Jeans und Straßenschuhe gegen Rennoverall und schmale Rennschuhe getauscht
Einmal alle überholen

Leidenschaftliche Motorsportfans kaufen sich als Gebrauchten einen Formel-1-Wagen. Je nach Jahrgang des Boliden braucht der Hobbyraser dann entweder nur einen Benzinkanister oder aber ein Team von Mechanikern mit Laptops. Ein Besuch im Fahrerlager.

Roland Hächler fährt einen der schnellsten Gebrauchtwagen der Welt. Gerhard Bergers Ferrari 412 T aus der Formel-1-Saison 1994. Hächler hat keine Lust, sich heute den Spaß verderben zu lassen. Auch nicht vom Regen über den Ardennen, der nach drei Wochen Trockenheit einen schmutzigen Film auf den Rennkurs Francorchamps in Spa gelegt hat.

"Wir empfehlen, nicht zu fahren", mahnt Uwe Meissner. Er ist Chef von Modena Motorsport, einem Unternehmen aus Langenfeld, das gebrauchte Formel-1-Wagen rennfertig herrichtet. Sein Kunde Hächler hadert, er fiebert seit Wochen auf diesen Tag, nun ist der Moment gekommen, da er das Geschoss zum ersten Mal ausprobieren will.

Hächler ist nicht der Einzige, der heute den Regen verflucht. Elf ehemalige Formel-1-Autos stehen in den Boxen, umringt von Zuschauern, früher gefahren von Helden der Szene: Niki Lauda, Gilles Villeneuve, Clay Regazzoni, Jean Alesi, Michael Schumacher.

Die neuen Besitzer der Wagen wollen endlich Gas geben, die Eau Rouge hochdrehen und vor der Spitzkehre La Source scharf abbremsen. Meissners Unternehmen Modena Motorsport und Ferrari mit seiner Abteilung Corse Clienti sind die einzigen Anbieter, die ausrangierte Boliden so warten und pflegen, dass sie auf Veranstaltungen wie den Ferrari-Maserati-Days gefahren werden können.

Zwischen 300 000 und mehr als 1,2 Millionen Euro können Rennsportfreaks bei Meissner für einen gebrauchten Formel-1-Wagen anlegen. Vergangene Woche versteigerte Sotheby’s in Maranello einen Ferrari aus der Saison 2004 für rund 2,7 Millionen Euro. Der neue Besitzer des Wagens, mit dem Michael Schumacher fünf Grand-Prix-Rennen gewann, darf ihn erst in einem Jahr abholen - Ferrari hat Angst, weil die Technik noch zu frisch ist und ausspioniert werden könnte.

In Spa nimmt Hans Schneider (Name geändert) die regendiktierte Pause gelassen. Der Mittsechziger mit nach hinten gekämmten Haaren und beigefarbener Joppe streift um sein 94er-Modell herum. "Das ist mein erster Formel-1-Wagen", sagt der Unternehmer aus Süddeutschland. Er hat sich mit dem Kauf des Wagens, den Jean Alesi steuerte, einen Wunsch erfüllt. "Ich war schon als Kind ein Autonarr", sagt Schneider, der am Wochenende morgens um sechs Spritztouren mit einem seiner für die Straße zugelassenen Sportwagen macht. "Bei Garmisch-Partenkirchen gibt es einige langgezogene Kurven, wo sie gut 300 Stundenkilometer schaffen können", sagt Schneider. Seine Garage beherbergt diverse Ferrari. Den Ehrenplatz bekommt demnächst aber sein 412 T1 - im Wohnzimmer.

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