Käufer werden immer älter Autobauer leiden unter dem „Methusalem-Effekt“

Die Autohersteller stehen vor einem neuen Problem: Die Pkw-Käufer werden immer älter. Junge Menschen sehen häufig keinen Sinn mehr darin, sich einen eigenen Wagen zuzulegen – und auch die Autobauer machen Fehler.
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Das Durchschnittsalter unter deutschen Autokäufern hat deutlich zugenommen. Jüngere Menschen verweigern den Kauf. Quelle: obs
Das eigene Auto – nur noch etwas für Ältere?

Das Durchschnittsalter unter deutschen Autokäufern hat deutlich zugenommen. Jüngere Menschen verweigern den Kauf.

(Foto: obs)

DüsseldorfDeutschlands Autofahrer werden immer älter. Das Durchschnittsalter der Fahrzeugkäufer ist den zurückliegenden 20 Jahren kräftig nach oben gegangen – um einiges stärker als das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung. Nach Dieselaffären, Staus und Fahrverboten erwächst den Autoherstellern damit ein ganzes Problem: Der Nachwuchs bleibt aus, zu wenig junge Menschen wollen noch ein Auto kaufen.

Sowohl bei Neu- als auch bei Gebrauchtwagen sind die Käufer in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich älter geworden. 1995 lag das Durchschnittsalter eines Neuwagenkäufers bei 46,1 Jahren, heute sind es 52,8 Jahre (plus 14,5 Prozent). Noch stärker ist das Durchschnittsalter der Gebrauchtwagenkäufer gestiegen, nämlich um 19,4 Prozent. 1995 lag es noch bei 37,5 Jahren, heute hat der Mittelwert 44,8 Jahre erreicht. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Untersuchung des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

Diese Autos verkaufen sich weltweit am besten
Bei den meistverkauften Autos der Welt steht in den ersten drei Monaten 2017 der Toyota Corolla wie gehabt an erster Stelle
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Exakt 297.471 Einheiten wurden laut Marktforschungsunternehmen „focus2move“ von Januar bis März global verkauft.

Ford F-150
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Auf den Plätzen zwei und drei gab es hingegen einen Wechsel: Mit 244.709 Verkäufen setzte sich Fords F-Serie vor den Vorjahreszweiten VW Golf.

VW Golf
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Während der Pick-up im Vergleich zum ersten Quartal 2016 ein Plus von 9,8 Prozent verzeichnete, ging der Absatz für VWs Kompaktmodell um 10,1 Prozent auf 220.140 Exemplare zurück.

Deutliche Zuwächse verzeichnete vor allem das SUV-Segment
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Größter Wachstumsmotor war China, wo rund 75 Prozent aller Neuwagen SUVs waren. In den Top 10 spielen diese entsprechend eine zunehmend wichtigere Rolle. So steht auf Platz 4 der Honda CR-V, der mit 214.144 Verkäufen um 14,4 Prozent zulegte.

Toyota RAV4
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Von Rang 9 auf 6 ging es rauf für Toyotas RAV4, der sich 175.095 Mal verkaufte (+ 9,3 %).

Einen besonders großen Sprung nach vorne machte der VW Tiguan
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Der Wolfsburger kämpfte sich im ersten Quartal 2017 mit weltweiten 170.736 Verkäufen (+ 44,7 %) von Position 22 auf Platz 9

Honda Civic
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Dank des Markteintritts in Europa legte auch Hondas Civic um über 30 Prozent zu. Mit 179.948 Verkäufen landete der Japaner auf Rang 5 und macht somit elf Plätze gut.

Das Durchschnittsalter in der gesamten deutschen Bevölkerung ist im selben Zeitraum um 10,5 Prozent von 40,0 auf 44,2 Jahre geklettert – liegt also deutlich unter dem Alterszuwachs der Autokäufer. CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer spricht von einem „Methusalem-Effekt“ auf dem Automarkt. Das durchschnittliche Lebensalter aller Autohalter liege in Deutschland inzwischen bei 52,6 Jahren und steige weiterhin kontinuierlich an. Der Anteil der Autofahrer, die 60 Jahre und älter sind, habe einen Wert von 31,8 Prozent erreicht. Trotz der allgemein guten wirtschaftlichen Lage entscheiden sich weniger junge Menschen für den Kauf eines Autos.

Autoprofessor Dudenhöffer wertet es als besonders alarmierend, dass das Durchschnittsalter der Gebrauchtwagenkäufer deutlich stärker angestiegen ist als bei den Neuwagenkunden. Jüngere Menschen sind wegen ihrer tendenziell niedrigeren Einkommen die typischen Käufer von Gebrauchtwagen. Doch auch ein vergleichsweise günstiges Preisniveau kann die Jungen immer weniger dazu bewegen, sich einen Gebrauchten zuzulegen. „Die jungen Menschen verlieren die Lust am eigenen Auto“, fasst Dudenhöffer die Entwicklung am deutschen Automarkt zusammen.

Der Automobilforscher hält der Branche vor, dass sie in den zurückliegenden Jahren keine großen Innovationen hervorgebracht habe, mit denen sich jüngere Käufer begeistern ließen. „Radikale oder disruptive Innovationen sieht man außer beim Elektropionier Tesla kaum“, so Dudenhöffer. Der „emotionale Kick“ sei in den vergangenen Jahren immer stärker abhandengekommen.

Möglicherweise könnte die neue Generation von Elektroautos für eine Wende sorgen, weil damit ein echter Innovationsschub ausgelöst werde. Bei den meisten Herstellern wie Volkswagen und Daimler beginnt das Elektrozeitalter mit dem Jahr 2020. Dann sollen rein batteriegetriebene Fahrzeuge in großen Stückzahlen von den Bändern laufen.

Lange Staus und fehlende Parkplätze
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19 Kommentare zu "Käufer werden immer älter: Autobauer leiden unter dem „Methusalem-Effekt“"

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  • Herr Dieter Pache - 30.05.2017, 13:37 Uhr;

    Listenpreise sind doch eh nur für Geschäftskunden und die entsprechenden Leasing-Verträge interessant.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Anzahl der durchschnittlichen Netto-Monatslöhne (Vollzeit), die erforderlich sind, einen sehr gut ausgestatteten Passat (Neupreis etwa 35.000 € bei 14 % Rabatt) heute niedriger ist, als vor 15 oder 20 Jahren. Dazu kommt, dass Autos heute viel sicherer, viel besser ausgestattet und bei gleicher Typenbezeichnung erheblich größer sind, als früher.

    Ich nehme eher an, die empfundene Wertigkeit eines PKWs ist nicht mehr so hoch. Ein Auto ist nicht mehr das Statussymbol. Für Freizeit, Urlaub, Wohnungsausstattung, Kleidung, technische Spielereien, Kosmetik und explizit Fahrräder wird nach meinem Gefühl heute ein viel größerer Anteil des Einkommens ausgegeben.

  • Erfreulich, dass man den meisten der Kommentare hier entnehmen kann, dass sich offenbar zunehmend die Einsicht durchsetzt, dass man sich auch ohne die dazu in früheren Zeiten für unverzichtbar erachteten Statussymbole (z.B. ein „fetter Schlitten“) als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlen kann. Sieht also ganz so aus, als käme unsere Gesellschaft langsam voran.

    Dass junge Menschen häufig keinen Sinn mehr darin sehen, sich einen eigenen Wagen zuzulegen, dürfte übrigens - von der Frage nach dem Sinn jetzt mal abgesehen - auch daran liegen, dass die sich den bei weitem nicht so locker leisten können wie die Angehörigen der „älteren Generation“.

    Besonders den Kommentar von @Herrn Ernst Männer-Reimitz finde ich sehr gut. Daraus:

    „Die Autoindustrie ist gut beraten, wenn sie sich dem Trend stellt und endlich bedürfnisgerechte Mobilitätskonzepte anbieten würde. Beispiele (…).“

    Als weiteres Beispiel fällt mir dazu spontan ein für hiesige geographische Verhältnisse eher ungewöhnliches Transportmittel ein: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/bolivien-der-seilbahn-boom-in-den-anden-100.html.


    Und zu „Das größte Problem nach meiner Meinung ist, dass die Autoindustrie auf dem jetzigen Exporterfolg sich ausruht und so die schleichenden Veränderungen der Gesellschaft verschläft. Es wird zu wenig experimentiert und auf neue, mögliche Kundenbedürfnisse eingegangen.
    Ich frage mich auch, warum die Automanager soviel Geld bekommen, wenn sie ihre Firmen zu Schlafkappen machen.“

    Das frage ich mich auch. Wenn man sich in der Automobilindustrie nicht umgehend nach und anderweitigen und z.T. auch gänzlich neuen Verwendungsmöglichkeiten für die fraglos vorhandenen technischen Kompetenzen und das Produktivvermögen umsieht, sehe ich jedenfalls schwarz für deren Zukunft.

    Man kann sich zwar eine Zeit lang gegen den „Lauf der Zeit“ stemmen, aufhalten kann man ihn aber nicht.

  • Das Hauptproblem dürfte doch sein dass sich die meisten die völlig überzogenen Neuwagenpreise nicht mehr leisten können.

    Ein Volkswagen ( Passat ) mit etwas Ausstattung für fast 50.000 Euro, was soll daran noch für das Volk sein, da ist der Name Volkswagen schon eine Frechheit

  • Der Trend in Deutschland zieht die Menschen zunehmend in die Städte. Dort wollen sie aber auch in einer lebenswerten Umgebung wohnen. Mit einer autogerechten Stadt geht das nicht, wie schon vor 40 Jahren erkannt wurde.

    Die Zukunft für europäische Großstädte wird so aussehen, dass es weniger Fläche für PKW, dafür mehr Fläche für Rad- und Fußwege mit dem entsprechenden Begleitgrün gibt. Fahrräder und Lastenfahrräder werden zunehmend für Wege bis 10 km eingesetzt werden, häufig elektrisch unterstütz und falls ein Auto benötigt wird, leiht man es. Auch der ÖPNV ist besser ausgebaut als heute.

    Städte wie Amsterdam oder Kopenhagen sind da Wegbereiter und zeigen, wie sich Metropolen verbessern, wenn den PKW-Verkehr weniger Raum gegeben wird.

  • Jedem Neubürger ein Auto auf Steuerzahlerkosten schenken, dann laueft das Geschaeft wieder rund. Dem Waehler erklaert man das sei alternativlos, dann ist das ueberhaupt kein Problem.

  • Deutschland wird ganz einfach ärmer.
    Niemand fährt gerne ein 9 Jahre altes Auto, wenn er sich ein 6 Jahre altes oder gar ein neues leisten kann.
    Die Argumentatiion des Schreibers ist ja an den Haaren herbeigezogen, aber vielleicht müsste er ja hier politisch korrekt schreiben. Wie auch immer. Da wo Geld verdient wird, da werden auch Autos gekauft.

  • Herr Holger Narrog - 30.05.2017, 09:26 Uhr
    ......die Radarsteuern....
    ------------------------------
    Was ist denn das: die Radarsteuer? Machen Sie mich schlau, Herr Nampf.

    Oder meinen Sie etwa die Bescheide, die man erhält, wenn man sich nicht an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit gehalten hat und geblitzt wurde.

  • @Achim von Oberstaufen 30.05.2017, 10:36 Uhr

    " Irgendwie tippen die Experten immer daneben."

    "tippen" ist die richtige Wortwahl im Zusammenhang mit Experten ... .;-)

    "Experte" heißt etwa: "ich habe auch keine Ahnung, halte aber meine Meinung für extrem wichtig und quäke sie einfach mal so in die Umgebung"

  • Nach der Abwrackprämie haben die Automobilexperten orakelt, die PKW Hersteller werden einen Absatzeinbruch erleiden. Es gab aber keinen Absatzeinbruch. Weiter meinten die Fachleute, die Zukunft gehöre den Kleinwagen. Wenn ich mir so den Parkplatz vor dem Supermarkt anschaue, ist der voll mit SUV und Geländewagen. Irgendwie tippen die Experten immer daneben.

  • @ Herr Ernst Männer-Reimitz30.05.2017, 10:20 Uhr

    Die Demographie ist vor allem ein europäisches Problem, in nahezu allen anderen teilen der Welt wächst die Weltbevölkerung. Im Schnitt kommen jedes Jahr auf diesem Planeten so viele neue Erdenbürger auf die Welt, als Deutschland Einwohner hat. Das deutsche Alterungsthema ist somit für die deutschen globalen Autokonzerne so was wie ein Randthema. :-)

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