IAA - Nachgefragt
"Hybrid wird nie so wichtig wie Diesel“

Auf der IAA: Sechs Fragen an Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert.

Wie gefährlich sind die chinesischen Autohersteller für die etablierten Konkurrenten?

Ich habe mir die Fahrzeuge auf der IAA angeschaut. Noch verkörpern die Fahrzeuge in starkem Maße traditionelles Design und Technik von gestern und sind qualitativ längst nicht auf dem Niveau, das Kunden in Europa erwarten. Aber: Das war bei den Japanern und Koreanern anfangs auch so. Ich glaube, die Chinesen werden es in wenigen Jahren schaffen, sich in der Autoindustrie auch als Exporteure zu etablieren. Zudem werden sie sicher versuchen, an der einen oder anderen Stelle europäische Unternehmen nach dem Vorbild von Rover zu übernehmen. Wir müssen diesen Trend ernst nehmen.

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Gerät der Produktionsstandort Deutschland weiter unter Druck?

Es wird von der Entwicklung der internen wie externen Rahmenbedingungen abhängen. Ich denke, jeder von uns wird noch einmal seine internen Prozesse kritisch hinterfragen müssen. Wenn es uns dann noch gelingt, auch durch die politischen Rahmenbedingungen mehr Flexibilität zu schaffen und die Kosten besser im Griff zu halten, dann bleibt die Autoindustrie die Schlüsselbranche in Deutschland.

Welchen Einfluss hat der hohe Benzinpreis auf die Branche?

Ich denke, die Branche hat bereits reagiert. Wenn ich die Angaben des Branchenverbandes VDA richtig verstehe, ist der Durchschnittsverbrauch der deutschen Flotte so niedrig wie noch nie. Das heißt: Da hat sich schon etwas getan.

Glauben Sie, dass der Hybrid-Antrieb auch in Europa ein Erfolg wird?

In Europa wird der Hybrid niemals eine Bedeutung gewinnen wie der Dieselantrieb, der ihm in vielen Belangen deutlich überlegen ist. Ein Vergleich hat gerade bewiesen, dass im Langstreckentest der Diesel deutlich weniger verbraucht als der Hybrid. Wir müssen aufpassen, dass wir bei aller Berechtigung des Hybrids in bestimmten Fahrzyklen, zum Beispiel im urbanen Stopp-and-Go-Verkehr, nicht in eine Art Hysterie hineinlaufen.

Hat der Diesel das Duell mit dem Hybrid in den USA nicht bereits verloren?

Auch in den Vereinigten Staaten bewegt sich der Marktanteil der Hybridfahrzeuge noch im Promillebereich. Glauben Sie mir, das Rennen ist nach wie vor offen.

Was fahren Sie heute eigentlich privat für ein Fahrzeug?

Einen Mercedes CLS 500. Ich bin der Marke treu - und das wird auch so bleiben. 40 Jahre Management-Tätigkeit bei Mercedes-Benz legt man nicht so einfach ab.

Die Fragen stellte Carsten Herz.

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