IAA
Kritik an „spritfressenden Monstern“

SPD und Grüne haben der deutschen Automobilindustrie vorgeworfen, keine überzeugenden Antworten auf die hohen Spritpreise zu haben.

HB BERLIN. "Die Wirtschaft hat die wichtigsten Zukunftstrends völlig verschlafen", sagte der SPD-Energieexperte Hermann Scheer der "Berliner Zeitung". Statt stärker auf umweltschonende oder kraftstoffarme Wagen zu setzen, präsentiere die Branche auf der IAA "spritfressende Monster", kritisierte er. "Wer wie Volkswagen einen Bugatti mit einem Benzinverbrauch von 25 Litern als Zukunftsmodell preist, der blendet die Realität auf den Energiemärkten völlig aus."

Verbraucher-Staatssekretär Matthias Berninger (Grüne) sagte: "Mit der PS-Protzerei gefährdet die Industrie ihre eigenen Ziele bei Spritverbrauch und Schadstoffausstoß." Die Branche habe zugesagt, den Ausstoß von Kohlendioxid auf durchschnittlich 140 Gramm pro 100 Kilometer bis zum Jahr 2008 zu reduzieren. Dieses Ziel werde verfehlt, wenn die Wirtschaft ihre Anstrengungen nicht verstärke. "Nur wer auf Umweltautos setzt, wird auf den Weltmärkten künftig die Nase vorn haben", warnte er. Die Politiker forderten die Wirtschaft auf, die Entwicklung neuer Antriebe und Treibstoffe stärker als bisher zu forcieren.

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Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer warf der deutschen Autoindustrie in der "Heilbronner Stimme" Versäumnisse vor. "Manche Automanager verschlafen die wichtigen Entwicklungen", kritisierte der Parteichef. Beim Dieselrußfilter "findet die Beschäftigung jetzt in Frankreich und anderswo statt". Beim Hybridantrieb komme die Allianz von Audi, VW und Porsche zu spät.

"Bis die soweit sind, hat Toyota den dritten Hybridantrieb schon serienfertig. Toyota exportiert so viele Hybridwagen in die USA wie Audi dorthin überhaupt", erklärte Bütikofer. Die deutschen Hersteller aber "produzieren Autos, die die Welt nicht mehr braucht". Der Grünen-Vorsitzende stellte klar, dass das Auto "in einem vernünftigen Mobilitätssystem einen wichtigen Platz hat. Die Frage ist nur, was für Autos in Deutschland gebaut werden."

Berninger nannte es unverständlich, dass Hersteller wie Volkswagen Autos mit Bioethanol-Antrieb zwar im Ausland zum Verkauf anbieten würden, nicht aber in Deutschland. Er wies darauf hin, dass Biokraftstoffe derzeit billiger seien als Benzin, weil darauf keine Mineralölsteuer zu zahlen sei. Günstigere Preise könne man auch erzielen, wenn man dem normalen Benzin mehr Biokraftstoffe beimische. Ein Anteil von fünf Prozent Bioethanol im Benzin sei für die derzeitigen Motoren kein Problem, sagte der Grünen-Politiker.

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