Kinderprogramm auf der Fahrt in den Urlaub
Fahrt in den Urlaub als Bewährungsprobe für die Familie

dpa/gms KöLN. Bevor sich deutsche Autourlauber unter südlicher Sonne erholen können, stehen ihnen mitunter Strapazen bevor. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Reifenherstellers Goodyear in Köln.

Demnach sind die Ferienfahrer im Durchschnitt sieben Stunden unterwegs, bevor sie am Ziel die Seele baumeln lassen können. Mehr als jeder fünfte Autourlauber hat sich und seinen Mitreisenden sogar schon eine Anreise von 16 und mehr Stunden zugemutet. „Für Kinder werden solche Fahrten schnell von der Geduldsprobe zu einem echten Leidensweg“, mahnt das Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf (CRM).

„An- und Abreise mit dem Auto sind nicht immer das reinste Vergnügen, sondern stellen häufig eine erhebliche Belastung für die ganze Familie dar“, sagt Prof. Erich Kröger, Ärztlicher Leiter des CRM. Mit guter Planung, ein paar Kompromissen und dem richtigen Unterhaltungsprogramm stehen allerdings auch kleine Fahrgäste große Reisen durch. Dann fährt die ganze Familie in Ruhe bis Rimini.

„Weil Kinder empfindlicher sind bei Hitze, Kälte, Sonneneinstrahlung und Flüssigkeitsverlust, sind sie bei langen Fahrt- oder Wartezeiten nicht so belastbar und viel ungeduldiger als Erwachsene“, warnt Kröger. Er empfiehlt deshalb, Fahrten von mehr als fünf Stunden zu vermeiden. Außerdem sollte mindestens alle zwei Stunden eine Pause gemacht werden. „Und zwar nicht wieder irgendwo im Sitzen, sondern auf dem Spielplatz.“

Darüber hinaus rät der Mediziner, dass man seine Kinder nach dem Zwiebelprinzip in mehreren Schichten anzieht. „So kann man erst den Pulli und dann vielleicht auch noch das Hemd ausziehen und im T-Shirt die Hitze besser überstehen.“ Außerdem gehören eine zweite Garnitur Kleidung, die Kuscheldecke und das wichtigste Schmusetier in Reichweite, so der CRM-Experte weiter.

Auch die Automobilindustrie leistet ihren Beitrag, um Kindern auf der Fahrt in die Ferien die Zeit zu vertreiben. Deshalb gibt es in vielen Fahrzeugen mittlerweile nicht nur kleine Klapptische an den Rücklehnen der Vordersitze, sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenvereinigung KÜS in Losheim am See (Saarland). Sondern immer häufiger werden schon ab Werk oder als Nachrüstlösung auch DVD-Player mit Monitoren am Dachhimmel oder in den vorderen Kopfstützen integriert.

„Und falls Dschungelbuch oder Pretty Woman nicht helfen, können an die meisten dieser Systeme auch noch Spielekonsolen angeschlossen werden“, erläutert Marmit. Weil es dazu in der Regel auch noch eigene Kopfhörer und eine zweigeteilte Audio-Anlage gibt, ist für einen Ausgleich der Interessen gesorgt: Während die Eltern ungestört den Nachrichten folgen, tobt im Fond die Dschungelparade.

Allerdings sind solche Systeme nicht billig: Mercedes etwa verlangt für das Fond-Entertainment-System in der R-Klasse je nach Ausführung zwischen 1 328 und 3 016 Euro. Im Ford Galaxy schlägt das Multimediapaket mit 2 460 Euro zu Buche. Auch Nachrüstlösungen, die komplett mit DVD-Player und Monitor an die Decke geschraubt werden, haben ihren Preis: Bei VDO Dayton beginnen die Preise dafür laut Pressesprecherin Eva Appold bei 899 Euro. Blaupunkt führt solche Lösungen für 1 199 Euro in der Liste. „Deshalb kann ein tragbarer DVD-Player, der an verregneten Tagen auch noch in der Ferienwohnung die Laune aufbessert, manchmal die klügere Wahl sein“, sagt Marmit. „Und vielleicht tut es sogar ein neues Hörbuch.“

Weit verbreitet ist Reiseübelkeit, die dem CRM zufolge vor allem auf eine Störung des Gleichgewichtsorgans zurückzuführen ist. Drohende Übelkeit erkennt man nach Angaben der Mediziner an häufigem Gähnen, Blässe, Speichelfluss und Schweißausbrüchen. „Wenn Sie das auf dem Rücksitz sehen, sollten sie am besten sofort anhalten, mit ihren Kindern frische Luft schnappen und sich etwas bewegen“, raten die Mediziner. Allerdings kann diesem Problem schon vor der Abreise vorgebeugt werden - zum Beispiel mit einem leichten Imbiss.

„Ganz wichtig ist auch die Sitzposition“, so Ergonomie-Experte Martin Buelhoff von Ford in Köln. „Die vielen schnellen Bilder, die während der Fahrt vorbeiziehen und die Bewegungen, die durch Kurven, unebene Fahrbahnen oder unruhige Fahrweise entstehen, bringen das Gleichgewichtsorgan durcheinander und sorgen für Übelkeit“, heißt es vom CRM. „Deshalb muss man Kinder so platzieren, dass sie immer den Horizont im Auge haben und so ihr Blickfeld wieder beruhigen können“, erklärt Buelhoff.

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