Klassische Autos als Anlage-Alternative
Alter Chrom weckt neue Kauflust

Heute öffnet mit der Techno Classica die weltgrößte Oldtimer-Messe ihre Pforten. 2500 Sammlerstücke locken nach Essen – und zum Kauf. Die Preise sind bereits auf Spitzenniveau. Experten raten dennoch zum Einstieg.
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DüsseldorfWenn Frank Wilke aus seinem Bürofenster schaut, blickt er auf einen der größten Schrottplätze Deutschlands. Der Geschäftsführer des Oldtimer-Bewertungsunternehmens Classic Analytics beschäftigt sich aber nicht mit den bedauernswerten Wracks, die hier ausgeschlachtet werden, sondern mit dem genauen Gegenteil.

Wilke sammelt mit seinem Team rund um den Globus Auktions- und Verkaufspreise von meist wertvollen Classic Cars aus aller Herren Länder. Gepaart mit Zustandsbeschreibungen, Fotos und einer Benotung warten und vermehren sich diese Informationen in einer ziemlich einzigartigen Datenbank, die Classic Analytics Sachverständigen, Werkstätten, Zeitschriften und Verbänden zur Verfügung stellt. 4.000 davon stehen auch online kostenlos zur Ansicht bereit. Mehr als 30.000 Modelle finden sich in dem Datenbestand, der permanent aktualisiert wird. Nach fünf Zustandsnoten unterteilt, die für „so gut wie neu“ bis „kaum noch zu retten“ stehen, halten die Bochumer Preise parat.

Rund um die Dieselstraße, wo die im vergangenen Jahr vom US-Oldtimer-Versicherer Hagerty übernommene Firma Classic Analytics sitzt, erstreckt sich der nicht unbedingt pittoresk zu nennende Bochumer Stadtteil Gerthe. Und hier, inmitten von mehr als einem Dutzend Autoverwertern mit ihrem hoch gestapelten Alteisen, sieht Wilke jeden Tag Autos, die es nicht geschafft haben. Die kein H-Kennzeichen bekommen haben, und denen der Oldtimer-Olymp auf ewig verwehrt bleibt.

Heruntergekommene Subaru Outbacks etwa, die Youngtimer-Fans noch nicht zum Kult ausgerufen haben, oder Golf II, von denen es viel zu viele gibt, als dass sie jemals „Garagengold“ werden könnten, wie Oldtimer-Sammler im Wert steigendes Blech gerne nennen.

Blutet Wilke nicht das Herz, wenn er sieht, was in dieser Nachbarschaft zu Blechquadern verpresst wird, bevor es in Schmelzöfen wandert? Der Oldtimer-Experte, der privat einen Youngtimer fährt, gibt sich diplomatisch: „Wir werden die Geschichte des Automobils auch verstehen, ohne den letzten Mazda 323 zu retten.“ Und ergänzt: „Nicht alles, was alt ist, muss gleich erhaltenswert sein.“

Draußen auf deutschen Straßen zeigt der Trend in eine etwas andere Richtung: 2012 und 2013 stiegen die Durchschnittspreise für Oldtimer schon wieder. Erst um vier, dann sogar um acht Prozent. Sie kennen seit vielen Jahren sowieso nur eine Richtung: steil nach oben.

Parallel dazu bewegen sich die Zulassungszahlen. Nie war die Zahl verkehrstauglicher Oldtimer größer, sie betrug 2013 laut VDA rund 600.000, 450.000 sind angemeldet. Youngtimer sind sogar mehr als vier Millionen unterwegs.

Zwischen Liebhaber-Schätzchen und echten Chromjuwelen

Und dieser Markt ist zweigeteilt. Auf der einen Seite gibt es die echten „Chromjuwelen“, die raren und extrem teuren Oldtimer, die auf internationalen Auktionen für spektakuläre Höchstgebote sorgen. Sie sind Objekte der Begierde für eine ständig steigende Zahl von Anlegern, die eine Investmentalternative zu Aktien, Münzen, seltenen Weinen oder Briefmarken suchen.

Wie der britische Straßensportler McLaren F1 von 1997, der 2013 für 8,47 Millionen Dollar einen neuen Besitzer fand. Und mit diesem Preis ist der flotte Flügeltürer nur auf Platz 7 in der Top Ten der Teuersten gelandet. Die zehn teuersten Fahrzeuge, so hat Classic Analystics für den Verband der Automobilindustrie (VDA) errechnet, brachten es zusammen auf 122 Millionen Dollar (siehe Bilderstrecke).

Die spektakulären Millionenwerte der High-End-Oldtimer zeigen zwar, welche extremen Summen finanzstarke Sammler mittlerweile für wirklich außergewöhnliche Exemplare zahlen. Zum Beispiel auch am Samstag auf der Techno Classica in Essen, wenn das Auktionshaus Coy´s Pretiosen zum Hammerpreis ausruft. „Millionen-Summen sind aber die Ausnahme, nicht die Regel“, sagt Frank Wilke. Der Durchschnittswert eines Oldtimers beträgt in Deutschland rund 15.000 Euro, - und den meisten Besitzern ist der Spaß an ihrem Auto ohnehin viel wichtiger als sein Wert.“

Anders ausgedrückt: Mit Autos im unteren Preisbereich lässt sich kaum spekulieren, denn Wartung, Reparaturen, Unterbringung, Zubehör, Ersatzteile und Verschleißteile zehren die Rendite auf.

Die Kosten des Hobbies wieder hereinfahren

Eine Erfahrung, die auch Oldtimer-Experte Wilke gesammelt hat: Er hatte sich einst in einen Rolls Royce Silver Shadow verguckt, diesen jahrelang gefahren, gehegt, gepflegt und genossen. Doch am Ende der Beziehung, sprich beim Verkauf, nach zahlreichen Reparaturen, war der Wagen ein Zuschussgeschäft. Als Rendite hatte selbst der Fachmann mit mehr als 30-jähriger Erfahrung im Oldie-Business nur den Fahrspaß vorzuweisen.

„Ein ganz klassischer Fehler“, sagt Wilke. „Wenn man sich in ein Auto verliebt, wird aus Rost Patina, Beulen übersieht man, ein schwaches Fahrwerk wird zur liebenswerten Eigenart. Dann redet man sich auch Gammel schön.“ Geheilt hat ihn diese Erfahrung nicht wirklich, der Rolls wurde abgelöst durch einen Bentley Turbo R, Baujahr 1992.

An dem 330 PS starken Schiff mit feinster Lederausstattung fasziniert ihn die Souveränität des Motors, aber auch die Geschichte des Unternehmens. Wenn die Substanz stimmt und alles gut geht, kann man mit einem solchen Fahrzeug zumindest die Selbstfinanzierung des Hobbys Oldtimer hinbekommen.

„Das sind ja keine historischen Gemälde, die einfach an der Wand hängen,“ sagt Wilke. Wenn man Garagenkosten, Wartung, Versicherung und Benzin über eine Wertsteigerung wieder „hereinfahren“ könne, dann habe man in den unteren Oldtimer-Preisklassen schon viel erreicht.

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  • Wie wahr das alles ist.
    Man muss nicht alles als Renditeobjekt sehen, man kann auch einfach mal Spaß haben. Und eine Wertsteigerung bringt auch nur etwas, wenn man sich irgendwann von dem Schätzchen wieder trennt. Bis dahin kostet ein altes Auto nicht wenig Geld.

  • "Diejenigen, die mit den Oldies spekulieren wollen, habe ich sowas von gefressen", und sie werden niemals das Gefühl von Glück empfinden. Es gibt doch nichts Schöneres und Sinnvolleres als seiner Leidenschaft zu frönen. Wenn nach auch noch der (nachhaltige) Wert der Objekte steigt, um so besser.

  • Den letzten Satz kann ich unterschreiben und dreimal unterstreichen - hat einen das Oldiefieber erstmal gepackt, läßt es einen nicht mehr los. Und wer auch nur die Chance einer Unterstellmöglichkeit hat, hat genau so viele Old- oder Youngtimer, wie da reinpassen. Zur Not zieht das Alltagsauto auf die Straße unter die Laterne. Aber es gibt- für mich - kein vorstellbares Hobby, bei dem ich Alltagsnutzen, technisches Lernen, praktisches Tun auf so erquickende Art und Weise verbinden kann, als mit diesen mittelalten Autos. Ganz abgesehen von den vielen Bekanntschaften, die man über dieses Interesse gewinnt. Man kann einen noch so einen dollen neuen Porsche Pfeffer fahren - niemals wird man auf dem Supermarkt-Parkplatz wegen dieses Autos angesprochen werden. Mit einem Oldie ist das an der Tagesordnung. Aber wegen irgend einer fiktiven Rendite würde ich niemals einen Oldie kaufen. Diejenigen, die mit den Oldies spekulieren wollen, habe ich sowas von gefressen - sie verderben die Preise und deshalb wünsche ich denen, daß sie sich mit ihrem Spekulationserwerb so richtig in die Nesseln setzen.

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