Keine grobe Fahrlässigkeit
Sekundenschlaf führt nicht zum Entzug des Versicherungsschutzes

Wegen eines kurzen Einnickens am Steuer darf die Versicherung einem Autofahrer nicht automatisch den Versicherungsschutz verweigern. Darauf macht die Deutsche Anwaltauskunft mit Verweis auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle aufmerksam.

HB BERLIN. Im vorliegenden Fall hatte ein Mann nach einer elfstündigen Schicht die Heimfahrt angetreten. Aus ungeklärten Gründen gelangte er auf die Gegenfahrbahn und verursachte einen Unfall. Die Versicherung machte geltend, vermutliche Unfallursache sei Sekundenschlaf wegen Übermüdung gewesen. Da der Kläger sonst nur neun Stunden gearbeitet habe, hätte ihm die erhöhte Gefahr bewusst sein müssen. Sie verweigerte den Versicherungsschutz.

Die Richter teilten diese Auffassung nicht. Die Versicherung habe nicht nachweisen können, dass der Kläger seine Fahruntauglichkeit erkannt habe oder hätte erkennen können. Nach Auffassung des Gerichts liege hier auch keine grobe Fahrlässigkeit vor, da der Betroffene nicht mit dem Sekundenschlaf rechnen musste, weil er sich weder müde fühlte noch sonst ein Grund für eine Fahruntüchtigkeit zu vermuten war.

(Aktenzeichen: OLG Celle vom 13. September 2005 8 U 82/04)

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