotzdem sorgt der erster Auftritt der Chinesen vor einem Weltpublikum für große Aufmerksamkeit bei Spitzenmanagern der etablierten Konkurrenz: "Ich kann nur jeden davor warnen, dass allzu gelassen zu sehen. Ich glaube, die dritte Welle kommt unweigerlich auf uns zu, und wir müssen uns darauf vorbereiten", sagt VW-Markenchef Wolfgang Bernhard. Experten vergleichen die Modelle der Chinesen mit dem technischen Stand der japanischen Konkurrenz vor 30 Jahren und dem Niveau der Koreaner vor 15 Jahren - den beiden Wellen, auf die Bernhard anspielt.

Inzwischen schnappt die asiatische Konkurrenz europäischen und amerikanischen Autobauern mit billigen Autos auf ihren jeweiligen Heimatmärkten immer mehr Marktanteile ab. China werde in absehbarer Zeit sicher wettbewerbsfähiger werden, so wie es die Konkurrenten aus Japan und Korea vorgemacht hätten, sagt der künftige DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche. "Aber das ist keine Furcht einflößende Aussicht, wir müssen nur besser sein als sie", fügt er hinzu, der als einer der ersten vor dem "großen Sprung" der Chinesen gewarnt hat.

Nach Ansicht der chinesischen Autobauer ist für sie die Zeit gekommen, ihre Modelle auf den großen Weltmärkten anzubieten. Die Lehrlinge von einst machen sich auf, ihren Meistern auf deren Heimatmärkten Konkurrenz zu machen.Sie geben sich nicht mehr damit zufrieden, billige Produktionsgehilfen für westliche Hersteller zu sein, denen sie bei der Eroberung des chinesischen Marktes geholfen haben.

Vorreiter ist der Landwind. Der niederländische Importeur Peter Bijvelds hat eine Schiffsladung davon bereits verkauft. Größere Absatzerfolge verspricht sich Jiangling davon, wenn der Geländewagen demnächst auch über Opel-Händler vertrieben wird. Die katastrophalen Ergebnissen eines Crashtests des ADAC könnten den Erfolg allerdings zumindest in Deutschland abrupt stoppen. "In der 20-jährigen Geschichte der ADAC-Crashtests hat noch kein Fahrzeug schlechter abgeschnitten", lautet das vernichtende Urteil des Automobilclubs. Bei einem simulierten Frontalunfall hätte der Fahrer bei einer Geschwindigkeit von 64 Stundenkilometern keine Überlebenschance gehabt, berichtete der ADAC.

Geely, der kleinste der drei chinesischen Autobauer, zeigt auf der IAA seine gesamte Palette aus fünf Modellen. "Wir sind die Botschafter für die Chinesen", verkündet Vizepräsident Jie Zhao stolz. "Unsere Philosophie ist, gute Autos zu bauen, die sich jeder leisten kann." Der Kleinwagen HQ ist in China schon für weniger als 4.000 Euro zu haben.Für den Export müssen die Fahrzeuge aber an die hohen Umweltstandards in Europa angepasst werden. Das werde wohl noch zwei Jahre dauern, sagt eine Geely - Sprecherin. Brilliance, die durch ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Münchener BMW-Gruppe bekannt ist, will noch in diesem Jahr das Mittelklassemodell "Zhonghua" für nicht mehr als 20.000 Euro auf den europäischen Markt bringen. Der Kühlergrill ähnelt frappierend der berühmten "Niere" von BMW. Darauf angesprochen, zuckt ein Sprecher am Stand mit den Achseln: "Wir haben viel mit BMW zusammengearbeitet."

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