Karmann und EWE
Elektroauto E3 könnte 2012 in Serie gehen

Aus der Ferne sieht das metallic-blaue Auto wie ein ganz normaler Kleinwagen aus. Doch wenn der "E3" anfährt, ist der Unterschied deutlich zu hören. Besser gesagt: Es ist fast nichts zu hören. Denn das Elektroauto bewegt sich nahezu geräuschlos. Gestern stellten der Autozulieferer Karmann und der Energiekonzern EWE den ersten Prototypen offiziell vor.

dpa BREMEN. "Das Fahrzeug ist sehr viel leiser als eines mit Verbrennungsmotor", sagte Stefan Schirmbeck, Projektmanager beim Osnabrücker Autozulieferer Karmann, der den Wagen gemeinsam mit dem Oldenburger Energiekonzern EWE entwickelt hat. Strecken von rund 170 Kilometern soll der "E3" zurücklegen können und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde erreichen. Bis zu 58 Kilowatt (79 PS) stecken unter der Motorhaube, in 15 Sekunden beschleunigt es von 0 auf 100 Stundenkilometer. Dass es sich bei dem "E3" um eine Innovation handelt, soll auch das Design deutlich unterstreichen. Geschwungene Lichtbänder an Front und Heck muten futuristisch an. Die zum Teil durchsichtige Motorhaube ermöglicht einen Blick auf Batterie und Ladestand. Ungewöhnlich sei vor allem das Fahrverhalten, erläutert Schirmbeck. "Ein Elektromotor beschleunigt anders als ein Verbrennungsmotor - viel gleichmäßiger."

"Es gibt noch viel zu lernen"

Elektroautos entwickeln seit einiger Zeit viele Hersteller. EWE ist nach eigenen Angaben aber der erste Energieversorger, der sich damit beschäftigt. Das Unternehmen will mit dem "E3" erforschen, wie sich Elektroautos ins Stromnetz einbinden lassen. "Es gibt noch viel zu lernen", sagte der Leiter der Forschung und Entwicklung, Jörg Hermsmeier. Seine Vision sieht vor, die Batterie in Zukunft als flexible Stromspeicher zu verwenden. Elektroautos könnten nachts aufgeladen werden, wenn es ein Überangebot an Strom gebe. Tagsüber könnten abgestellte E-Autos wiederum Strom ins Netz einspeisen.

Karmann wird für EWE zunächst acht bis zehn Elektroautos produzieren, die Mitarbeiter und Kunden testen sollen. Außerdem denkt der Konzern nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Werner Brinker darüber nach, eine Flotte von 100 bis 200 Autos zu bestellen. Dem Autozulieferer, der im Frühjahr Insolvenz angemeldet hatte, könnte das eine neue Zukunftsperspektive eröffnen. In den nächsten zwei Jahren müssten Grundsatzfragen geklärt werden, sagte Sprecher Christian Eick. "Es reicht nicht, ein bestehendes Auto zu nehmen und den Motor einfach durch eine Batterie zu ersetzen." 2012 könnte dann voraussichtlich die Serienproduktion beginnen.

Zwischen 35 000 und 40 000 Euro angepeilt

Bis 2020 sollen nach Plänen der Bundesregierung eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Aus dem Konjunkturpaket II stellt sie deshalb für die Erforschung der Technologie 500 Mill. Euro zur Verfügung. Außerdem denkt das Bundesumweltministerium über finanzielle Anreize für Käufer von E-Fahrzeugen nach. Dennoch ist die Autobranche skeptisch. Nach einer VW-Prognose erreichen reine Elektroautos im Jahr 2020 nur einen Marktanteil von 1,5 Prozent. Als großes Hindernis sehen Kenner die hohen Kosten für die Batterie und die vergleichsweise geringe Reichweite der Wagen.

Auch der "E3" ist für den normalen Verbraucher zurzeit kaum bezahlbar. Langfristig solle der Verkaufspreis zwischen 35 000 und 40 000 Euro liegen, sagte Brinker. Wie hoch die Entwicklungskosten waren, wollte er jedoch nicht sagen.

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