IAA - Hintergrund
Latinos auf der linken Spur

Nach mehreren mageren Jahren hat sich die lateinamerikanische Automobilindustrie gefangen und befindet sich zurzeit eindeutig auf der Überholspur. Brasilien, das größte Autoland des Subkontinents, hat die Produktion 2004 um sagenhafte 20 Prozent auf 1,58 Millionen Fahrzeuge steigern können.

HB BUENOS AIRES/MEXIKO/RIO DE JANEIRO. Für das laufende Jahr rechnet der "Nationale Verband der Autohersteller" (Anfavea), dem neben anderen ausländischen Unternehmen auch Volkswagen und Daimler-Chrysler angehören, mit einem weiteren Anstieg der Produktion auf 2,3 Millionen Einheiten.

Auch in Mexiko hoffen VW und Ford, wieder Gewinne einfahren zu können, und investieren Milliardensummen in ihre Produktion. Auch General Motors, Daimler-Chrysler und Nissan sind mit eigenen Produktionen im Lande und wollen diese ausbauen. Mexiko als Produktionsstandort ist vor allem wegen des nahen US-Marktes interessant. VW baut derzeit den Beetle und den Jetta in seinem Werk in Puebla für den gesamten Weltmarkt.

Im Boomjahr 2000 waren im größten VW-Werk in Amerika rund 425 000 Autos gebaut worden. Vor allem wegen der schwächelnden US-Märkte sank die Produktion in Puebla, rund 120 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt beträchtlich. Ford, bisher der kleinste Produzent in Mexiko ist dabei, sein Werk mit 1,2 Milliarden Dollar auszubauen und Toyota baut in Tijuana an der Grenze zu den USA sein erstes Werk in Mexiko. Mexiko ist zwar kein Billiglohnland mehr, aber die Lohnkosten sind im Vergleich zu denen in den USA deutlich niedriger, so dass es sich mittelfristig rechnet, in Mexiko zu produzieren.

Auch die dritte Autonation des Subkontinents, Argentinien, freut sich über die boomende Produktion. In dem aus europäischer Sicht winzigen Markt von knapp 35 Millionen Einwohnern drängeln sich zehn internationale Autobauer, darunter auch VW und Daimler-Chrysler. Alle zusammen peilen für 2005 einen Jahresproduktion von 400 000 Einheiten an. "Ziel ist es, wieder die Marke von einer halben Millionen Fahrzeugen wie 1994 zu erreichen", sagt Enrique Federico von Daimler-Chrysler Argentinien.

Im schlimmsten Krisenjahr 2002 brach die Produktion auf nur noch 90 000 Einheiten ein. Das entsprach nur noch einigen Tagesproduktionen Deutschlands, und Fiat zum Beispiel stellte die Autoproduktion ein. "Die Herausforderung ist, die Produktion gleichmäßig hoch zu halten", fügt Federico angesichts der Achterbahnfahrt der vergangenen Jahre hinzu. Sein Unternehmen mache zurzeit jedenfalls keine Verluste. In Argentinien und Brasilien hat Daimler-Chrysler auch bei Lastwagen und Bussen eine marktbeherrschende Stellung. Vor allem im Bereich der Stadtbusse, die in der Millionenmetropole Buenos Aires ein Durchschnittsalter von 14 Jahren haben, besteht ein enormer Nachholbedarf bei Investitionen.

Motor des Wachstums sollen in allen drei Ländern vor allem die Exporte sein. Brasilien zum Beispiel strebt in diesem Bereich eine Zunahme von mindestens sieben Prozent auf ein Geschäftsvolumen von 8,9 Milliarden Dollar (7,4 Mrd Euro) an. Am inländischen Markt sollen 1,64 Millionen aller Fahrzeuge abgesetzt werden. "Unsere Schätzungen sind sehr vorsichtig", sagt Anfavea-Präsident Rogelio Golfarb.

Anfavea zeigt sich vor allem angesichts der Konjunktur hemmenden Hochzinspolitik der Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva besorgt.

"Aber auch mittel- und langfristiges Wachstum vor allem am inländischen Markt ist unbedingt nötig, damit die Investitionen beibehalten werden und Brasilien in der Liga der wichtigsten Produzenten seinen Platz behält", sagt Goldfarb. Die Ergebnisse am inländischen Markt seien im Vergleich zum Potenzial des Landes noch nicht zufrieden stellend. Das beste Absatzjahr der Automobilindustrie in Brasilien liegt immerhin bereits acht Jahre zurück. 1997 wurden in Brasilien 1,9 Millionen Fahrzeuge verkauft.

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