IAA
Showdown am Boden

Chinesen, Koreaner und Franzosen setzen auf billige Autos, Japaner immer mehr auf Luxus. Und steigende Benzinpreise drohen den Absatz abzuwürgen. Die deutschen Hersteller reagieren mit High Tech und PS-Orgien. Reicht das?

Er ist der Star: der Mercedes S 600. Ein 5,5 Liter großer Doppelturbo-Zwölfzylinder mit 517 PS befeuert ihn. Den prächtigen Zwölfender präsentieren die Schwaben auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Sein Steckbrief liest sich wie ein Auszug aus dem Handbuch eines Kampfhubschraubers: Radar und Nachtsichtgerät, hochauflösende Farbbildschirme liefern Informationen über Navigation, Fahrwerkseinstellungen, Klimatisierung. Infrarotscheinwerfer leuchten die Flugbahn unsichtbar 150 Meter weit aus.

Im Stop-and-go-Verkehr kann der Pilot sich entspannt zurücklehnen. Das Auto beschleunigt und bremst von selbst. Selbstredend ist das Geschoss auch beim Spritverbrauch nicht knausrig. Auf schnellen Autobahnetappen können schon mal 20 Liter je 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen fließen.

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Der Gegenentwurf zum Hochtechnologierenner aus dem Hause DaimlerChrysler steht auf der IAA am Stand des chinesischen Herstellers Brilliance. Die vom italienischen Stardesigner Giugiaro gestylte Mittelklasselimousine namens Zhonghua sieht ganz schick aus, hat Lederausstattung, Klimaanlage, CD-Wechsler, leidlich Platz für fünf Personen. Die Verarbeitung ist nichts für Qualitätsfanatiker: Das Leder wirkt wenig wertig, die im Innenraum verwendeten Kunststoffe scheinen zum Teil direkt aus PET-Flaschen recycelt, und der Basismotor von Mitsubishi reißt mit 129 PS keine Stücke aus dem Asphalt. Dafür hat die Limousine ein Preisschild, bei dem sich mancher Betrachter die Augen reiben dürfte: Nicht mehr als 20 000 Euro soll das Auto in vollem Ornat kosten, da erscheinen selbst als günstig geltende Mittelklassemodelle wie der Ford Mondeo plötzlich abgehoben.

Luxuskarosse oder Billigheimer?

Edle Hochtechnik oder Allerweltsprodukt? Selten fiel die Kluft zwischen preiswert und teuer, zwischen PS-Orgie und Einfachauto, eklatanter ins Auge als auf der diesjährigen IAA. Auf der einen Seite gibt es offenbar immer noch eine wachsende Zahl derer, die problemlos 50 000 Euro und mehr für ein Fahrzeug auf den Tisch legen können und sich auch von Spritpreisen jenseits der 1,40 Euro, wie sie der Wirbelsturm Katrina den deutschen Konsumenten in diesen Tagen beschert hat, nicht schrecken lassen.

Auf der anderen Seite wächst aber auch die Zahl derer, die sich ihre automobile Grundversorgung sprichwörtlich vom Mund absparen müssen. Sie zieht es immer häufiger zu Autos mit kleinem Preis und geringem Durst. "Der gesellschaftliche Wandel zu einer Zweiklassengesellschaft mit einer schrumpfenden Mittelschicht schlägt immer deutlicher in die Pkw-Nachfrage durch", sagt Ulrich Winzen, Chefanalyst des Prognose- und Beratungsunternehmens Polk Marketing-Systems. "Die klassische Mittelklasselimousine verliert an Bedeutung, dafür entstehen immer mehr neue Modelle am oberen und unteren Rand des Spektrums."

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