Interview mit Cars-Regisseur John Lasseter
Was kann man an Autos nicht lieben?

John Lasseter ist ein Autobegeisterter. Und als Regisseur der Animationsfilme Cars und Cars 2 hat er das große Glück, sich fast ununterbrochen mit den Objekten seiner Leidenschaft beschäftigen zu können.
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MünchenJohn Lasseter ist ein Autobegeisterter. Ein Erbe seines Vaters, der Einkäufer bei einem Autohändler war. Noch heute sind Autos für den Regisseur und Produzenten der Pixar Animation Studios nahe San Francisco das Größte. Die Zeichentrickfilme „Cars“ und „Cars 2“ waren für ihn deshalb eine große Spielwiese. Seine Ehefrau setzt dem Hobby des 54jährigen allerdings Grenzen. Der Regisseur der Filme rund um den roten Flitzer Lightning McQueen ist stolzer Besitzer von zwei Oldtimern aus den Jahren 1952 und 1964. „Ich hätte sehr viel mehr, aber ich bin mit Nancy verheiratet und sie hat das beschränkt“, sagt der Kalifornier.

Er fühle sich aber nicht als großer Bastler. Ein bisschen könne er Fahrzeuge schon reparieren, „allerdings nicht moderne Autos, wegen der ganzen Computer und der Technik - ich glaube, das kann kaum jemand“, sagt Lasseter. Etwas anderes sei es mit den alten Modellen. „Keilriemen, Lichtmaschine, Zündkerzen, damit komme ich klar.“

Woher kommt Ihr großes Interesse an Autos?

Lasseter: „Als ich aufwuchs, war gerade die Blütezeit der us-amerikanischen hochmotorisierten Muscle-Cars. Das war noch, bevor die 1970er Jahre kamen mit dem Ölembargo und der Benzin-Knappheit. Danach haben sich die Autos verändert, danach sollten sie weniger Treibstoff verbrauchen und nicht mehr so viele Schadstoffe ausstoßen. In den 1960er Jahren ging es dagegen nur um Kraft und Tempo. Ich wuchs zudem in Los Angeles auf, dort gab es eine regelrechte Autokultur. Ich habe Autos einfach immer geliebt. Als ich älter wurde, fing ich an, mich für Autorennen als Sportart zu begeistern. Ich finde es immer noch sehr aufregend und interessant. Alles in allem liebe ich Autos einfach.“

Was mögen Sie an Autos so sehr?

Lasseter: „Was kann man an Autos nicht lieben? Mir gefällt die Geschichte, ich mag einfach das Design, sowohl von Oldtimern, als auch von modernen Autos. Wenn man sich mit der Kunstform des Autodesigns beschäftigt, stellt man fest, dass jedes der großen Automobil-Länder ein ganz besonderes Design entwickelt hat, das wie ein Meilenstein wirkt. Diese Fahrzeuge sind einfach wunderschön. Ich mag auch moderne Autos, ich verfolge regelmäßig neue Entwicklungen der Autoindustrie. Diesen rein künstlerischen Design-Prozess finde ich sehr aufregend. Und ich fahre liebend gerne Auto.“

Fahren Sie auch gerne schnell?

Lasseter: „Ja. Ich wohne in der Nähe einer Rennstrecke in Kalifornien. Dort gibt es auch eine Schule, an der ich Rennstunden genommen habe. Ich bin mit ihren Autos gefahren und konnte dort auch auf die Piste. Es war wirklich ein Riesenspaß! Es ist sehr interessant, diese Fähigkeiten zu lernen. Aber ich mag auch normale Ausflüge mit dem Auto. Das ist natürlich ganz was anderes, man fährt nicht schnell, es ist einfach nur eine Reise. Wenn ich mit meiner Familie in den Urlaub fahre, geht es uns nicht darum, möglichst schnell irgendwo anzukommen. Der Weg selbst ist das Ziel. Darum ging es auch in dem ersten Cars-Film.“

Haben Sie diese Rennstunden genommen, um sich auf die Dreharbeiten zu „Cars“ vorzubereiten?

Lasseter: „Ja, das war ganz am Anfang. Ich wollte einfach alles über Autos lernen. Eine gute Recherche ist für mich sehr wichtig beim Filmemachen. Man weiß vorher nicht, wo die Inspiration herkommt. Deshalb fängt man erst mal mit einer Idee an, es ist alles noch sehr generell, man hat eine ungefähre Ahnung, wo es hingehen könnte. Aber dann muss man sich voll und ganz auf die Recherche konzentrieren.“ Manche Leute sagen, dass alte Autos richtige Gesichter haben. Neuere Modelle seien weniger ausdrucksvoll.

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Von Disney inspiriert

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