Im Gespräch mit: Reinhard Bütikofer und Matthias Wissmann
Wissmann: „Wir sind für ehrgeizige CO2-Ziele“

Deutsche Autos und der Klimaschutz: Vor der Automobilausstellung in Frankfurt läuft die Debatte um Abgase, KFZ-Steuer und Fahrverbote heiß. Das Handelsblatt fragte dazu Grünen-Chef Reinhard Bütikofer und den Präsidenten des VDA, Matthias Wissmann.

Die deutschen Autobauer geben sich auf der IAA ganz ökologisch - begraben die Grünen nun ihre Feindschaft?

Bütikofer: Wer redet denn von Feindschaft? Allerdings wollten wir immer ein grundsätzliches Umdenken. Noch Anfang 2007 war die Branche total auf Abwehr gepolt. Jetzt ändert sich tatsächlich etwas. Dass der VDA-Präsident Mitglied beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Anm. der Red.) ist, ist ein kleines Zeichen. Aber in vielen Punkten ist die deutsche Automobilindustrie noch weit von dem entfernt, was ökologisch notwendig und technisch möglich wäre. Die Propaganda auf der IAA eilt den Taten noch zu weit voraus.

Wissmann: Wir haben Argumente der Umweltverbände und Grünen sehr ernst genommen. Das zeigt das neue britische Umweltranking, wo in acht von 14 Segmenten deutsche Autos in Umweltfragen auf Platz 1 sind. Selbst im Ranking des Verkehrsclub Deutschland sind wir deutlich nach vorn gerückt. Die Grünen können lernen, dass der CO2-Ausstoß nach Fahrzeugklassen getrennt geregelt werden muss.

Bütikofer: Wer Daimler und Fiat mit gleichem Maß messen will, ist tatsächlich schief gewickelt. Grundsätzlich ist eine Regelung nach Größenklassen richtig. Dabei müssen alle reduzieren - die Hersteller kleiner Autos auch - aber insbesondere die großen Autos, die ein viel höheres Reduktionspotenzial haben.

Wissmann: Die Premiumhersteller sehen sich selbst in einer Leitfunktion. Aber die Automobilindustrie ist umweltpolitisch nicht nur in der Werbung sondern auch in der Sache in der Offensive wie noch nie. Das werden Sie bei der IAA sehen.

Bütikofer: Ganz so gut sind die Unternehmen - leider - noch nicht. In dem von Ihnen zitierten britischen Ranking liegen die Deutschen nur dann vorne, wenn Sie Vauxhall, Skoda, Ford und Seat als deutsche Autos betrachten.

Wird es in zehn Jahren noch Autos wie den Porsche Cayenne geben, die mehr als 250 g CO2 ausstoßen?

Wissmann: Der größte Teil der Autos wird darunter liegen. Entscheidend für das Klima sind doch die Marktanteile der einzelnen Modelle. Wenn die 50 größten PKWs den CO2-Ausstoß um 20 Prozent reduzieren, sinkt der Gesamtausstoß gerade einmal um 0,4 Prozent. Wenn das aber die 50 meistgekauften Autos tun, sind es insgesamt minus 14 Prozent.

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