Kaufanreize
Opel plant neue Rabatt-Attacke

Auf dem hart umkämpften deutschen Automarkt bahnt sich eine neue Runde im Preiskampf an. Kurz vor dem Auslaufen der jüngsten Nachlass-Kampagne bereitet der Massenhersteller Opel nach Handelsblatt-Informationen bereits die nächsten Rabattaktionen vor.

RÜSSELSHEIM. „Wir prüfen derzeit, welche Maßnahmen wir starten“, sagte Opel-Vertriebschef Alain Visser dem Handelsblatt vor Beginn des Pariser Autosalon, der heute für das Fachpublikum seine Pforten öffnet. Die Rabattsituation werde sich bis Anfang 2007 noch verschärfen, glauben die Analysten von Dresdner Kleinwort. Für die Ergebnisse der großen Massenhersteller sind das schlechte Nachrichten. „Die Ertragsaussichten im deutschen Autogeschäft sind bis auf weiteres schlecht“, lautet das Fazit von Ferdinand Dudenhöffer, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts B&D Forecast.

Wegen der Mehrwertsteuererhöhung werden laut Branchenverband Kunden in den nächsten Monaten ihren Autokauf vorziehen. Damit verkauft die Branche vermutlich 50 000 bis 70 000 Fahrzeuge mehr. Um das Loch danach zu füllen, werden die Händler in den ersten drei Monaten 2007 mit einer neuen Rabattwelle reagieren, schätzen Experten. „2007 wird die Mehrwertsteuererhöhung den Automarkt ausbremsen“, sagte Analyst Hans-Joachim Frank von der Deutschen Bank. „Dann wird es mit den Rabatten verstärkt weitergehen.“

Bereits im Sommer machten Experten neue Höchststände bei den angebotenen Kaufanreizen aus. Durchschnittlich seien Ende Juli und im August diesen Jahres Rabatte von 17 Prozent gewährt worden, sagte Dudenhöffer. Die Unterschiede zum umkämpften US-Automarkt schwinden damit zusehends. Allein die noch bis Ende September laufende Aktion, Käufern die Mehrwertsteuer von 16 Prozent zu erstatten, kostet Opel laut Visser deutlich mehr als die 70 Mill. Euro, die Experten geschätzt hatten. VW gibt laut Schätzungen für seine aktuelle Verkaufsförderung sogar 140 Mill. Euro aus.

Analysten sorgen sich zunehmend, dass die angestachelte Rabattschlacht die flauen Renditen weiter ruinieren könnte. Bereits heute verdient kaum einer der großen europäischen Massenhersteller noch richtig Geld mit seinen Volumenmarken. Die Traditionsmarke VW, Kern des Volkswagen-Konzerns, war 2005 nur knapp an roten Zahlen vorbeigeschrammt. Auch Opel, dessen Ergebnis vom Mutterkonzern General Motors nicht mehr ausgewiesen wird, schlingerte laut Unternehmenskreisen lediglich um die Nulllinie herum. GM Europa plant jedoch in diesem Jahr einen Gewinn ein.

Für Opel wird damit der neue Kleinwagen Corsa, der im Oktober an den Start geht, zum wichtigsten Hoffnungsträger. Der VW-Polo-Konkurrent, der ebenso wie der kommende Geländewagen Opel Antara sowie der Sportwagen GT von der laufenden Rabattaktion ausgenommen ist, soll mit einem Absatzanteil von über 20 Prozent zur zweitwichtigsten Säule nach dem Opel-Kompaktwagen Astra werden, sagte Visser. Opel braucht den Schub des neuen Modells. Die Verkaufszahlen des Golf-Rivalen Astra, dem wichtigsten Opel-Modell, gingen laut Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland bis August um 23,5 Prozent zurück. Mit dem neuen Corsa will Opel wieder unter die Top drei der Klasse aufsteigen. „Noch in diesem Jahr wollen wir 75 000 Corsa verkaufen, im kommenden Jahr sollen es 375 000 sein“, sagte Visser.

Trotz eines niedrigeren Einstiegspreises werde der Corsa eine identische Rendite wie sein Vorgängers abwerfen, sagte Visser. Große Sprünge erwartet er vom deutschen Markt allerdings nicht. Für das Gesamtjahr 2006 rechnet Visser bestenfalls mit stagnierenden Verkäufen: „Zehn Prozent Marktanteil ist das, was Opel in Deutschland schaffen muss“, sagte er. Erst nächstes Jahr könne Opel mit neuen Produkten wie dem Corsa wieder leicht beim Marktanteil wachsen.

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