In Oldtimer investieren
Wenn altes Eisen Gold wert ist

Für 6,6 Millionen Dollar hat unlängst ein klassischer Ferrari den Besitzer gewechselt, 2,6 Millionen Pfund brachte der James-Bond Martin. -Aston Wer noch einen Beweis brauchte, dass gut gepflegte klassische Fahrzeuge durchaus als Wertanlage taugen, dürfte jetzt überzeugt sein. Doch was macht das "alte Eisen" so begehrt? Ein Blick in die Herzen einiger Enthusiasten.
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DÜSSELDORF. "Going, going, gone ? sold" - Als der Hammer des Auktionators endgültig fällt, herrscht für eine Sekunde ungläubiges Schweigen im Raum. Dann bricht bei der legendären Auto-Auktion im kalifornischen Pebble Beach Mitte August stürmischer Beifall los. Eben hat ein Käufer 6,6 Millionen Dollar für einen Ferrari 250 GT Spider von 1959 ausgegeben. Der eher unscheinbare weiße Roadster ist damit eines der teuersten Autos der Welt, nur sechs Mal haben bisher Käufer noch mehr Geld für einen Gebrauchtwagen auf den Tisch gelegt. Oldtimer sind damit endgültig in der Kategorie Wertanlage angekommen. Und der Markt wächst: In Deutschland wurden im Jahr 2008 Oldtimer in der Größenordnung von 5 Milliarden Euro umgesetzt, in Europa waren es insgesamt 16 Milliarden Euro. Viel Geld für Gebrauchtwagen.

Auf der Mille Fiori, eine der bekanntesten Oldtimer-Rallys in Deutschland, treffen sich jeden Sommer die Enthusiasten der Klassiker-Szene. Bei der Rallye sind vom Mercedes 300 SL Flügeltürer bis zum Käfer Cabrio ist die gesamte Preisstaffel von Oldtimern mit dabei. "Wer hier mitfährt", sagt Hilmar Wörnle, der Chef der Stadtmarketing-Gesellschaft von Konstanz, die die Mille Fiori organisiert, "der hat sein Auto nicht nur als Wertanlage. Dafür ist die Strecke zu hart und zu anspruchsvoll". Die Route führt von Konstanz über Garmisch-Partenkirchen und Bozen nach St. Moritz und wieder zurück an den Bodensee, in vier Tagesetappen sind 18 Hochalpen-Pässe zu bewältigen. Eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine. Beim Fahrerbriefing vor der ersten Etappe haben einige Oldtimer-Besitzer plötzlich Sorgenfalten im Gesicht, wenn sie auf ihre wertvollen Fortbewegungsmittel schauen. Wer quält schon gerne einen Klassiker für Hunderttausende von Euro über die Alpen und zurück.

"Natürlich sind Oldtimer eine Wertanlage", sagt Egon Tauscher. "Aber eine mit eingebautem Spaßfaktor. Oder sind Sie schon mal mit einer Aktie im Sommer spazieren gefahren?" Der grauhaarige Mittfünfziger weiß, wovon er spricht. Vor Jahren hat er sein Hobby zum Beruf gemacht, kauft und verkauft Oldtimer, berät Kunden, organisiert Veteranen-Rallyes. "Wer vor zehn Jahren einen guterhalten Mercedes 300 SL Flügeltürer gekauft hat, musste rund 250 000 Euro anlegen. Heute ist er mehr als das Doppelte wert", sagt Tauscher. Marktgesetze gelten eben auch für Autos: Der Flügeltürer wurde insgesamt nur 1 400 Mal gebaut und davon sind nicht mehr viele übrig

Wie sehr alte Autos mittlerweile Spekulations- und Anlage-Objekte geworden sind, zeigt ein Blick auf die internationalen Auktionen, quasi die Wall Street für altes Blech. Rund ein Dutzend Auktionshäuser befassen sich inzwischen nahezu ausschließlich mit dem Handel von Oldtimern. Bei den Versteigerungen von Pebble Beach in Kalifornien, einem Mekka der Oldtimer-Szene, wurden dieses Jahr 170 Millionen Dollar umsetzt. Nicht selten toppen die Preise von versteigerten Autos die Werte von Van Gogh-Gemälden inzwischen deutlich. Und die Tendenz geht steil nach oben. Letztes Beispiel: In Monterrey ist gerade ein Porsche 917 für über 3 Millionen Euro verkauft worden. So viel wurde noch nie für ein Zuffenhausener Fahrzeug auf einer Auktion bezahlt. Weltrekord.

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