Kommentar zu verschärften Umweltzonen: Heiße Luft um feinen Staub

Kommentar zu verschärften Umweltzonen
Heiße Luft um feinen Staub

Da wiehert der Amtsschimmel: Neue und schärfere Regelungen bei Umweltzonen ab Januar 2012 kosten viel und bringen wenig.
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DüsseldorfWelchen Namen soll das Kind bekommen: Aktionismus, Schikane oder gar Posse? Pünktlich zu Neujahr und viel zu früh für Ostern haben viele bundesdeutschen Gemeinden ihren Auto fahrenden Bürgern und Besuchern wieder ein ganz dickes Ei ins Nest gelegt: nämlich sechs gänzlich neue Umweltzonen und eine Verschärfung der bereits bestehenden auf breiter Front.

Ergebnis der bisherigen Regelungen für die Luftreinhaltung bestehender Umweltzonen: Null. Die Feinstaubkonzentrationen in den Innenstädten haben sich so gut wie nicht verändert, wie der ADAC jüngst berichtet hat.

Wen wundert´s? Sind doch laut dem Autoclub Abgase älterer Pkw gerade einmal zu neun Prozent für die Feinstaubkonzentrationen verantwortlich, noch einmal sieben Prozent gehen auf das Konto von Brems- und Reifenabrieb, die ein Benziner mit G-Kat aber genauso erzeugt.

Darüber hinaus haben Analysen ergeben, dass nur ein knappes Drittel der Feinstäube vor Ort entsteht, die Partikel aber durch Wind und Wetter bis zu mehrere hundert Kilometer verweht werden.

Andere Länder haben längst von den sinnlosen Regelungen abgelassen, in Deutschland hingegen glaubt man nach wie vor an die Wirksamkeit, oder gibt es zumindest vor.

Viele der betroffenen Autofahrer müssen ihr Vehikel für teures Geld mit Partikelfiltern nachrüsten, falls möglich. Für unzählige Fahrzeuge jedoch gibt es keine Nachrüstsätze. Deren Halter werden ihres Fahrzeugs faktisch enteignet, zumindest dann, wenn sie in einer der Umweltzonen arbeiten oder wohnen.

Ob es ein künstliches Generieren von Produktabsätzen für die Autoindustrie ist oder ein Aktionismus, der durch die Furcht vor Strafzahlungen an die EU wegen Verstößen gegen entsprechende Regelungen ist, sei dahingestellt. Die öffentliche Hand wäre besser beraten, durchdachte Verkehrskonzepte und einen attraktiveren und preisgünstigen öffentlichen Nahverkehr zu schaffen, um die Luftbelastung zu reduzieren.

Der Weg der Ausgrenzung von Fahrzeugen, deren Halter ohnehin nicht zu den finanzstärksten gehören, ist ein Irrweg, der die Gemeinden mit hohen Verwaltungskosten belastet und fragliche Effekte zeigt.

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  • Ich hatte vor heute meine Einkäufe in der Kreisstadt zu machen, unter anderem eine Garnitur Kleidung sowie Möbel.
    Nachdem ich mit meiner gelben Plakette nicht mehr hineindurfte, habe ich mein Geld im Umland ausgegeben.
    Sollen die Städte ruhig auf die Einnahmen verzichten.
    Diesen Wahnsinn gibt es nur in Deutschland, leider sind fast alle Parteien dabei den Bürger abzuzocken. Ich hoffe bei der Wahl werden die etablierten Parteien abgestraft!

  • Heiße Luft um feinen Staub
    Welchen Namen soll das Kind bekommen: Aktionismus, Schikane oder gar Posse?
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    All diese Namen sind noch viel zu schmeichelhaft.
    Es ist langsam pure "Idiotie".
    Was immer auch aus diesen Amtsstuben kommt, egal welches EI gelegt wird, mich überrascht gar nichts mehr.
    Man härtet ab.
    Schlimm ist , dass gerade Handwerker fahren müssen, auch in die Städte zur Arbeit. Wie sollen sie Reparaturen ausführen, wenn sie nicht zum Kunden kommen - mit ihrer mobilen Werkstatt. Oder haben sie schon mal einen Schreiner- oder Instalateur gesehen, der mit dem Fahrrad kommt, den Werkzeugkasten - am Buckel?
    Vorschlag: keiner nimmt mehr Aufträge von diesen Politikern an- den Amtsschimmeln, die diesen Schwachsinn anordnen. Sollen die doch ihr Clo- ihre Wasserleitung selber reparieren.
    Arbeitsverweigerung, das hilft. ode rsie holen dem Handwerker mit dem Dienstwagen ab. Diese Schwachomatten, die zerstörten noch den Rest an funktionierendem Gewerbe.

  • Parallel zur Überschuldung der meisten Behörden trotz einer wachsenden Staatsquote von mehr als 50 Prozent rückt der Tag immer näher, an dem solche Schildbürgerstreiche wegen Unfinanzierbarkeit eingestellt werden. Dann ist eine einzige Steuer opportun, die sich irgendwann 10 Prozent nähert und ein Staat, der sich auf seine hoheitlichen Aufgaben besinnt.

    Hans Kolpak
    Deutsche ZivilGesellschaft

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