Jetzt auch Deutschland von Rückrufaktion betroffen
Lexus steckt sich mit Mercedes-Virus an

Toyota ruft jetzt auch in Deutschland 1 500 Lexus-Autos zurück. Schon am Mittwoch hatte der japanische Autobauer, der bis vor kurzem als Anbieter eiserner Qualität galt, auf mögliche Mängel bei rund 265 000 Wagen in Japan, Großbritannien, Kanada und in den USA reagiert. Betroffen sind Luxuskarossen. Das erinnert an die jüngsten Probleme von Mercedes.

TOKIO. Aus dem Tierreich ist bekannt, dass Krankheitserreger gerne auf nah verwandte Spezies überspringen. Das könnte erklären, warum Toyota plötzlich anfällig für allerlei Leiden ist, die dem Autohersteller lange unbekannt waren. Die Japaner haben sich mit ihrer Nobellimousine Lexus einen festen Platz im obersten Segment gesichert und sind kurz davor, in diesem Jahr den Titel des weltgrößten Autoherstellers zu erobern. Doch plötzlich sind sie umschwirrt von Viren, Bakterien und Parasiten, die bisher nur die anderen gepiesackt haben: Rückrufaktionen, Abschied von den gewohnten Top-Plätzen der Pannenstatistik, Häme der Medien und erste Schadensersatzklagen. Und das jetzt ausgerechnet auch noch bei der Luxustocher Lexus.

Bis vor kurzem dachte noch jeder, mit Toyota endlich den Anbieter eiserner Qualität gefunden zu haben. Doch erst gestern geschah es wieder: Toyota ruft weltweit Hunderttausende von Limousinen zurück. Diesmal wegen der Benzinpumpe, die undicht werden könnte. Und das ist neu: Betroffen sind allesamt Top- und Luxuskarossen aus dem Toyota -Konzern. Allen voran die Vorzeigetochter Lexus, die schärfste Konkurrentin der deutschen Premiumschmieden Audi, BMW und Mercedes.

Wer erinnert sich da nicht sofort an die jüngsten Probleme der großen Stuttgarter Automarke? Mercedes war Inbegriff ewiger Qualität. Jedenfalls bis zum Jahr 2005. Da musste die Daimler-Tochter nach und nach 1,3 Millionen Exemplare der groß beworbenen neuen E-Klasse in die Werkstätten rufen. Die vielen Chips in dem hochtechnisierten Auto hatten häufiger Aussetzer, im Extremfall ging gar nichts mehr in den teuren Karossen. Etwas ernster noch waren Probleme mit den Bremsen, die nicht immer funktionieren wollten.

Heute hat sich Mercedes berappelt und seine Autos wieder an die Spitze der Qualitätsrankings gebracht. Wo Toyota auch wieder hinwill. Schließlich betonen die Japaner, dass ihre Autos gar nicht so viel schlechter geworden seien. Die Konkurrenten hätten lediglich aufgeholt. Aber im Moment zählt einfach nur, wer häufiger Autos in die Werkstätten zurückholen muss – und damit steht Toyota derzeit nun einmal in den Schlagzeilen.

Als sich im Frühling abzeichnete, dass Toyota den Erzrivalen General Motors in diesem Jahr als weltgrößten Autohersteller ablösen würde, standen in Tokio einige Autoleute aus verschiedenen Ländern beisammen und sprachen eine Warnung aus: Wer so schnell wächst, wird bald Probleme bekommen. Jetzt ist es tatsächlich passiert, der alte Mercedes-Virus hat auch die noble Luxustochter Lexus befallen. Auch wenn es offen niemand zugibt, die Konkurrenz wird sich darüber freuen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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