Kostspielige Nachspiel
Fehlerhafte Einspritztechnik belastet Daimler

Der vermeintliche Wundermotor von Mercedes kommt Daimler teuer zu stehen. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" beläuft sich der Schaden auf mehr als eine halbe Milliarde Euro.
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FrankfurtKleines Bauteil mit großer Wirkung: Eine fehlerhafte Einspritztechnik des Zulieferers Delphi hat in der Vergangenheit mehr Motoren von Mercedes lahmgelegt und den Autokonzern Daimler stärker finanziell belastet als bisher gedacht. Die bereits 2009 eingeräumten Probleme, die vor allem Modelle der Mittelklassewagen C- und E-Klasse betrafen, hätten tiefe Spuren in den Büchern hinterlassen und Delphi den lukrativen Auftrag gekostet, sagte eine mit der Situation vertraute Person, die damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" grundsätzlich bestätigte.

Laut der Zeitung beläuft sich der Schaden auf mehr als eine halbe Milliarde Euro, für den Daimler Delphi bereits in Regress nahm. Das US-Zuliefererunternehmen habe sich bereits mit 100 Millionen Euro an den Kosten beteiligt - über weitere Zahlungen werde verhandelt. Nutznießer der Panne ist der ursprünglich übergangene Stuttgarter Zulieferergigant Bosch, da Daimler jetzt stattdessen überwiegend dessen Magnetventile für den Motor verwendet.

Der Autohersteller hatte sich bisher über den Umfang der Probleme ausgeschwiegen. Zur Schadenssumme wollte ein Daimler-Sprecher auch jetzt keine Angaben machen. Es handele sich um Probleme, die vor allem in den Jahren 2008 und 2009 aufgetreten seien, betonte er lediglich. Diese Probleme seien längst behoben. Schon 2009 war Mercedes auf die Kunden zugegangen und hatte sich bemüht, den Schaden einzugrenzen. Der Fehler sorgte für einen plötzlichen Leistungsabfall der vermeintlichen Wundermotoren, die bei einer Leistung von 200 PS nur gut fünf Liter Kraftstoff verbrauchen. Das Fahrzeug schaltete dann in den Notmodus und drosselte die Höchstgeschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer.

Die Panne hat einen pikanten Hintergrund: Anfang 2005 hatte Bosch selbst Qualitätsmängel bei seiner Dieseleinspritztechnik festgestellt. Bei Mercedes kam es zu empfindlichen Produktionsverzögerungen. Die Systeme mussten ausgetauscht werden, hohe Kosten fielen an. Mercedes war es danach zu riskant, sich allein auf Bosch zu verlassen - und wechselte zu Delphi. Ein Fehler, wie heute Daimler-Manager einräumen.

Personelle Konsequenzen dürfte die Panne nicht mehr haben: Sowohl der damalige Mercedes-Produktionschef Rainer Schmückle als auch der Leiter der Antriebstechnik Volker Stauch sind nicht mehr auf ihren Posten. Schmückle verließ 2010 nach einer Millionenabfindung das Unternehmen und Stauch wurde in den Ruhestand verabschiedet - mit 58 Jahren.

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  • DB-Hasser
    Ja, seit unserem Vito schaue ich nur noch verachtlich auf Mercedes und bedauere jeden Fahrer mit der Gewissheit dass es diesen wohl auch bald treffen wird.
    Das bestätigt wiederum mein Urteil über Mercedes.
    Der Profitgier wurde die Qualität geopfert!

  • auch beim Vito hatten wir das Problem. Allerdings kam diese erst nach Ablauf der Garantiezeit von 2,5 Jahren. MB weigerte sich dann diesen Schaden zu übernehmen.

  • Die Erfahrung (s. "Mercedesfahrer") kann ich bestätigen. Bin bereits bei 2,5-fachen des Erstehungspreises angelangt. Daimler hat einiges bei den Bananenlieferanten und dem Konzern aus Redmont (US) abgeschaut. Sie lassen den Produkt inzwischen beim Kunden "reifen"... Absatzprobleme sind vorprogrammiert.

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