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Die deutschen Autoclubs rechnen mit der Abschaffung der billigsten Benzinsorte, dem Normalbenzin. Während die Ölkonzerne dementieren, werden die Spekulationen durch schrumpfende Preisunterschiede genährt – eine Diskussion, die zum Teil wenig sachlich geführt wird.

iw DÜSSELDORF. Spekulationen über eine Abschaffung von Normalbenzin haben zu Wochenbeginn für Verwirrung in der deutschen Tankstellenbranche geführt. „Ich verstehe nicht, worüber hier eigentlich diskutiert wird“, sagt Jürgen Ziegner, der Geschäftsführer des Zentralverbands Tankstellengewerbe in Bonn. „Ich glaube nicht an eine Abschaffung des Normalbenzins. Ich kann diesbezüglich auch keine Strategie der Mineralölkonzerne erkennen.“

Am Wochenende hatten Vertreter des Automobilclubs von Deutschland (AvD) und des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) behauptet, die Mineralölkonzerne wollten die Autofahrer zum Umsteigen von Normal- auf Superbenzin bewegen, beziehungsweise das Normalbenzin ganz abschaffen. Als Beweis führten sie an, dass der Preisabstand zwischen den beiden Benzinsorten von zwei auf einen Cent gefallen ist.

Die Mineralölkonzerne bezeichnen diese Argumentation als abwegig. „Es ist nun einmal so, dass sich die Preise nach Angebot und Nachfrage richten“, sagt eine Esso-Sprecherin. Zwar sei Superbenzin in der Herstellung teurer als Normalbenzin, an den Rohstoffmärkten in Rotterdam sei der Preisabstand jedoch schon seit längerem gefallen. „Im Mai war Normalbenzin in Rotterdam sogar teurer als Superbenzin“, stellte sie fest.

Mehrere Vertreter der Mineralölkonzerne werfen den Autoclubs Effekthascherei und mangelnde Sachkenntnis vor. „Ganz nüchtern betrachtet ist es eben so, dass Normalbenzin überhaupt nur noch in zwei der 27 EU-Staaten angeboten wird, und einer davon ist Deutschland“, sagt ein BP-Sprecher. Damit seien aber die deutschen Autofahrer stärker als andere vom internationalen Auf und Ab der Märkte betroffen.

Besonders in den USA besteht große Nachfrage nach Normalbenzin, und weil die Amerikaner seit Jahren zu wenig Raffineriekapazität haben, importieren sie aus Europa das Benzin. Dies führt zu höheren Preisen. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes liegt der Unterschied zwischen Normal- und Superbenzin an den Rohstoffmärkten bei 0,9 Cent pro Liter. Dennoch sprach der AvD-Präsident Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg am Wochenende gegenüber der „Bild“ von einer „eiskalten Abzocke“.

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