Krise bei Volkswagen
Die wichtigsten Fragen und Antworten zum „Dieselgate“

Muss Winterkorn gehen, oder aufklären? Prüft Dobrindt jetzt alle deutschen Diesel? Und warum würden VW sogar 18 Milliarden nicht weh tun? Ein Überblick über den Stand der Diesel-Affäre – und einige offene Fragen.
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Wackelt Winterkorn?
Am Mittwoch kommt der VW-Aufsichtsrat zu einer Krisensitzung zusammen, um über die Affäre zu beraten. Ende der Woche tagt das Gremium turnusmäßig. Ob es bis dann personelle Konsequenzen gibt, ist noch nicht klar. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts der Ruhr-Uni Essen-Duisburg, und nicht unbedingt als Freund des Wolfsburger Konzerns bekannt, forderte bereits Winterkorns Rücktritt. VW­Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, er stehe zu Winterkorn und erklärte gleichzeitig, dass der an der Spitze stehe und das Thema aufklären müsse. Wenn herauskommen sollte, dass Winterkorn an dem Skandal beteiligt ist, werde dieser von alleine zurücktreten. Der „Tagesspiegel“ meldete am Mittag, Winterkorn solle am Freitag von Porsche-Chef Matthias Müller abgelöst werden. Ein VW-Sprecher bezeichnete die Meldung als „Schwachsinn“.

Könnte VW die Milliardenstrafe zahlen?
VW könnte die Strafe aus den Liquiditätsreserven von 21 Milliarden Euro zahlen. Doch bei Verfahren mit US-Behörden müssen beschuldigte Firmen meist nicht die Maximalstrafe zahlen. Viel hängt davon ab, wie reumütig sich das Unternehmen zeigt. Hinzu kommen allerdings noch Rückrufkosten sowie mögliche Regressansprüche von enttäuschten Kunden und Aktionären. Noch nicht abschätzbar ist der Imageschaden für VW und die Diesel-Technologie.

Was wird Volkswagen vorgeworfen?
Der größte europäische Autohersteller hat zugegeben, mit Hilfe einer versteckten Software die Resultate von Abgasuntersuchungen bei Diesel­Fahrzeugen in den USA manipuliert zu haben. Laut der Umweltbehörde EPA hat sich das Programm nur bei offiziellen Emissionstests selber aktiviert und dann niedrigere Werte vorgetäuscht. Aufgefallen sind Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2015, unter anderem der für VW in den USA wichtige Jetta, der Golf, Beetle, Passat und der A3 der VW-Tochter Audi. Theoretisch drohen dem Konzern nun Strafzahlungen von bis zu rund 18 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro).

Wie wurde manipuliert?
Abgastests laufen nach einem festen Schema ab, unter Laborbedingungen auf einem Prüfstand. Dort wird eine festgelegte Abfolge von Stadt­ und Überlandfahrten, Brems- und Beschleunigungsmanövern simuliert. Die Manipulationssoftware erkannte, wann dieser Prüfzyklus lief, und sorgte dafür, dass die Abgasaufbereitung in vollem Umfang funktionierte, also möglichst wenig Stickoxide in die Umwelt gelangten. Wenn der Test zu Ende war, schaltete der Motor wieder auf Normalbetrieb um, und die Abgaswerte stiegen – nach EPA-Angaben zum Teil bis auf das 40-fache der erlaubten Grenzwerte.

Ist das Phänomen neu?
Tricksereien bei der Ermittlung von Verbrauchs- und Abgaswerten bei Pkw sind seit Jahren üblich. Die europäische Nicht-Regierungsorganisation ICCT (International Council of Clean Transportation) hat in eigenen Tests dokumentiert, dass die Abweichungen der Prüfstandwerte zu den real gefahrenen Werten größer werden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte schon im Mai 2013 mit Bezug auf eine Studien der ICCT und des ADAC auf die Manipulationen durch Bordcomputer aufmerksam gemacht. Dem Münchener Autoclub fallen nach eigenen Angaben seit Jahren Abweichungen bei Abgastests in Deutschland auf. Seit 2003 überprüfe man jährlich 150 Autos auf Schadstoffe, und bei Dieselfahrzeugen kämen immer wieder Abweichungen von den aktuellen Euro-Grenzwerten vor.

Warum ist der Zeitpunkt des Skandals so ungünstig?
Nordamerika ist für VW so eine Art Wanderbaustelle mit chronisch schwachen Absatzzahlen. Im Zeitraum von Januar bis August 2015 lag die VW­Pkw­Sparte in den USA mit 238.100 verkauften Pkw bisher 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Alle Konzernmarken zusammen lagen bei 405.400 Fahrzeugen ­ ein Plus von 2,7 Prozent. Gerade in Nordamerika wollte sich die Marke nun stärker ins Zeug legen. Bis 2018 erhofft sich der Konzern nämlich einen Absatz von bis zu 800.000 Fahrzeugen. Mit den jetzt entstandenen tiefen Kratzern im Image wird das schwer. Gerade mit den TDi-Direkteinspritzern wirbt der Konzern massiv in den USA für „Clean Diesel“. Zeitlich fällt der Skandal mit der Präsentation des 2016er US-Passat zusammen.

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Und die anderen sind sauber?

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  • Naja, wenn man Wiko beim Wein,... kennen lernt, mag er ja recht nett sein.

    aber man beachte, dass er früher immer ein Ohrhörer hatte. Ferdi -- uns später Uschi haben ihm alles vorgesagt.

    einatmen -- ausatmen
    sieh nach links
    nicke
    sage JA
    ......

    Aber iwa waren wohl die Akkus leer und Wiko hat das Rauschen im Wald mit der Stimme in seinem Ohr verwechselt. Wie Ferdi mal sagt: "Wiko ist ein begnadeter Q-Mann, aber kein Ingenieur".

    Und wie immer hatte Ferdi Recht.

    Wahrscheinlich darf er jetzt erst mal die verdiente Prügel einstecken, dann kommt sein NF.

    Wer sich an den Elchtest erinnert, weiß, wie Ferdi so etwas geregelt hätte. Aber nein, klein Wiko (Zauberlehrling) dachte ja, dass er denken kann.

  • Wie ich Dr. Winterkorn kenne, würde er sogar auf sein Gehalt verzichten und quasi pro bono umsonst arbeiten. Der Typ weiß wie man Autos baut und seine besten Kunden glücklich macht. Dieser Mann hat Benzin im Blut und ein einzigartiges Produkt-Portfolio aufgebaut und unter Kontrolle.

    Jemand anders an seiner Stelle bei der Marke Volkswagen kann ich mir persönlich überhaupt vorstellen.

  • Wie ich Dr. Winterkorn kenne, würde er sogar auf Gehalt verzichten und quasi pro bono umsonst arbeiten. Der Typ weiß wie man Autos baut und seine besten Kunden glücklich macht. Dieser Mann hat Benzin im Blut und ein einzigartiges Produkt-Portfolio aufgebaut und unter Kontrolle.

    Jemand anders an seiner Stelle bei der Marke Volkswagen kann ich mir persönlich überhaupt vorstellen.

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