Mit diesem Mix kommt die ehemalige Schraubermesse inzwischen auch im Mainstream und im Ausland an. Frauen räkeln sich auf der Messe längst nicht mehr nur lasziv um die Autos herum, um die Männer anzulocken. „Es gibt auch verdammt viele Besucherinnen“, sagt David Do überrascht. Do ist ein texanischer Auto-Tuner der IT-Generation, dessen Blog Mayday Garage monatlich auf etwa 600.000 Klicks anzieht. Mann und Frau, Jungen und Mädchen, alle sind willkommen und kommen auch. Jeder Spleen wird bedient. Immer wieder hört man den Ausruf „Kawaii!“, „ach, wie süß!“
Dieser Ausruf mädchenhafter Begeisterung ist für Morinosuke Kawaguchi, Technikberater bei Arthur D. Little, weit mehr als nur Gefühlsduselei. Er ist Industriestrategie. „Kawaii-Design ist die Zukunft für Japan, besonders für Japans Autobauer“, sagt er. Und die Autohersteller hören ihm inzwischen zu. Denn Kawaguchi ist der Technik-Guru der japanischen Manga-Generation.
Sein 2007 verfasstes Buch „The Neon-Genesis of geeky-girly Japanese Engineering“ wurde in Japan zum Bestseller. In den kommenden Wochen will er sein erstes Handy vorstellen, das nicht nur wie Apples iPhone die Ästhetik, sondern stärker die Gefühle der Menschen ansprechen soll. Selbst in Magazin von Japans Autoingenieuren hat er seine Ideen für Japans Autobauer veröffentlicht. Und die ist revolutionär.
Toyota und Co. sollten nicht den Deutschen nacheifern, die nordisch kühle Macho-Ecke besetzt hätten, Auch nicht dem italienischen Chic oder dem amerikanischen Yankee-Glamour. Anstatt mit immer stärkeren Autos die Zuneigung des Vaters zu erwerben, sei das „Mütterliche“ ihr Metier, die Entwicklung von Mobilitätsideen, die pfiffig und umweltfreundlich Menschen verbinden und umhegen. „Japans Stärke ist das jugendlich-feminine, das japanische Kawaii“, sagt Kawaguchi. Nach 40 Jahren Manga- und Trickfilmberieselung sind sogar Japans Männer fürs Süße empfänglich. Selbst die Polizei und das Militär werben mit Manga-Maskottchen.
Für Kawaguchi bedeutet „Kawaii“ allerdings nicht einfach „süß“, sondern die Fähigkeit, die emotionalen Bedürfnisse von Subkulturen und den Schwachen der Gesellschaft zu befriedigen. „Das traditionelle Engineering eliminiert diese emotionalen Aspekte immer, weil sie als unernst gelten“, sagt Kawaguchi.