Kleinkind verursacht Verkehrsunfall
Eltern haften nicht in jedem Fall

„Eltern haften für ihre Kinder“, heißt es oft. Eltern müssten ihrer Aufsichtspflicht nachkommen. Passiert was, haben sie ihre Pflicht verletzt. Stimmt so nicht unbedingt. Verursacht ein Kleinkind zum Beispiel einen Verkehrsunfall, dann gelten andere Regeln.

HB KÖLN. Reißt sich ein Klein- oder Kleinstkind plötzlich von der Hand seiner Aufsichtsperson los und verursacht einen Verkehrsunfall, indem es auf die Straße läuft, dann sind die daraus folgenden Schäden dem allgemeinen Lebensrisiko zuzuordnen. Unfallgegner haben in der Regel das Nachsehen. Das zeigt ein Urteil des Landgerichtes Köln zeigt, wie das Internet-Portal „Anwalt-Suchservice“ berichtet.

Ein Mann war mit seinem Sohn auf einem Gehweg unterwegs, als der Zweijährige sich plötzlich von der Hand des Vaters losriss und nach links über den Parkstreifen auf die Straße lief. Ein sich nähernder Pkw schaffte es nicht mehr, rechtzeitig abzubremsen. Er erfasste den Jungen samt Vater, der noch versucht hatte, sich zwischen Auto und Kind zu werfen. Beide wurden schwer verletzt. Später forderte der Fahrer des Wagens von dem Vater Schadensersatz für die Beulen an seinem Pkw. Der Vater habe seine Aufsichtspflicht verletzt, indem er weder ein Losreißen seines Sohnes verhindert habe noch in der Lage gewesen sei, das Kind vor Erreichen der Fahrbahn wieder einzuholen, so der Unfallgegner. Der Fall landete vor Gericht.

Das Landgericht Köln wies die Klage des Autofahrers ab (Urteil v. 6.6.2007 – 9 S 15/07). Der Vater habe seine Aufsichtspflicht nicht verletzt, so das Urteil. Selbst bei Kindern zwischen zwei und drei Jahren sei es nicht zwingend erforderlich, diese ständig an der Hand zu halten, solange sie sich neben der Aufsichtsperson auf dem sicheren Gehweg bewegten. Es reiche aus, wenn der Aufpasser jederzeit kontrollierend eingreifen könne, so das Gericht. Da der Mann im vorliegenden Fall sein Kind sogar an der Hand gehalten habe, sei nicht erkennbar, welche Kontrollmaßnahme er noch hätte treffen sollen.

Dass ein Kind sich von der Hand einer Aufsichtsperson losreiße, sei mit zumutbaren Mitteln nicht zu verhindern, so die Richter. Somit sei der tragische Unfall auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen und der Schaden am Fahrzeug dem allgemeinen Lebensrisiko zuzuordnen. Die Ansicht des Pkw-Fahrers, der Vater habe seine Aufsichtspflicht verletzt, weil er seinen Sohn nicht habe einholen können, empfinde das Gericht angesichts der schweren Verletzungen des Kindes als "geschmacklos".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%