Kampf ums beste Auto-Image Vorsprung durch Design

Es ist mehr als eine Geschmacksfrage. Die richtige Wahl des Autodesigns ist für Premiumhersteller wie Audi, BMW und Mercedes eine Überlebensfrage.
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Ein Model posiert auf einer Automesse für die Fotografen mit dem neuen Audi A7 Quelle: Reuters

Ein Model posiert auf einer Automesse für die Fotografen mit dem neuen Audi A7

(Foto: Reuters)

Neben Qualität und Image ist für die Käufer zunehmend entscheidend, wie ein Auto aussieht. Erbittert streiten daher die Kreativen auch auf dem 81. Autosalon in Genf um die ideale Linienführung. "Richtig eingesetzt, wird Design zur Waffe, mit der sie die Konkurrenz bedrohen können", sagt Designexperte Paolo Tumminelli, Professor an der Köln International School of Design.

Wie kaum ein anderer Hersteller in Deutschland hat Audi mit Erfolg auf diese Waffe gesetzt. Die VW-Tochter hat sich mit starkem Design in die Beletage der Premiumhersteller katapultiert. In der Werbung wurde "Vorsprung durch Technik" announciert - in der Publikumsgunst aber schob sich Audi vor allem dank schnittiger Optik nach vorn. Im Zeitalter von Tempolimit und Klimadebatte verliert die PS-Zahl als Kaufargument. Das Design muss eine Stärke zeigen, die auf den Straßen gar nicht mehr zur Geltung kommt.

Der Kampf ums beste Design beginnt im Hinterhof
Gut versteckt arbeiten sie, die jungen Designer der VW-Nobeltochter Audi. Sie tüfteln weit weg von der Konzernzentrale in Ingolstadt an der Zukunft der Automarke - verborgen in einem kleinen Hinterhof im Münchener Stadtteil Schwabing. Zwischen Vitra-Möbeln und Espressomaschine wurden hier bereits Design-Ideen für Audi, Seat und Lamborghini entwickelt - vom Konzeptauto bis zur Krawattennadel.


Die halbfertigen Modelle aus Lehm, die auf den Tischen der Designer stehen, sind mehr als Fingerübungen. Sie könnten die Zukunft der Marke sein. Es ist ein Wettbewerb der Kreativen mit Messer und Zeichenstift. Die Ergebnisse können für die Konzerne knallharte wirtschaftliche Folgen haben.

Nie zuvor war Autodesign so wichtig für die Hersteller. In Westeuropa, Japan oder Nordamerika ist es heute entscheidend, wie ein Auto aussieht - Produktqualität wird als selbstverständlich vorausgesetzt, gerade bei den Premiummarken.

Die früher weitgehend unbekannten Designer gelten heute als Stars, deren Namen man auch außerhalb der Branche kennt. "Es gibt keine wirklich schlechten Autos mehr", sagt Peter Bosch, Autoexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman. "Nur noch schöne oder weniger schöne. Design ist zu einem der wichtigsten Kaufgründe für oder gegen ein bestimmtes Auto geworden."
Es ist die alte Schneewittchen-Frage: "Wer ist die Schönste im Land?" Für viele Experten lautet die Antwort: Audi.

Audi A7 Sportback Quelle: pr

Audi A7 Sportback

(Foto: pr)

Eine Experten-Jury einer Autozeitschrift hat jüngst das Design von zehn Fahrzeugen bewertet. Gewinner war der Audi Sportback A7. "Audi ist sicher das spektakulärste Beispiel dafür, wie ein hochqualitatives Design die Entwicklung einer Marke befördern kann", sagt Christoph Stürmer, Co-Autor des Auto-Buchs "Premium Power". Doch inzwischen wirken viele Modelle wie geklont.

Es fehlten klare Klassenidentitäten, sagt Stefan Baumann von der Agentur Sturm und Drang. Neue Modelle werden bloß als weiterer Audi wahrgenommen. "Wir müssen daran arbeiten", so Audi-Konzern-Chefdesigner Wolfgang Egger, "die einzelnen Baureihen stärker zu unterscheiden."

Ein Mercedes als üppiger Fruchtcocktail
Doch Egger ist sich bewusst, dass Audi erst mit dem dominanten Kühlergrill ein Gegengewicht zu dem markanten Kühlergrill in Form einer Doppelniere von BMW und dem legendären Stern von Mercedes gefunden hat.
Klar: Die technische Perfektion und das edle Design der deutschen Oberklasse-Fahrzeuge werden weltweit geschätzt. Aber Audi, BMW und Daimler stehen vor dem gleichen Dilemma: Um zu wachsen, müssen sie immer mehr Modelle und Baureihen auf den Markt bringen.

Sowohl BMW als auch Mercedes haben deshalb die Flucht nach vorn angetreten. "Die Münchener begannen unter ihrem vorherigen Designchef Chris Bangle, das bis dahin eher sportliche Design stärker in Richtung Luxus zu trimmen", sagt Othmar Wickenheiser, Professor für Transportation Design an der Hochschule München. Mercedes dagegen stand früher vor allem für Prestige - und versuche jetzt, sportlicher zu werden.

BMW 7er Quelle: pr

BMW 7er

(Foto: pr)

Doch während BMW sich unter seinem neuen Designchef Adrian van Hooydonk von den kontroversen Formen seines Vorgängers Bangle weitgehend verabschiedet hat, stößt die neue Linie des Mercedes-Designchefs Gorden Wagener nun auf ungewohnte Kritik in der Fachwelt. Das Urteil des Designexperten Paolo Tumminelli, Professor an der Köln International School of Design, ist knapp und hart: "Audi und BMW haben beim Autodesign klar die Nase vorn, während Mercedes hinterherstolpert und noch darum ringt, eine Position zu finden."

Ein Vorwurf, der in Stuttgart auf Unverständnis stößt. Wagener spricht von "stilvoller Sportlichkeit". Das Forschungsauto F 800 Style gibt die neue Designlinie der Stuttgarter vor. Der Kühlergrill ist dominanter geformt, die Kotflügel stark ausgeprägt, in den Flanken geben Vertiefungen Kontur. Für Tumminelli ein Fauxpas.

Mercedes-Benz F 800 Style Quelle: PR

Mercedes-Benz F 800 Style

(Foto: PR)

Früher hätte ein Mercedes maximal vier bis fünf Gestaltungsmerkmale in der Frontpartie gehabt, heute seien es bis zu 17 verschiedene. "Das Auto wirkt damit wie ein üppiger Früchtecocktail", rügt der Italiener. Doch einig ist sich die Fachwelt nicht. "Ich halte das für die richtige Philosophie für Mercedes, denn sonst ist die Marke kaum mehr zukunftsfähig", hält Wickenheiser von der Hochschule München dagegen.

Innenansicht der Mercedes Studie F 800 Style Quelle: dpa

Innenansicht der Mercedes Studie F 800 Style

(Foto: dpa)

"Wichtiger als Werbung"

Die Suche nach der richtigen Form ist zu einer Schlüsselfrage für die Autohersteller geworden. "Design ist wichtiger als Werbung", ist Walter de Silva, Chefdesigner des VW-Konzerns sicher. Daimler-Boss Dieter Zetsche kommt alle paar Wochen mit seinem Designchef zusammen. Denn das Werk der Kreativen ist auch eine riskante Wette auf die Zukunft. Es dauert Jahre, neue Modelle zu entwickeln - und es kostet Milliarden Euro. Danebenzuliegen kann sich kein Hersteller leisten. "Richtig eingesetzt, wird Design zur Waffe, mit der sie die Konkurrenz bedrohen können", glaubt Tumminelli.

Fotostrecke: Die unvernünftigsten Autos von Genf

Die unvernünftigsten Autos von Genf
huGO-BildID: 21109027 The new Wiesmann
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Fans der Sportwagenmanufaktur Wiesmann verlangen nach Darstellung des Unternehmens seit Jahren ein aufs Wesentliche reduziertes Fahrzeug. Diesem Wunsch soll die Designstudie Spyder gerecht werden. Das Unternehmen aus Dülmen im Münsterland stellte ihre Version jetzt in Genf als spektakuläre Studie vor: Ohne Dach, Türen und Frontscheibe fällt der Zweisitzer extrem puristisch aus ...

The Wiesmann Spyder Design Study is pictured during the second media day of the 81st Geneva Motor Show at the Palexpo in Geneva
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Mit dem weniger als 1.000 Kilogramm schweren Wiesmann Spyder hat der 420 PS starke V8-Motor von BMW leichtes Spiel: Laut Hersteller zeigt der Tacho in knapp 4,0 Sekunden Tempo 100 an. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt rund 290 km/h.

The Wiesmann Spyder Design Study is pictured during the second media day of the 81st Geneva Motor Show at the Palexpo in Geneva
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Ob der Spyder jemals als Kleinserienwagen erhältlich sein wird, macht Wiesmann unter anderem von den Reaktionen der Messebesucher abhängig. Die Entscheidung über die Produktion sei noch nicht gefallen, denkbar sei aber ein Marktstart im Jahr 2012.

81st Geneva International Motor Show
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Wenn Toyota im nächsten Jahr hält, was die Sportwagenstudie FT-86 II Concept verspricht, dürfen sich Coupé-Fans schon mal freuen. Das Showcar gilt als Nachfolger des legendären Celica. Zu den Merkmalen der Studie gehören große Lufteinlässe, eine lange Motorhaube, stark ausgeprägte Radkästen und ein Heckspoiler. Im Innenraum macht ein weit nach hinten verlagertes Cockpit Eindruck. In dieser Entwicklungsstufe befinde sich das Auto "sehr nah an der Serienversion", die 2012 antreten soll, sagte ein Unternehmenssprecher. Den Celica hatte Toyota Ende 2005 nach 35 Jahren aus dem Programm genommen.

huGO-BildID: 21118396 The new Toyota
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Der 4,23 Meter lange und nur 1,27 Meter hohe Konzeptwagen wird von einem 2,0-Liter-Boxermotor angetrieben. Das Aggregat ist über der Vorderachse montiert und gibt seine Kraft an die Hinterräder ab. Rund 200 PS soll der Boxer leisten, hieß es hinter vorgehaltener Hand am Messestand. Offiziell äußert sich Toyota zu Leistungs- und Fahrdaten noch nicht. Über ihre Preisvorstellungen sprechen die Japaner in Genf hingegen vergleichsweise offen: Die Serienversion des FT-86 II Concept soll ein "bezahlbarer Sportwagen" werden, der preislich dort anknüpft, "wo wir mit dem Celica aufgehört haben". Das lässt auf ein regelrechtes Sportwagen-Schnäppchen hoffen. Denn in Deutschland hat Toyota die letzten Exemplare des Celica für weniger als 30.000 Euro verkauft.

A new Alfa Romeo 4C concept car is displayed during the first media day of the 81st Geneva International Motor Show
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Alfa Romeo belebt seinen Ruf als Sportwagenmarke. Dazu präsentiert die Fiat-Tochter in Genf die Studie 4C, die mit ihren Fahrleistungen Autos wie Audi TT oder Porsche Cayman in die Schranken weisen könnte. In weniger als fünf Sekunden beschleunigt der Zweisitzer auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 250 km/h. Das nur rund vier Meter lange Coupé wiegt nach Angaben von Entwicklungschef Harald Wester dank einer Karbonkarosserie auf einem Aluminiumrahmen weniger als 850 Kilogramm.

81st Geneva International Motor Show
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Quer hinter den beiden Schalensitzen des 4C ist ein aufgeladener Direkteinspritzer mit vier Zylindern und nur 1,8 Litern Hubraum montiert, der über ein Doppelkupplungsgetriebe die Hinterachse antreibt. Unter einer gläsernen Abdeckung jederzeit sichtbar, leistet er dem Vernehmen nach etwa 235 PS und wird bereits im Alfa Romeo Giulietta eingesetzt.</p>

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