Jugendstudie
Die Generation Vollgas lebt

Sie sind vernünftig, ökologisch - und das Smartphone ist ihnen wichtiger als Opas Auto: So beten Experten oft das Bild der heutigen Jugend herunter. Stimmt aber nicht, sagt eine neue Untersuchung.
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„Will nicht spar'n will nicht vernünftig sein tank nur das gute Super rein ich mach' Spaß! Ich geb' Gas ..." Den Text können wahrscheinlich die meisten mitsingen, die 1982 jung waren. Vielleicht sollte der Sänger Markus es 2014 mal mit einer Neuauflage probieren. Denn eine neue Studie der Allianz Versicherung belegt, dass der Song auch bei der heutigen Generation von Fahranfängern gute Chancen hätte. Die Hymne spricht den meisten nämlich aus der Seele.

„Umweltaspekte sind für junge Autofahrer unwichtig“, stellt Allianz-Versicherungschef Alexander Vollert nach der Lektüre der repräsentativen Studie kategorisch fest. „Freiheit, Freude und Entspannung“ stehen dagegen wie schon vor 30 Jahren für das Kulturgut Auto. Mehr als zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland und Österreich sehen das so. „Mit dem Fahrrad zum Bäcker? Nein danke“, fasst Vollert die Erkenntnisse zusammen.

Wer kein eigenes Auto fährt, hat dafür dann auch vor allem einen Grund: nicht genug Geld. Das sagen bedauernd 55 Prozent der Jungen, die kein Auto haben. Umweltschutz spielt da mit 14 Prozent nur eine nachrangige Rolle. Und jeder zweite Nachwuchs-Autofahrer will in Zukunft eher mehr Kilometer abspulen als bisher.

Beruhigende Nachrichten also für die Autohersteller – für die Verkehrssicherheit allerdings weniger. Denn die Jugendlichen von heute verharren offenbar auch bei ihrem Fahrverhalten noch auf dem Stand vom Markus der Achtziger. Und das heißt: Risiko, Raserei, Rostlaube – und dazu noch ein paar Runden Bier. So stellt sich leider auch 2014 die Kombination typischen Verhaltens vieler 18- bis 24jährigen dar. Eines oft tödlichen Verhaltens.

Fast jeder vierte getötete Pkw-Fahrer kommt aus dieser Altersklasse, obwohl sie nur acht Prozent der Führerscheininhaber ausmacht. Die Gründe sind für Vollert klar: „Alkohol und höhere Risikobereitschaft sind die Hauptursachen für die hohen Unfallzahlen.“ Die seit einigen Jahren geltende Null-Promille-Grenze bis 20 Jahren wirkt zwar – aber nur so, dass mit dem 21 Geburtstag offenbar kräftig die Korken knallen; und danach die Stoßstangen. Denn inzwischen ist bei schweren Unfällen der Anteil von angetrunkenen Fahrern unter den 21 bis 24-jährigen mit 18 Prozent rund doppelt so hoch wie bei den jüngeren oder älteren jungen Menschen.

Vollert verlangt darum die Anhebung der Null-Promille-Schwelle auf 24 Jahre. Kay Schulte, Referatsleiter junge Fahrer beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat, kann sich da noch wesentlich mehr vorstellen: „Eigentlich gehört Alkohol überhaupt nicht in den Straßenverkehr. Punkt.“

Dass das totale Alkoholverbot wirkt, beweist die Studie. Noch 2003 verursachten Fahranfänger den Großteil der Unfälle mit Personenschaden in den ersten sechs Monaten nach bestandener Fahrprüfung – heute sind es vor allem die mit mehr als einem Jahr Fahrerfahrung. „Die meinen oft: Jetzt kann ich's“, sagt Schulte.

Warum die jungen Unfallfahrer – darunter übrigens nur 13 Prozent Frauen – so oft fatale Schäden verursachen, das hängt sicher oft mit Alkohol zusammen. Er ist der Turbo für Leichtsinn, Selbstüberschätzung und Risikobereitschaft. Dreimal mehr der jungen Lenker waren nicht angeschnallt, die Hälfte ihrer Fahrzeuge waren zehn Jahre oder älter. Dazu kommt, dass die Crash-Fahrer in der Hälfte aller Fälle nachts unterwegs waren und das zu schnell (40 Prozent).

Manche Einstellungen ändern sich eben nie. „Risiko gehört zur Jugend“, sagt Schulte. Das Problem sei, die Gefahr zu kontrollieren. Damit der Weg dahin nicht schlimm endet, empfehlen die Sicherheitsexperten deshalb allen Eltern, am ersten Untersatz ihres Fahranfängers nicht zu sehr zu sparen. Ihre Ausstattungstipps: Mindestens vier Sterne beim Crashtest Euro-NCAP, ESP, Gurtwarner und ein automatisches Notbremssystem. Das belohnt der Versicherer übrigens noch mit einem Rabatt auf die Police. Das gab's zu Markus Zeiten noch nicht.

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