Kompakte Kraftpakete
Das große Aufrüsten

Die Spitzenmodelle in der Kompaktklasse werden immer leistungsstärker. Längst ist die 300-PS-Schallmauer nicht nur bei den Premium-Marken durchbrochen. Warum die Leistung derart explodiert? Weil es geht.
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DüsseldorfAlle sprechen von Elektromobilität und Plug-in-Hybriden. Während sich Fahrzeuge mit diesen Antrieben aber noch nur in homöopathischen Dosen verkaufen, gehen die Leistungen der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auch dank zunehmender Turbo- und Kompressor-Unterstützung immer weiter nach oben.

In der in Deutschland immer noch meistverkauften Fahrzeugklasse, den Kompaktwagen, explodiert die Leistung vor allem bei den Spitzenmodellen geradezu. Besonders sportliche Varianten bringen es mittlerweile locker auf 300 PS und mehr - vor wenigen Jahren war das nur für Sechszylindermodelle in der Mittelklasse denkbar. Doch der technische Fortschritt in der Golf-Klasse verschiebt das Limit immer weiter.

Im Jahr 2002 schockte VW die Konkurrenz – und die eigene GTI-Fangemeinde. Mit dem Golf R32 brachten die Wolfsburger den bis dato stärksten und schnellsten Golf aller Zeiten auf den Markt. Eigentlich eher als Image-Spielerei gedacht, entwickelte sich der Kompakt-Bolide vor allem in den USA zum Renner. Und gab damit den Startschuss für ein beispielloses Aufrüsten.

Geheimnis seiner Kraft war sein Sechszylindermotor. Das 3,2 Liter große Triebwerk entwickelte im Golf IV eine Leistung von 177 kW/241 PS und leitete ein Drehmoment von 320 Nm an alle vier Räder – anders als beim Golf GTI, der mit vier Zylindern und Frontantrieb auskommen musste. Damit hatte VW zumindest die Hälfte des heute gültigen Rezepts für kompakte Kraftpakete etabliert: den Allradantrieb. Über die Vorderräder nämlich lassen sich die immensen Kräfte kaum anders als in Form von Gummi-Abrieb auf die Straße bringen.

Die Konkurrenz guckte in die Röhre, weil im Teileregal der meisten anderen Kompakt-Baureihen sowohl der Allradantrieb als auch der Sechszylinder fehlte. Ersteres hat sich mittlerweile in vielen Fällen geändert – letzterer hat sich technisch überlebt. Denn statt der großen und schweren Sechsendern sollte sich der Turbo-Vierzylinder mit Direkteinspritzung als potent genug erweisen, in neue Leistungssphären vorzustoßen – und dabei den Normverbrauch in gesellschaftlich akzeptierbare Bereiche einzubremsen.

Wie weit das Rennen um Höchstleistungen mittlerweile geht, zeigt etwa der frisch auf der IAA präsentierte Golf R. Die zweite Generation des Top-Kompakten wird von einem Vierzylinder-Turbo mit 221 kW/300 PS angetrieben. Der Allrader beschleunigt so in 4,9 Sekunden auf Tempo 100, der Vorwärtsdrang wird erst bei 250 km/h elektronisch eingefangen.

Es geht aber noch mehr: Der seit dem Frühjahr erhältliche Mercedes A 45 AMG, ebenfalls mit einem Abgaslader ausgerüstet, schöpft aus schmalen zwei Litern Hubraum sogar ganze 265 kW/360 PS – aktuell der absolute Top-Wert in dieser Hubraumklasse. Und das ganze bei einem Normverbrauch von 6,9 Litern.

Beide Boliden haben natürlich ihren Preis; und der liegt beim Golf mit 38.325 Euro in einer ganz anderen Liga als der des Standardmodells (ab 17.000 Euro). Die AMG-A-Klasse ist mit 49.680 Euro ebenfalls mehr als doppelt so teuer wie das Einstiegsmodell.

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