Kfz
Versicherer locken mit Spartarifen

Angesichts von Rekordpreisen an der Zapfsäule und der Diskussion um die Pendlerpauschale sind Autofahrer derzeit für jede Sparmöglichkeit dankbar. Mancher entdeckt dabei die Kfz-Versicherung als Einsparpotenzial.

dpa/gms HAMBURG. Die Anbieter liefern sich schon seit Monaten einen heftigen Preiskampf.Der 30. November ist jedes Jahr der Stichtag, bis zu dem sich die Versicherung regulär wechseln lässt. Dennoch sollten Versicherte nichts überstürzen - die Angebote unterscheiden sich im Preis und bei den Leistungen.

„Ein Vergleich lohnt sich in jedem Fall“, sagt Lilo Blunck vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg. Manche Versicherung verlange 400 Euro, eine andere 800 Euro jährlich für den gleichen Fahrzeugtyp und das gleiche Fahrerprofil. Grund für die großen Unterschiede ist der Wettbewerb in der Versicherungsbranche: Immer mehr Anbieter gehen dazu über, mehrere Tarife anzubieten, berichtet die Stiftung Warentest in Berlin in ihrer Zeitschrift „Finanztest“.

Neben einem Basis- oder Kompakttarif gibt es oft eine Komfort- oder Premium-Variante. Manche Gesellschaften wenden sich auch bestimmten Zielgruppen zu, haben die „Finanztest“-Experten bei einem Vergleich von 106 Tarifen ermittelt. Frauen beispielsweise werden bisweilen mit günstigen Angeboten umworben - oder junge Fahrer zahlen weniger, wenn sie keine Punkte in Flensburg haben.

Der Wechsel von der Premium- auf die Billigspur zahlt sich jedoch nicht immer aus: „Man muss sehr genau die Bedingungen durchlesen“, mahnt Blunck. Bei den Billigtarifen der Kfz-Haftpflicht sei zum Beispiel die Deckungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden manchmal zu niedrig. „100 Mill. Euro sollten es schon sein“. Auch schließen die Versicherer - anders als bei den teureren Tarifen - oft Fälle von „grober Fahrlässigkeit“ von der Haftung aus. Schließlich sollten Versicherungsnehmer darauf achten, ob das Fahrzeug auch vom Ehepartner, den Kindern oder anderen Personen gefahren werden darf.

Bei der Kaskoversicherung könne es ebenfalls Unterschiede in der Leistung geben, sagt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Wichtig seien Fragen wie „Gilt sie auch für Teile, die ich nachträglich angebracht habe?“ oder „Gibt es Ersatz für die teure Musikanlage?“ Bisweilen komme es auf Kleinigkeiten an: „Wenn ich in einem Gebiet mit vielen Mardern lebe, sollte in der Kaskoversicherung natürlich der Marderbiss enthalten sein.“

Viele Menschen riskierten auch Ärger mit der Versicherung, indem sie sich falsch versichern, so Wortberg. Wer angebe, dass das Auto immer in der Garage parkt, stehe dumm da, wenn es „vor dem Haus unter der Laterne weg“ gestohlen wird. Auch wenn als Jahresfahrleistung nur 10 000 Kilometer angegeben werden, aber deutlich mehr gefahren wird, könne es teuer werden, wenn die Versicherung dies etwa nach einem Unfall merkt. „Da müssen dann rückwirkend die höheren Prämien und eine Strafgebühr gezahlt werden.“

Die „Billigheimer“ unter den Kfz-Versicherern sind den Experten zufolge auch deshalb so günstig, weil sie auf Service verzichten und zum Beispiel online Verträge abschließen. Lilo Blunck vom Bund der Versicherten sieht das nicht als Problem: „Der Service wird oft überbewertet.“ Für den Abschluss sei nicht unbedingt ein Vertreter vor Ort nötig. Verbraucherschützer Wortberg sieht die Sache etwas anders: „Es ist schon ein Unterschied, ob ich in einem komplizierten Schadensfall von der Versicherung gut betreut werde.“

Doch bei vielen Kunden spielt offenbar die Gewohnheit die größte Rolle: Rund 45 Prozent der Befragten wechseln nie den Autoversicherer, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes TNS Infratest in Bielefeld ergab. Weitere 16 Prozent wechseln seltener als alle vier Jahre, zehn Prozent alle zwei bis vier Jahre, heißt es in der vom der Gothaer Versicherung in Auftrag gegebenen Befragung. Bei einem neuen Auto allerdings wechseln 26 Prozent auch die Versicherung - der Umstieg auf ein anderes Fahrzeug ermöglicht dabei ebenso wie eine Prämienerhöhung ein Sonderkündigungsrecht.

Wer sich zum Wechsel entschließt, muss laut Wortberg grundsätzlich zwei Fußangeln beachten: „Kündigen Sie erst dann, wenn eine andere Gesellschaft bestätigt hat, dass sie Sie aufnehmen will.“ Außerdem müsse der Versicherte die Doppelkarte oft selbst zur Zulassungsstelle bringen - das erledige nicht automatisch der neue Versicherer. „Sonst können Sie schnell ohne Versicherungsschutz dastehen.“

Als Fazit rät Wortberg: „Alle, die schon seit vielen Jahren fahren und mit ihrer Gesellschaft zufrieden sind, sollten nicht für ein paar Euro noch schnell wechseln.“ Wer jedoch jünger ist und noch nicht so lange fährt, sollte einen Wechsel durchaus in Betracht ziehen.

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