Kommentar
S-Klasse in Häppchen

Wie oft kann man uns ein neues Auto als neu verkaufen? Die PR-Strategen von VW und Daimler finden: Sechs bis sieben Mal, wenn es um wichtige Modelle geht. Willkommen in der wunderbaren Welt der PR.
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Wie oft kann man ein neues Auto als neu verkaufen? Die schlichte Frage ist von jedem Autoverkäufer und -käufer leicht zu beantworten: Einmal, dann ist es gebraucht. Nicht so in der wunderbaren Welt des Marketing und der PR. Da haben Golf und S-Klasse mehr gemeinsam, als man zunächst glaubt.

Da werden uns Journalisten und Ihnen als Leser / Verbraucher Autos über Monate hinweg als Neuheit angepriesen. So geschehen unlängst beim Golf der siebten Generation, und so auch bei der neuen S-Klasse von Mercedes-Benz. Die Neuheiten werden Häppchenweise ausgereicht, in leicht verdaulicher Form.

Mal gibt es erste Einblicke nur in den Innenraum, mit ganz wenigen Fotos. Anschließend einige Tage PR-Pause. Dann wird mal wieder etwas über die sensationellen Leichtbau-Fortschritte bei den Bemühungen um Gewichtsminderung und Verbrauchsreduzierung veröffentlicht. Wieder Pause.

Irgendwann werden dann sogar einige handverlesene Journalistenkollegen zur Werksbesichtigung eingeladen, ihre Fotohandys müssen sie abgeben, und noch vor dem Mittagessen eine Verschwiegenheitserklärung mit Sperrfristklausel unterzeichnen. Zu sehen bekommen Sie ein Produktionsband und eine Rohkarosse. Gemeldet wird natürlich aber auch das, und zwar genau so, wie der Hersteller es Monate vorher bereits geplant hat, zu genau dem Zeitpunkt, wenn die gut geölte Marketing-Maschinerie es für nötig befindet.

Und dabei will ich hier den deutschen Autoherstellern gar nichts Böses. Sie tun es, dieses Zerlegen der Neuheit in Scheibchen, weil sie es können. Weil wir Journalisten und Sie als Leser es klaglos und unkritisch mitmachen. Zu sehen gibt es das ganze, fertige Auto für die Öffentlichkeit aber erst Wochen später, auch das ist bereits Monate vorher jedem an dem Spiel Beteiligten klar. Wer profitiert in der Zwischenzeit?

Die Hersteller und die Medien. Der Autobauer bekommt für seine „Nachricht“ redaktionellen Raum, den er schon nicht als Anzeige buchen muss. Das Medium bekommt die Aufmerksamkeit der Leser, die sich auf das News-Häppchen stürzen. Es muss ja was Wichtiges sein, denken Sie, wenn es schon veröffentlicht wird.

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