IAA - Hintergrund
Rohstoffpreise bleiben die große Unbekannte

Die drastisch gestiegenen Rohöl- und Benzinpreise bleiben für Europas Automärkte die große Unbekannte. "Es hängt alles davon ab, wie nachhaltig der Preisanstieg sein wird", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der FH Nürtingen.

HB FRANKFURT. Nach früheren starken Anstiegen habe sich die Lage meist relativ schnell wieder normalisiert. Wenn die Preise aber auf hohem Niveau blieben, könne dies Kaufkraft bei den Kunden entziehen und der Autokonjunktur zu schaffen machen. Europas Autohersteller gehen daher nur mit vorsichtigem Optimismus zur IAA. Mit neuen Modellen hoffen sie auf jeweils auf eine Sonderkonjunktur im schwierigen Umfeld.

Automobilwirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen ist trotz der hohen Benzinpreise durchaus zuversichtlich: "Die Automobimärkte gewinnen 2006 trotz hoher Ölpreise an Fahrt." Die hohen Benzinpreise würden den Trend zum Kleinwagen verstärken, die Menschen aber nicht vom Autokauf abhalten. Derzeit kaufe ohnehin nur ein Fahrzeug, wer dringenden Ersatzbeschaffungsbedarf habe.

Dudenhöffer rechnet daher damit, dass der westeuropäische Markt im kommenden Jahr um gut zwei Prozent auf knapp 14,8 Millionen Verkäufe zulegt. Wachstum erwartet er vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien. Völlig ausschließen will aber auch Dudenhöffer nicht, dass die Rohstoffpreise den erhofften Aufschwung verderben. Problematisch könne es werden, wenn wegen der hohen Ölpreise die Weltwirtschaft außer Tritt gerate. "Wenn die Weltwirtschaft wegen eines neuen Ölpreisschocks runter geht, ist der Automarkt natürlich kaputt."

Analyst Georg Stürzer von der HypoVereinsbank sieht die Benzinpreis-Krise auch als Chance. Die Benzinpreise seien schon in den vergangenen beiden Jahren gestiegen, ohne den Absatz wirklich zu beeinflussen. Er kann sich vorstellen, dass die hohen Kraftstoffpreise mithelfen könnten, den Ersatzbeschaffungsstau aufzulösen. "Manch einer mit einem alten, spritfressenden Auto überlegt sich jetzt vielleicht, sich einen Kleinwagen oder einen Diesel anzuschaffen." Im Durchschnitt sind die Autos auf den deutschen Straßen derzeit mehr als 7,5 Jahre alt und damit so alt wie nie zuvor.

Von einer leichten Erholung auf den westeuropäischen Automärkten werden nach Einschätzung der Experten aber nicht alle Hersteller gleichermaßen profitieren. Entscheidend ist die individuelle Firmenkonjunktur. "Die einen versuchen das über eine Produktoffensive, die anderen über eine Preisoffensive", meint Diez mit Blick auf das hohe Rabattniveau. Gerade die Premiumhersteller wie BMW konnten sich bisher aus den Rabattschlachten weitgehend heraushalten. Im August steigerte der Autobauer seinen Absatz um 23 Prozent. "Durch die Neueinführungen wird auch Mercedes im kommenden Jahr auf der Gewinnerseite stehen", ist nicht nur Analyst Stürzer überzeugt.

Die Massenhersteller werden nach Ansicht der Experten dagegen weiter unter Druck stehen. "Wir haben in Europa Überkapazitäten von fünf bis acht Millionen Autos", sagt Diez. Vor einem schwierigen Jahr steht daher auch Volkswagen, die Wolfsburger kommen nur mit wenigen Neuerscheinungen. Ein Wackelkandidat im europäischen Wettbewerb ist aber vor allem Fiat. Bei den Italienern hängt alles vom Erfolg des neuen Grande Punto ab. "Wenn der in die Hose geht, wird es bitter", sagt Stürzer.

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