IAA - Hintergrund
Autobauer verschärfen Preisdruck auf Zulieferer

Die Einsparmöglichkeiten der deutschen Autozulieferer scheinen längst ausgereizt: Sie haben die Produktion ins Ausland verlagert, sie haben in Deutschland Arbeitszeiten verlängert und Löhne gesenkt.

HB HAMBURG. Doch die großen Autobauer - allen voran Volkswagen und Daimler-Chrysler - erhöhen den Druck weiter: Eine neue Preisrunde könnte vor allem für kleinere Zulieferer hier zu Lande das Aus bedeuten. "Die Mehrzahl wird 2006 bluten müssen", prognostiziert Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Er sieht die Existenz vor allem von mittelständischen Betrieben in Gefahr, die vielfach nur von einem großen Auftraggeber leben.

"Ein Preisdiktat der Hersteller an die Zulieferer darf es nicht geben", fordert Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die Zulieferindustrie habe sich gegen Preissenkungen nie gesperrt, wenn diese durch eigene Produktivitätsfortschritte wieder erwirtschaftet würden könnten. Preissenkungen allein auf Kosten der Marge dürfe es nicht geben. "Das raubt uns unsere Zukunftsfähigkeit und gefährdet die Existenz der Unternehmen", warnte Gottschalk im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Lieferanten: Probleme der Hersteller hausgemacht

Die Zulieferer lehnen weitere Preiszugeständnisse ab und werfen den Autobauern vor, die Probleme auf ihre Kosten lösen zu wollen. "Die Probleme der Hersteller mit ihren Kosten sind doch hausgemacht", kritisiert Klaus Urbat, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie, im Gespräch mit Reuters. "Sonst hätte Toyota als leuchtendes Vorbild in der Branche die selben Nöte, da alle Hersteller nahezu die selben Zulieferer haben", sagte er.

Die Zulieferbranche mit ihren 329.300 Beschäftigten ist in Deutschland stark mittelständisch geprägt. Jeder zweite Arbeitsplatz in der deutschen Autoindustrie entfällt auf die Zulieferer, die 2004 zusammen 65,4 Milliarden Euro umsetzten.

Die Sitten werden rauer: Allein bei der Marke VW will der als Sanierer zu Volkswagen geholte Vorstand Wolfgang Bernhard fünf Milliarden Euro sparen. Durch Preiszugeständnisse sollen die Lieferanten drei Milliarden dazu beisteuern. Die Tatsache, dass der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche vorerst auch die Leitung der mit Absatzproblemen kämpfenden Nobelmarke Mercedes mit übernimmt, beunruhigt die Zulieferer nicht weniger. Zetsche ist noch aus seiner Zeit an der Spitze von Chrysler als "Preissenker" berüchtigt.

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt erwarten Zulieferer, dass Zetsche seine Pläne lüftet. Schon Zetsches Vor- Vorgänger Jürgen Hubbert hatte auf Preissenkungen gedrängt, über ein Sparprogramm für Mercedes wird seit Monaten spekuliert.

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